Maastricht - Maastricht wird untertunnelt

Maastricht wird untertunnelt

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
tunnelbu
Maastricht soll von Staus, Lärm und Abgasen befreit werden. Dazu verschwindet die A2 wie hier im Plan des Büros Avenue2 dargestellt unter die Erde. (Grafik: Avenue2)

Maastricht. Zwanzig Minuten lang Stillstand. Hupen, ungeduldiges Spielen mit dem Gaspedal, dicke Abgasschwaden. Unzählige Male wechselt die Ampel von Rot nach Grün.

Der Berufsverkehr nach Feierabend presst sich aus der Stadt in Richtung Autobahn. Polizisten stehen als Ventil auf einer der großen Kreuzungen, geben lange Phasen dem Verkehrsfluss aus der Stadt Vorrang. Wer jemals auf die Idee kommen sollte, daran zu zweifeln, dass Maastricht ein neues Verkehrssystem braucht, der sollte zu den Hauptverkehrszeiten einen Ausflug in die limburgische Stadt wagen und sich in die Blechschlange aus 55.000 Fahrzeugen pro Tag einreihen.

Wer sich das ersparen möchte, sollte zu anderen Tageszeiten fahren oder bis 2016 warten. Bis dann soll nämlich die A2 in einem Tunnel unter der Stadt hindurchführen. Drei Pläne inklusive städtebaulicher Konzepte gibt es dazu, 500 Millionen Euro werden investiert. Wer den Zuschlag bekommt, entscheidet sich im Juli dieses Jahres.

Wie an der Berliner Mauer

Die tagtäglichen Staus sind nicht nur für die Autofahrer lästig, sondern auch für die Anwohner, die Lärm und Gestank aushalten müssen. Auch optisch ist das kein Spaß: Wer rechts und links vom Verbindungsstück der A2 wohnt, wohnt wie an der Berliner Mauer, sagen die Maastrichter. Lärmschutzwälle trennen die anliegenden Wohnhäuser, wer hier oder auch weiter stadtauswärts auf die andere Seite will, muss große Umwege in Kauf nehmen. Bedauerlich, schließlich locken Parks beziehungsweise schmucke Landgüter auf der anderen Seite.

Die Erreichbarkeit ist auch ein Manko des wichtigsten Gewerbegebiets von Maastricht, Beatrixhaven. Der Weg von der Autobahn ab führt durch Wohngebiete. Und wer von der A79 aus Richtung Aachen auf die A2 wechseln will, kann das nur in die östliche Richtung. Hier muss ein Autobahnkreuz gebaut werden.

Beteiligung der Bürger

Wie all das im Einzelnen gelöst werden kann, haben die drei Bewerber an 17 Terminen an Modellen, in Videos und an Stellwänden den Maastrichter Bürgern näher gebracht. Hier konnten sie den Mitarbeitern der Planungsbüros ihre Bedenken mitteilen, Verbesserungsvorschläge machen oder einfach Unklarheiten beseitigen. Dass die Stadtbewohner in solch eine wichtige Entscheidung in dieser Form einbezogen werden, ist selbst für die Niederländer ungewöhnlich. „Alle dachten am Anfang: Ach, da geht es doch nur um einen Tunnel.

Das ist aber nicht so”, erklärt Desirée Florie vom A2-Projektbüro. Spürbar wird das am deutlichsten für Anwohner entlang des künftigen Tunnels, deren Wohnungen abgerissen werden. Die Gemeinde die meisten Wohnungen schon aufgekauft. Unter Preis, meinen die früheren Eigentümer.

Wie ihre Umgebung künftig aussehen soll, stellt sich das Büro Unie van Maastricht so vor: Der Stadtverkehr über dem eingeschossigen Tunnel für den Durchgangsverkehr soll überdacht werden, so dass die Bewohner der anliegenden Häuser auf Grün statt auf Autodächer schauen.

An elf Stellen sollen Stadtverkehr, Fußgänger und Radfahrer von parallel verlaufenden Alleen in die Viertel gelangen können. „Uns sind bessere sozial-kulturelle Verbindungen in der Stadt wichtig”, sagt Dorien de Witt, Sprecherin von Unie van Maastricht. 13.000 Fahrzeuge pro Tag würden durch die Stadt fahren. An den Stadteingängen sollen Hochhäuser entstehen.

BA2M will sämtliche Autos unter die Erde verbannen. Zwei Ebenen mit je zwei Bahnen für jede Richtung will das Büro bauen. Oberirdisch sollen Parks und Plätze entstehen. Das Grundwasser, das vom Tunnel abgepumpt wird, soll zur Renaturierung der umliegenden Landschaft verwendet werden. Hochhäuser sieht BA2M nicht vor.

Wie viele Wohnungen und Büros letztlich neu entstehen, wird abschließend erst nach der ersten Phase, dem Umbau der Verkehrsnetze, beschlossen. Avenue2, das dritte Planungsbüro, sieht auch einen doppelgeschossigen Tunnel vor, der wesentliche Unterschied zu den anderen Plänen ist, dass die Allee über dem Tunnel auf rund sechs Kilometer verlängert wird, um eine grüne Verbindung ins Umland zu schaffen. Der Stadtverkehr (27.000 Fahrzeuge pro Tag) soll langsam fließen, 30, maximal 50 Stundenkilometer.

Welcher Plan den Zuschlag bekommt, entscheiden in letzter Instanz die beteiligten Gremien (Verkehrsministerium, Ministerium für Raumordnung, Provinz Limburg sowie die Gemeinden Maastricht und Meerssen). Eine Vorentscheidung trifft eine Kommission unabhängiger Experten im Juli 2009.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert