Luxus ist im neuen Krankenhaus Standard

Von: Verena Müller
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Das könnte auch eine Hotel-Lobby sein: Das Orbis Medisch Centrum will nicht wie ein Krankenhaus wirken. Foto: Michael Jaspers

Geleen. Noch werden Bürostühle durch das Krankenhaus der Superlativen geschoben, Empfangstheken poliert und Böden gebonert. Hektik ist bisher nicht ausgebrochen, aber bis zum Ende des Monats muss der Umzug vom alten Krankenhaus ins neue Orbis Medisch Centrum weitestgehend abgeschlossen sein.

Der neue 130.000-Quadratmeter-Komplex soll laut Orbis-Konzern unter den Top 5 der modernsten Kliniken weltweit sein. 425 Betten in Einzelzimmern - und nur in Einzelzimmern, das ist bisher einmalig in den Niederlanden - fasst das Gebäude. Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad, vom Bett aus kann der Patient über einen internetfähigen PC Essen bestellen, das Licht dimmen und die Schiebetür schließen. Vom Bett aus lassen sich sogar die Gardinen von einem tiefen Surren begleitet zuziehen.

„Vor zehn Jahren hat in den Niederlanden das Umdenken begonnen. Was will der Patient der Zukunft?, haben wir uns gefragt”, sagt Cees Sterk, Direktor des Krankenhauses. „Mehr Privatsphäre”, war eine Antwort auf die Frage. Diesen Luxus gibt es aber nicht etwa ausschließlich für Privatpatienten, sondern für alle. Das Gesundheitsministerium hat die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung des fortschrittlichen Konzepts geschaffen, finanziell hat es sich nicht beteiligt.

Ungewöhnlich ist auch die flexible Nutzung der Räume durch das Personal: Besprechungszimmer und Arbeitsplätze sind nicht bestimmten Ärzten zugewiesen, sie können von allen nach Bedarf genutzt werden. Mit einer Chipkarte können sich die Mitarbeiter einloggen und haben Zugriff auf die Daten ihrer Patienten. Die liegen übrigens nicht mehr in Papierform vor, lästiges Hin- und Herschicken von einer Abteilung in die andere wie im alten Krankenhaus im Sittarder Stadtzentrum gibt es also auch nicht mehr.

Dass der Eingangsbereich auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Bundeskanzleramt und Hotel-Lobby aussieht, ist auch kein Zufall: Patienten und Besucher sollen so wenig wie möglich mit den belastenden Themen Krankheit und Tod konfrontiert werden. Auf den breiten Fluren zwischen den Patientenzimmern gibt es Anrichten für das Buffet und Sitzecken zum Einnehmen der Speisen. Wagen mit gebrauchter Bettwäsche oder leere Betten wird man hier vergebens suchen.

GPS-gesteuerte Wäsche

Ähnlich wie auf Dienstbotengängen in Herrenhäusern bewegt sich die gesamte Logistik in für Patienten und Angehörige unsichtbaren Fluren. GPS-gesteuerte Wägelchen versorgen die Etagen über eigene Aufzüge mit Material. Dort sieht es deutlich kühler und nüchterner aus als an der für Patienten sichtbaren Oberfläche.

Die schimmert in beruhigendem Schiefergrün, das helle Holz der Treppenaufgänge setzt sich dezent vom grau-glänzenden Bodenbelag ab. Ein Entwurf des Architekten Jan van der Leij vom Architektenbüro Bonnema. Sieht teuer aus, ist es auch. 370 Millionen Euro umfasst die gesamte Finanzierung inklusive Inneneinrichtung. Etwa zehn Millionen Euro Subventionen von Land und EU sind geflossen.

„Aber auch wenn wir vielleicht hier und da etwas mehr investiert haben, wird sich das rentieren”, sagt Sterk. „Beispielsweise durch die Nutzung erneuerbarer Energien.” Also auch beim Klimaschutz ist das Krankenhaus vorbildlich: Durch die Wärmegewinnung aus fünf warmen unterirdischen Quellen stößt das Gebäude 1500 Tonnen weniger Kohlendioxid aus.

Das alte Krankenhaus, gegründet im Jahr 1908 und Ursprung der Orbis-Konzerns, wird umgebaut. Betreutes Wohnen für Senioren soll dort entstehen.

Das Krankenhaus in Zahlen

425 Betten im Krankenhaus, 90 in der Reha und 50 in der Psychiatrie gibt es. 2000 Angestellte ziehen vom Stadtzentrum in das neue Gebäude um. Dabei sind die Mitarbeiter der Geschäfte im Erdgeschoss - darunter ein Friseur, ein Hörgerät-Akustiker und eine Apotheke - nicht mitgezählt.

Der durchschnittliche Aufenthalt eines Patienten in niederländischen Krankenhäusern beträgt sechs Tage. Ähnlich wie in Deutschland geht der Trend zu kürzeren Verweildauern. Trotz eines jährlichen Patientenzuwachses von drei bis fünf Prozent benötigt das Orbis Medisch Centrum deshalb keine zusätzlichen Kapazitäten im Vergleich zum alten Krankenhaus.

17.000 Menschen werden im Jahr aufgenommen, 22.000 Tagesbehandlungen werden durchgeführt und 350.000 Menschen kommen jährlich in die Ambulanz. Etwa fünf Prozent der Patienten stammen aus Deutschland, die meisten aus dem Kreis Heinsberg.
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