Aachen - Lungenkrebs häufiger in Bergbau-Regionen

Lungenkrebs häufiger in Bergbau-Regionen

Von: Sabine Rother
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Bei den meisten Krebserkrankungen ist nach dem operativen Eingriff eine Chemotherapie notwendig. Foto: dpa

Aachen. Auf Deutschland rollt eine Welle von Krebserkrankungen zu. Die Zahl der Neuerkrankungen wird bis zum Jahr 2030 um 26 Prozent ansteigen. Das sind die Kernaussagen des erstmals von der AOK Rheinland/Hamburg erstellten Onkologie-Reports 2013. Besonders kritisch sind darin für die Region Aachen-Düren-Heinsberg die Werte bei den Sterbefällen durch Lungenkrebs.

Insgesamt wurden im Onkologie-Report die 2010/2011 gesammelten internen Daten von über drei Millionen Versicherten sowie unter anderem Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des Epidemiologischen Krebsregisters NRW ausgewertet.

In konkreten Zahlen rechnen die Statistiker für 2030 mit 606.000 Neuerkrankungen (2008 waren es rund 480.000) und 282.000 Sterbefällen (2008: 212.000) deutschlandweit. „Teilweise liegen bei den Erkrankungen und deren Versorgung erhebliche Unterschiede vor“, betont Jürgen Engels, Regionaldirektor der AOK in Aachen. Dabei wird der allgemeine Trend steigender Fallzahlen in der Bevölkerung bei sinkender Sterblichkeitsrate auch in unserer Region deutlich. Engels: „Bei einzelnen Krebserkrankungen macht die Nachsorge inzwischen sogar den Hauptteil der Behandlung aus.“

Auch Darmkrebs droht

Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist in Deutschland Krebs die zweithäufigste Todesursache. 646 Sterbefälle durch bösartige Neubildungen gab es 2010 in unserer Region. Bei den Erkrankungszahlen bestätigt der Report, dass der häufigste Krebs der Frau die Brust betrifft (37,4 Prozent) – beim Mann ist es die Prostata (31,5). Beide Geschlechter werden von Darmkrebs (Männer 14,3 Prozent, Frauen 13,5 Prozent) bedroht. Wo an dritter Stelle der Statistik beim Mann die Harnblase betroffen ist, trifft es bei Frauen die Gebärmutter (4,6 Prozent/5,1 Prozent).

Die Behandlung von Brustkrebs vertrauen auffallend viele Patientinnen spezialisierten Brustzentren in ihrer Nähe an, wo Patientinnen sofort auf Ärzte verschiedener Disziplinen (etwa Onkologie, Psychotherapie, Strahlentherapie, Pathologie, Ästhetische Chirurgie) treffen und eine auf ihre Erkrankung auch pflegerisch speziell abgestimmte Betreuung geboten wird. In Zahlen bedeutet das: Im einstigen Kreis Aachen gingen 112 von 123 erkrankten Frauen in ein Brustzentrum, im Kreis Heinsberg 86 von 103 Betroffenen und im Kreis Düren waren es 154 von 162 Krebspatientinnen. Prozentual ergibt der Onkologie-Report, dass rund 81 Prozent der im Untersuchungszeitraum behandelten Brustkrebspatientinnen ein Brustzentrum aufgesucht haben. „Der Begriff eines Zentrums, in dem man sich auf diese Krebsart spezialisiert hat, ist allerdings noch nicht geschützt, und selbst die Zertifizierungsformen sind nicht einheitlich“, sagt Engels. „Hier müssen endlich einheitliche Standards geschaffen werden, damit die Qualität grundsätzlich abgesichert ist.“ Im Ausland sei die Behandlung in Zentren wesentlich selbstverständlicher als in Deutschland.

Was beim Kampf gegen den Brustkrebs nach Einschätzung der AOK inzwischen gut funktioniert, ist beim Lungenkrebs noch nicht erreicht. Nur jeder fünfte stationäre Lungenkrebspatient wurde 2011 in einem zertifizierten Zen­trum versorgt. In der Ermittlung der Sterbefälle aufgrund dieser Krebsart rangieren die einstigen Bergbauregionen nach Angaben der AOK anhaltend im vorderen Bereich. „Auch Bergarbeiter, die damals noch sehr jung waren, sind heute unter den Erkrankten“, weiß Engels. „Erkrankungen wie eine Staublunge entwickeln sich relativ langsam.“ Im Raum Aachen-Düren-Heinsberg starben 2010 insgesamt 679 Menschen an dieser Krebsart – 232 Frauen und 447 Männer. „Hier gibt es noch immer deutlichen Nachholbedarf in der Prävention“, meint Engels und verweist darauf, dass ausgerechnet in den genannten Bezirken der Raucheranteil mit 28 bis 30 Prozent der Bevölkerung sehr hoch ist. Der Report hat ergeben, dass in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit zugleich vermehrt geraucht wird. In Zahlen: In unserer Region beträgt der Raucheranteil in der Bevölkerung etwa 30 Prozent. Die Arbeitslosenquoten betrugen 2011 in der Städteregion rund 9,6 Prozent, im Kreis Düren 8,1 Prozent und im Kreis Heinsberg 8,0 Prozent. Bundesdurchschnitt waren 7,1 Prozent. Relativ hoch ist die Zahl der Krankenhausaufenthalte durch Lungenkrebs. 0,6 Prozent der betroffenen Frauen sind im Alter zwischen 25 und 29 Jahren. Schon zehn Jahre später erhöht sich die Zahl auf 29,1 Fälle je 100 000 Einwohner. 887 Patientinnen gab es 2010 in unserer Region.

Bei Männern liegen die Krankenhausfälle bis zum 44. Lebensjahr noch unter denen der Frauen. Danach steigt der Wert schnell stark an. Ab dem 60. Lebensjahr sind die Werte bei Männern zwei- bis fünfmal so hoch wie bei Frauen. 1541 Männer mussten deshalb 2010 in ein Krankenhaus. Vermutet wird ein verstärkter Zigarettenkonsum. Die Zahlen bei Gebärmutterhalskrebs sind im Rheinland eher gering, doch bei der regionalen Verteilung der Krankenhausfälle – ermittelt unter Frauen im Alter unter 63 Jahren – befinden sich Kreis Düren, der Städteregion und der Kreis Heinsberg mit 178 Fällen im vorderen Bereich der Statistik. Positiv im Report, der auch die Versorgungssituation beleuchtet: „Die Menschen sind bereit, sich zu bewegen, spezialisierte Hilfe in Anspruch zu nehmen“, erklärt Engels. „Dabei kann man nicht sagen, dass die Städte besser versorgt sind als die ländlichen Regionen.“ Der nächste Onkologie-Report wird 2014 erwartet.

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