Luftretter arbeiten an Einsätzflügen in der Nacht

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
Rettungshubschrauber Christoph Europa 1
Rettungshubschrauber Christoph Europa 1 kennt keine Ländergrenzen. Foto: Schmitz

Aachen. Es gibt im Grunde nur zwei Dinge, die den Rettungshubschrauber Christoph davon abhalten, in die Luft zu gehen: schlechtes Wetter und die Nacht. Naturgegeben ist nur das erste Hindernis.

„Mit dem Wetter”, sagt Thomas Schlechtriemen, „müssen wir leben. Das können wir nicht beeinflussen.” Der Mann spricht aus Erfahrung. Er hat über 2000 Rettungseinsätze als Notarzt in einem der gelben Fluggeräte mit dem ADAC-Logo geflogen. Bundesweit sind sie auf den Namen Christoph getauft. In unserer Region heißt er Christoph Europa 1 und ist auf dem Flugplatz Merzbrück zuhause.

Schlechtriemen selbst geht nicht mehr in die Luft, um Menschenleben zu retten. Mittlerweile analysiert der Anästhesist als Leiter des medizinischen Qualitätsmanagements der ADAC-Luftrettung vom Boden aus, wie sich der Ablauf optimieren lässt. Er kennt sich also aus mit den „Möglichkeiten und Grenzen des Rettungshubschraubers”, über die er beim Euregio-Rettungsdienst-Symposium in Aachen referierte.

Während also schlechtes Wetter auch auf absehbare Zeit die Rettungsflieger dazu zwingen wird, am Boden zu bleiben, ist die Dunkelheit der Nacht ein überwindbares Problem. Derzeit liefen viele Pilotprojekte mit Nachtsicht- und Antikollisionsgeräten, berichtete Schlechtriemen. Voraussetzung für einen nächtlichen Rettungshubschrauber sei neben der darauf abgestimmten Technik, eine enge Kooperation mit dem bodengebundenen Rettungsdienst. Dem fiele nämlich die Aufgabe zu, potenzielle Landeplätze zu erkunden.

Ein bislang nicht zu lösendes Problem sind die Kosten. Schlechtriemen taxiert sie auf ein Dreifaches der bisherigen Aufwendungen für die Luftrettung: „Es müssen dann ja mehr Piloten zur Verfügen stehen.” Denn im Gegensatz zu den Notfallmedizinern am Boden dürfen die Piloten nicht 24 Stunden am Stück im Einsatz sein.

Die Vorteile des Rettungshubschraubers liegen für Schlechtriemen auf der Hand. In kurzer Zeit erreicht er auch abgelegene Einsatzorte und ermöglicht einen schnellen Transport in die bestgeeignete Spezialklinik. Nicht zuletzt darauf führt Schlechtriemen die seit Jahren kontinuierlich steigenden Einsatzzahlen der Rettungshubschrauber zurück.

Der Experte warnt aber: „Die Luftrettung darf nicht als Ausrede dafür gelten, den bodengebundenen Rettungsdienst nicht optimal zu gestalten.” Der Schlüssel zur bestmöglichen Versorgung von Verletzten sei die Koordination von Luft- und Bodeneinheiten. Christoph Europa 1 allein wäre mit dieser Aufgabe in unserer Region schlichtweg überfordert.
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