Lüttich - Lüttich: 1300 Stahlwerker werden entlassen

Lüttich: 1300 Stahlwerker werden entlassen

Von: Marc Heckert
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arcelormittal
Spontaner Protest: Mitarbeiter des von der Schließung bedrohten ArcelorMittal-Stahlwerks zündeten am Donnerstag auf dem Werksgelände Autoreifen an. Foto: dpa

Lüttich. Entsetzen in der belgischen Metropole Lüttich: Der multinationale Stahlkonzern ArcelorMittal will in der Region 1300 Mitarbeiter entlassen und mehr als die Hälfte seiner Anlagen schließen. Das teilte die Unternehmensleitung am Donnerstag mit. Es kam zu spontanen Protestaktionen auf dem Werksgelände. Mitarbeiter zündeten dabei Autoreifen an und blockierten die Zugänge.

Belgische Medien zitieren Gewerkschaftsangaben, wonach sieben von zwölf Werken in der sogenannten Kaltstahlverarbeitung endgültig geschlossen werden sollen. Betroffen seien Anlagen in Seraing, Ougrée, Chertal, Tilleur, Flémalle und Marchin. Wann genau die Werke schließen sollen, steht demnach noch nicht fest.

Auf dem Firmengelände kam es am Donnerstag zu wütenden Protesten. Gewerkschaften riefen zu spontanen Arbeitsniederlegungen auf. Erst vor gut einem Jahr hatte ArcelorMittal bereits zwei Hochöfen in der Region stillgelegt. Dabei haben mittlerweile fast 800 Mitarbeiter ihre Stellen verloren. Trotzdemm so das Unternehmen, seien in den ersten neun Monaten 2012 in diversen Werken im Raum Lüttich Verluste von mehr als 200 Millionen Euro angefallen. Eine Besserung sei nicht in Sicht: „Dies ist auf Dauer nicht möglich.“ Die Nachfrage nach Stahl liege inzwischen um 29 Prozent niedriger als vor dem Beginn der Wirtschaftskrise.

Sollten die nun angekündigten Stellenstreichungen durchgesetzt werden, würden nach Medienangaben an dem traditionsreichen Standort nur noch rund 800 Menschen in der Stahlproduktion arbeiten. Das Lütticher Becken gilt als Wiege der Stahlproduktion in Europa.

Für Montag wurden in den einzelnen Werken Mitarbeiterversammlungen angekündigt. Die Vertreter der Gewerkschaften kündigten weitere Aktionen an.

Belgische Politiker kritisierten die Entscheidung des Stahlkonzerns scharf. Der sozialdemokratische Regierungschef Premierminister Elio Di Rupo sagte einen geplanten Staatsbesuch in Chile ab und sicherte den Betroffenen Hilfe zu. „Wir unterstützen die Mitarbeiter und ihre Familien. Die Mitarbeiter und die Behörden haben große Anstrengungen unternommen, die Aktivitäten von ArcelorMittal uns unserem Land zu halten.“

Di Rupo hält sich derzeit auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos auf, wo er am Donnerstagnachmittag mit dem Vorstandsvorsitzenden von ArcelorMittal, Lakshmi Mittal, zusammentreffen wollte. „Ich werde ihm unser völliges Unverständnis mitteilen.“ Am Freitag will er Vertreter der Regierung der Provinz Wallonie treffen.

Der multinationale Konzern ArcelorMittal ist nach eigenen Angaben größter Stahlproduzent der Welt. Er war 2007 aus dem Zusammenschluss der niederländischen Mittal Steel Company und des luxemburgischen Konzerns Arcelor hervorgegangen. In 60 Werken weltweit beschäftigt ArcelorMittal rund 280.000 Mitarbeiter.

Die Wirtschaftskrise hatte den Stahlhersteller schwer getroffen. Mehrere Werke fuhren die Produktion herunter oder wurden stillgelegt. Ende 2011 hatte die Direktion in Lüttich verkündet, dass die Warmwalzwerke in Seraing und Ougrée abgeschaltet werden sollen. Sie seien nicht wettbewerbsfähig genug. Darauf protestierten Zehntausende Menschen in Lüttich, Schulen und Behörden schlossen aus Solidarität.

„Es werden nicht mehr als 500 Arbeitsplätze im Bassin von Lüttich verbleiben“, befürchtete der Präsident der belgischen Gewerkschaft FGTB-Metal, Robert Rouzeeuw. Es gebe vor allem keinerlei Garantien über künftige Produktionskapazitäten. Die sozialdemokratische Partei Di Rupos sprach von einem „Angriff auf einen entscheidenden Teil der Wirtschaft in Lüttich und in der gesamten Wallonie“. Die Regierung der Provinz Lüttich zeigte sich „erstaunt über die brutale Entscheidung“ und über den „Zynismus ohnegleichen“ des Unternehmens.

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