Loveparade-Katastrophe: Marko Finken gehört zu den Leidtragenden

Von: Karl Stüber
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Er wäre froh, wenn er wieder ganz normal leben könnte: Die Love-Parade-Katastrophe von Duisburg war für den Herzogenrather Rettungsassistenten Marko Finken einfach zu viel. Foto: M. Bienwald
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Erinnerung: Eine Kerze steht am Ort des Loveparade-Unglücks in Duisburg im Tunnel, an dessen Wand Silhouetten von Menschen gemalt wurden. Dreieinhalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg mit 21 Toten stehen die Ermittlungen offenbar kurz vor dem Abschluss. Foto: dpa

Duisburg/Herzogenrath. Die Staatsanwaltschaft Duisburg will dreieinhalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten demnächst Anklage erheben. Der Herzogenrather Marko Finken gehört zu den Leidtragenden der Katastrophe.

Als Rettungsassistent war er mit einem Arzt als erster an Ort und Stelle, hat die von der Masse niedergetretenen Menschen, die Schreie der Schwerverletzten und die Panik der Überlebenden erlebt. Darüber ist Finken krank und berufsunfähig geworden.

Es zeichnet sich ab, dass von den einst 16 Beschuldigten letztlich nur noch zehn vor dem Kadi stehen werden. Die Rede ist vom früheren Duisburger Stadtentwicklungsdezernenten, fünf Mitarbeitern des städtischen Bauamts und vier Verantwortlichen der Firma Lopavent, die die als Riesen-Party gedachte Veranstaltung organisiert hatte. Experten halten daher die komplette Aufarbeitung der Katastrophe innerhalb des Prozesses für gefährdet.

Herr Finken, wie geht es Ihnen heute gut dreieinhalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe?

Finken: Ich leide an einer chronifizierten Traumafolgeerkrankung, die ständiger intensiver ambulanter und stationärer Psychotherapie bedarf und deren Folge eine volle Erwerbsunfähigkeit und Berentung ist. Dies ist auch auf andere Einsätze zurückzuführen, die weit außerhalb der Norm waren. Einen Großteil meines Lebens muss ich zurzeit dem „Kampf“ mit der Feuerwehr-Unfallkasse NRW widmen, mit Unterstützung meiner Anwälte.

Durch die Loveparade-Katastrophe in Duisburg sind Sie vom Retter zum Opfer geworden. Würde es Ihnen helfen, wenn die Schuldfrage geklärt wird?

Finken: Die Schuldfrage habe ich für mich geklärt und damit meinen Frieden geschlossen.

Sind aus der Katastrophe die richtigen Konsequenzen gezogen worden? Sind Retter heute anders vorbereitet und aufgestellt als damals?

Finken: Mittlerweile wird mit dem Thema Posttraumatische Belastungsstörung meiner Auffassung nach auf Feuer- und Rettungswachen offener umgegangen und zeitnahe psychologische beziehungsweise traumatherapeutische Hilfe gewährleistet.

Sehen Sie sich in dem Verfahren eher als Zeuge und Geschädigter? Erwägen Sie und Ihr Anwalt als Kläger aufzutreten – entweder als Nebenkläger in diesem Verfahren oder später nach einem Urteil in einem weiteren Verfahren, wenn es zum Beispiel um Schmerzensgeld und weitere Ansprüche geht?

Finken: Soweit ich informiert bin, wird sich in meinem Falle die Feuerwehr-Unfallkasse NRW entstandene Kosten wohl „zurück holen“.

Werden Sie denn zumindest das Verfahren im Gerichtssaal verfolgen?

Finken: Nein.

Schon vor der offiziellen Anklageerhebung wird Kritik laut, es werden nicht alle Verantwortlichen auf die Anklagebank gesetzt, möglicherweise sogar die Falschen, also Untergebene und nicht die Hauptverantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Wie sehen Sie das?

Finken: Ich sehe dies genauso. Die Kleinen hängt man – und die Großen lässt man laufen . . ., versorgt mit dicken Pensionen und ohne Moral.

Sie haben über ihre schrecklichen Erlebnisse bei der Loveparade ein Buch geschrieben – auch um sich die Qualen von der Seele zu schreiben, was leider nicht gelang. Wären Ihre Erfahrungen, die Sie mit Ärzten, Gutachtern, Versicherungen und anderen Einrichtungen bezüglich der Anerkennung Ihrer Berufsunfähigkeit gemacht haben, nicht ein weiteres Buch wert?

Finken: Irgendwann, wenn dies meine zurzeit leider eingeschränkte Konzentration hergibt, ja. Ich stehe aber einigen Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite.

Wie sehen Ihre Perspektiven aus?

Finken: Irgendwann wieder das Leben genießen zu dürfen, ohne Todesschreie und Bilder, die einen Tag und Nacht verfolgen.

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