Liegen noch Millionen in „einem Erdloch” oder nicht?

Von: Wolfgang Schumacher
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Norbert Ho. (l.) und sein Anwalt Rainer Dietz. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Sind mehr als zwei Millionen Euro einfach weg oder sind sie es nicht? Im Verfahren gegen den mutmaßlichen Aachener Finanzbetrüger Norbert Ho. (59) machte sich vorübergehende Ratlosigkeit breit.

Denn dank des schnellen Geständnisses des Mannes, der als Immobilien- und Finanzmakler inzwischen geschätzte zehn Millionen Euro Schulden angehäuft haben soll, konnte die Große Strafkammer am Aachener Landgericht auf die Aussagen von etwa 70 Zeugen, darunter um Hunderttausende von Euro betrogene Opfer, verzichten. So wäre man am Dienstag bereits in der Lage gewesen, die Beweisaufnahme zu schließen.

Doch es tat sich ein breiter Graben zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf. Anwalt Rainer Dietz bat darum, noch „etwa einen Zentner Unterlagen” sichten zu können. Ziel: Sein Mandant habe mit seinem Schneeballsystem einfach Kontenlöcher gestopft und habe eben nicht in betrügerischer Absicht erhebliche Beträge beiseite geschafft. Anwalt Dietz: „Ich möchte schlüssig erklären können, dass er nicht noch irgendwo ein Erdloch mit einer Million darin besitzt.”

Dafür brauche die Verteidigung noch Zeit, zu umfangreich seien die Aktenberge, meinte der Anwalt. Jener Nachweis kann beim zu erwartenden Strafmaß entscheidend für einen Mann sein, der über Jahre hinweg - angeklagte sind Taten zwischen 2003 und 2007 - mit kräftigen Zinsversprechen sein aufwändiges Leben als Aachener Honoratior finanzierte und dafür anscheinend bedenkenlos Leute abzockte, wie Staatsanwalt Jost Schützenberg es wertete und knurrte: „Ich glaube Ihrem Mandanten kein Wort. Ich glaube im Gegenteil, dass er noch irgendwo Geld liegen hat.” Am Donnerstag geht es weiter.

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