Jalhay/Sart - Leuchtende Marienstatue: Der Spuk ist vorerst vorbei

Staukarte

Leuchtende Marienstatue: Der Spuk ist vorerst vorbei

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Vom Wohnzimmer der Familie Lefloch in die Garage: Auch hier drängelten sich zum Schluss die neugierig-ehrfürchtigen Besucher, um die Marien-Statue von Sart zu betrachten, die bei Einbruch der Dunkelheit leuchtete. Jetzt ist die Skulptur in Lüttich und wird von Experten untersucht. Foto: Helmut Thönnissen
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Abgesperrt: Wer zurzeit in Jalhay-Sart den Ort besuchen möchte, an dem die Madonna stand, ist nicht mehr willkommen. Foto: Ralf Roeger
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Ein Aushang mit dem Stempel der Gemeinde informiert: Maria ist nicht mehr da. Foto: Ralf Roeger

Jalhay/Sart. Keine Madonna – keine Spontan-Pilger. Alles ist ruhig und verlassen, wo noch vor kurzem die Menschen Schlange standen, um die „leuchtende“ Marienstatue des Ehepaars Lefloch in belgischen Sart, einem Ortsteil von Jalhay in der Region Verviers zu sehen. Nur noch der Linienbus hält hier regelmäßig, und ein paar Wanderer kreuzen die Straße.

Das Haus der Leflochs ist plötzlich mit Leichtmetallgitter abgesperrt.

Zuletzt hatten sie die Figur nicht mehr an ihrem angestammten Platz im Wohnzimmerschrank, umgeben von profanen Porzellanfigürchen, gezeigt, sondern in der Garage des Hauses. Die einen, die kamen, waren nur neugierig, die anderen fromm ergriffen. Sie haben gebetet und gestaunt. Am Ende kamen rund 1000 Menschen zu den Leflochs, um das Phänomen zu bewundern. Einige reisten tatsächlich aus Italien, Frankreich oder England an. Da die Skulptur einst bei einer Wallfahrt ins belgische Banneux erworben worden war, hatte der Lütticher Bischof Jean-Pierre Delville bereits Leo Palm, Wallfahrtsleiter von Banneux, beauftragt, das vermutete Wunder einmal persönlich in Augenschein zu nehmen.

Palm tat es mit freundlichem Verständnis für die Gläubigen – aber mit einer großen Portion Skepsis. Im Interview mit dem „Grenzecho“ sagte er offen: „Die grundlegende Frage lautet: Handelt es sich um ein natürliches Phänomen?“ Die meisten Experten, die die Statue bisher angeschaut hätten, so Palm, waren offensichtlich der Meinung „dass dies höchstwahrscheinlich nichts Wunderbares“ sei. „Möglicherweise besteht auf irgendeine Art eine Phosphoreszenz, die von der Mutter Gottes ausgeht. Sie speichert das Licht tagsüber und gibt es abends in der Dämmerung wieder ab.“ Anschauen können die Marienstatue zurzeit nur Wissenschaftler der Universität Lüttich (ULg), die ein nicht-invasives optisches Analyseverfahren anwenden wollen. Die Arbeitsgruppe wird von Rudi Cloots, Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät und Professor für Chemie, geleitet.

Vor der Hofeinfahrt des Lefloch-Hauses hängt nun eine magere Verlautbarung der Gemeindeverwaltung Jalhay : Das „Communique de Presse“ verkündet feierlich: Die Skulptur, die aus bisher noch nicht geklärten Gründen bei Dunkelheit leuchte, sei nicht mehr in Sart. Versucht dennoch jemand auf dem holprigen Seitenstreifen in der Nähe der Wohnhäuser zu parken, wird man mit unmissverständlichen Gesten verscheucht. Nein, hier gibt‘s nicht mehr zu sehen. Und wehe, man entfernt sich nicht gleich. Finstere Blicke, abweisende Worte. „Kein Kommentar!“ Taucht ein Bewohner auf, verschwindet er sofort wieder, sobald er die Kamera eines Fotografen sieht oder in Fremden Journalisten vermutet. Das war noch vor wenigen Tagen anders.

Das stolze Entgegenkommen der letzten Wochen, in denen sogar von einer „touristischen Attraktion“ die Rede war, ist vorbei. Das „Comité de coordination ,crise-sécurité‘“ unter der Leitung von Bürgermeister Michel Fransolet will inzwischen die Situation in Sart regeln. Zu groß sei der Andrang der Neugierigen und Gläubigen gewesen, heißt es. Jetzt habe man die Statue an einen „sicheren Ort“ gebracht und erwarte die Expertise. Von einem „Wunder“ wollen selbst wohlmeinende Kirchenvertreter nichts hören. Die Statue in eine Kirche zu stellen, kommt für den Lütticher Bischof nicht infrage. Man fürchte Manipulation.

Heftig laufen die Diskussionen derweil im Internet ab. Von „völliger Unsinn“ bis zum Zitat von Ben Gurion „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“ gibt es dort alles zu lesen. Die einen vermuten im Phänomen eine „Warnung“, die anderen „Trost“, viele eine chemische Behandlung. Das Rätseln geht weiter. Wann ein Ergebnis zu erwarten ist, bleibt ungewiss. Vom Rummel hat man hier jedenfalls genug, denn es wird dringend darauf hingewiesen, die „Ruhe der Bewohner in Sart-Station“ nicht weiter zu stören.

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