Leuchtende Madonna: Rätsel gelöst

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Es gibt keine neue Marienerscheinung und kein „Mysterium“ im Hause der Familie Lefloch. Foto: Uni Lüttich
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Moderne Analyse per Spektroskopie (links): Wissenschaftler untersuchten die Madonna und setzten sie der UV-Lampe aus. Foto: Uni Lüttich

Jalhay/Lüttich. Seit einigen Wochen sorgt eine Marien-Statue, die bei Dunkelheit leuchtet, in dem kleinen ostbelgischen Ort Sart-Station in der Gemeinde Jalhay, zehn Kilometer von Eupen entfernt, für Aufsehen. Am Dienstag wurde das Rätsel nun gelöst.

Ein Expertengremium der Universität Lüttich stellte im Rahmen einer viel beachteten Pressekonferenz die Ergebnisse seiner Arbeit vor. Fest steht: Es gibt keine neue Marienerscheinung und kein „Mysterium“ im Hause der Familie Lefloch. Stattdessen liegt eine banale wissenschaftliche Erklärung vor: Die Farbe, mit der die Madonnenfigur aus dem Wallfahrtsort Banneux bemalt wurde, enthält einen hohen Anteil an Zinkoxid und entfaltet deshalb bei Dunkelheit eine fluoreszierende Wirkung – eine chemische Reaktion.

Das war das Ergebnis von ausführlichen Analysen, die in den vergangenen Tagen Physiker und Chemiker der Universität Lüttich vorgenommen haben. Die Arbeitsgruppe wurde von Rudi Cloots, Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät, geleitet. Die Madonnenfigur befindet sich seit rund 20 Jahren im Besitz des Ehepaars Lefloch, das am 17. Januar diesen Jahres erstmals das Leuchten beobachtete. Nach ersten Medienberichten setzte ein Ansturm auf das Privathaus der Rentner ein, zuletzt kamen mehr als 1500 Besucher. Deshalb wurde die Statue nur noch in der Garage des Hauses präsentiert. Zudem musste die Polizei das Verkehrschaos regeln. Die Gemeinde Jalhay ordnete schließlich eine wissenschaftliche Untersuchung an, um die Ursache des Phänomens zu klären.

Die Ergebnisse waren eindeutig: „Jeder kann glauben, was er will. Das war nicht unser Thema. Wir sollten lediglich klären, ob und warum die Figur eventuell leuchtet“, erklärte Frédéric Hatert, Professor für Mineralogie. „Es gibt eine ganz einfache wissenschaftliche physikalische Erklärung für das Leuchten“, ergänzte Rudi Cloots. „Der hohe Anteil an Zinkoxid in der Farbe, die häufig in den 1950er und 1960er Jahren verwendet wurde, sorgt für die fluoreszierende Wirkung. Diese entfaltet sich lediglich an der Vorderseite der Figur, da der Sockel und die Rückseite nicht mit der bräunlichen Farbe bemalt worden sind.“

André Lieutenant, Priester in der kleinen Gemeinde Sart-Station, wollte sich mit der wissenschaftlichen Erklärung dennoch nicht ganz zufriedengeben: „Es gibt Leute, denen es nicht gut ging, die sich nach dem Anschauen der Marienfigur besser gefühlt haben“, meinte er. Zudem hätten Besucher bezeugt, dass die Figur tatsächlich in der Dunkelheit leuchte. Dem widersprachen die Wissenschaftler: „Wir haben die Figur eine ganz Nacht lang in einem dunklen Raum gelagert. Als wir den Raum am nächsten Morgen betreten haben, war kein Leuchten zu erkennen“, betonte Cloots.

Einen neuen Wallfahrtsort wird es also in Zukunft nicht geben, aber die Figur soll dennoch in der Kirche von Sart-Station ausgestellt werden, versprach Michel Fransolet, Bürgermeister von Jalhay. Das wird im Mai sein – zurzeit wird die Kirche renoviert.

Das Ehepaar Lefloch blieb der Vorstellung der Ergebnisse übrigens demonstrativ fern. „Die Wissenschaftler haben ihre eigenen Ideen. Aber wenn sie wirklich so schlau wären, gebe es weniger Probleme auf der Welt“, verkündeten sie.

Die Gegensätze zwischen Glaube und Wissenschaft sind am Dienstag in Jalhay offensichtlich geworden. Die Professoren präsentierten mit Zahlendiagrammen ihre Ergebnisse, Priester Lieutenant argumentierte mit dem Glauben an die Wirkung einer Marienstatue, die nicht messbar sei. Auch die Diskussion im Internet ging leidenschaftlich weiter.

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