Aachen - Leser-Chor verwandelt Dom in eine „klingende Kathedrale“

Leser-Chor verwandelt Dom in eine „klingende Kathedrale“

Von: Angela Delonge
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Über 1000 Leser haben am Donnerstagabend den Aachener Dom besucht, um beim Offenen Singen dabei zu sein. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Können 1400 Menschen die große Orgel im Aachener Dom übertönen? Können sie. Dass das Offene Singen im Aachener Dom, zu dem unsere Zeitung eingeladen hatte, ein solcher Erfolg werden würde, hatte tatsächlich niemand erwartet.

Als am Ende die erste Strophe von „Macht hoch die Tür“ gesungen wurde, spielte Michael Hoppe die Orgel so behutsam, dass der Klang von 1400 Stimmen den Dom fast ganz alleine ausfüllte. Zuvor hatte der Organist an der großen Domorgel fast alles gegeben, um dem riesigen Chor unserer Leserinnen und Leser einen kraftvollen instrumentalen Rahmen zu verleihen. Aber alle Register musste er dann doch nicht ziehen, wie er später zugab: nur fünf von 59.

Die aber reichten aus, um die vielen, vielen Menschen, die der Einladung unserer Zeitung zum Offenen Singen im Aachener Dom am Donnerstag Abend gefolgt waren, in Hochstimmung zu versetzen. Es war ein überwältigender Abend, so die einhellige Meinung. Und ein ungewöhnlicher dazu, wie Dompropst Helmut Poqué in seiner Begrüßung betont hatte: ein solcher „Liederabend“ sei tatsächlich eine Premiere in der Zentralkirche des Bistums. Dass das Singen der beliebtesten Kirchenlieder an diesem Abend den Dom rundum in eine „klingende Kathedrale“ verwandelte, hat dem Dompropst dann auch „gut gefallen“.

Gemäß dem von ihm zitierten Spruch von Augustinus, „Wer singt, betet doppelt“, ging der große, gemischte Chor aus Männern und Frauen, aus Jung und Alt beim Singen der Top Ten unter den Kirchenliedern mit voller Inbrunst zur Sache. Von Platz zehn („Lobe den Herren“) bis Platz eins („Von guten Mächten wunderbar geborgen“) ging es in vier Liedblöcken die „Hitparade“ der geistlichen Lieder hinauf.

Jeder Block umfasste drei beziehungsweise zwei Lieder, und dazwischen legte Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, immer wieder einen kurzen Talk von zwei bis drei Minuten ein. Das war informativ, hatte aber auch einen praktischen Grund. Denn ungefähr so lange brauchte Organist Michael Hoppe auf der Wendeltreppe vom Oktogon bis hinauf zur Hauptorgel. Ein Sprint, den er in einem wahrhaft atemberaubenden Tempo hinlegte. Denn jedes Mal, wenn Bernd Büttgens fragte, „Herr Hoppe, sind Sie schon da“, saß dieser bereits an seinem Instrument.  

Zuvor hatte der Mann, der seit Juli Domorganist ist und seit sieben Jahren auch das Referat für Kirchenmusik im Bistum leitet, von den „Geburtswehen“ in Zusammenhang mit dem neuen Gotteslob erzählt. Insgesamt 110 Fachleute, „das Who is Who der Kirchenmusik“, haben zehn Jahre daran gearbeitet, um ein „Gotteslob für alle Generationen“ zu entwickeln. Hoppe: „Jeder soll sich darin wiederfinden.“ Die zunächst große Skepsis in den Gemeinden sei inzwischen der Überzeugung gewichen, dass da „sehr schöne Sachen drinstehen“.

Zum Beispiel das neue geistliche Lied „Wo Menschen sich vergessen“, das bislang gar nicht im Gotteslob stand. „Dass das auf Anhieb auf Platz 4 kam, hat mich schon überrascht“, sagte Hoppe. Oder das bei Katholikentagen sehr beliebte „Ich glaube an den Vater“. Und natürlich das katholische Kirchenlied „Großer Gott wir loben dich“, bei dem Hoppe sicher war, dass es auf Platz 1 landen würde.

Der Favorit unserer Leser ist indes das Bonhoeffer-Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das sogar mit zwei verschiedenen Melodien im Gotteslob vertreten ist. Auch darüber wusste Hoppe Interessantes zu berichten: „Ich wusste, wenn wir die in Aachen beliebte Fitz-Melodie rauskegeln, dann brauchen wir erst gar nicht anzutreten.“ Und so steht die Aachener Melodie jetzt im sogenannten Diözesanteil, der durchaus vergleichbar mit dem Lokalteil der Zeitung sei, wie Bernd Büttgens sagte.

Dass auch Altes neben dem Neuem bestehen kann, bewies Hoppe am Beispiel von „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, dessen Melodie von Johann Sebastian Bach er mit einem variationsreichen Vorspiel intonierte. „Dieses Lied kündet von Gelassenheit und Gottvertrauen“ sagte Hoppe.

Von Geborgenheit und Heimat als „einzigartige biblische Botschaft“ sprach auch Domseelsorger Hans-Günther Vienken. Er erlebe derzeit „viele Menschen, die in den Dom kommen um innezuhalten“. Dass an diesem Abend so viele Menschen gekommen seien, „einfach, um zu singen“, sei überwältigend, sagte Vienken.

„Überwältigt“ zeigten sich auch Bernd Büttgens und Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, von der Resonanz, die der Aufruf zur Abstimmung über das beliebteste Kirchenlieder zuvor gehabt hatte. „Dass dann so viele Menschen – junge und alte – unserer Einladung zum gemeinsamen Singen dieser Lieder gefolgt sind, damit haben wir wirklich nicht gerechnet“, sagte Büttgens.

Und dann fragte er noch: „Monsignore Vienken, was bedeutet der Dom für Sie?“ Der Aachener Dom sei für ihn „die schönste Kirche, die ich kenne, voll innerer Spannung“, sagte Vienken. „Ich fühle mich hier einfach wohl.“ Dem würde sich wohl jeder Sänger aus unserem spontanen Leser-Chor anschließen – ohne Wenn und Aber.

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