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Leicht und luftig Richtung Aachen

Von: Ulrich Simons
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Damit sich der „Überflieger
Damit sich der „Überflieger” harmonisch in die Indus­trielandschaft einfügt, ist er nur 1,60 Meter dick und mit Edelstahl verkleidet. Möglich machen dies „Tempex-Zylinder” in der Fahrbahn. Foto: Ulrich Simons

Geleen. Operation am offenen Herzen: Mit einem Bypass und einem futuristischen, geschwungenen Brückenbauwerk („Flyover”) über mehrere Fahrspuren wird das chronisch überlastete Autobahnkreuz Kerensheide („Knooppunt Kerensheide”) nahe dem niederländischen Geleen derzeit ausgebaut und auf den Verkehr der kommenden Jahre vorbereitet.

Kein einfaches Unterfangen. Zum einen rollt der Verkehr während der Bauarbeiten weiter, zum anderen kreuzen sich die A 2 (Maastricht-Eindhoven) und die A 76 (Aachen-Heerlen-Antwerpen) mitten im Industriepark „Chemelot”. Was da an Rohren und Leitungen im Boden liegt, hat den Bauleuten in den vergangenen Monaten mehrfach die Schweißperlen auf die Stirn getrieben, vor allem, als es um die 381 Bohrlöcher für die zehn Pfeilerfundamente ging. Denn nicht alles war in den einschlägigen Karten verzeichnet. Und selbst in längst stillgelegten Rohrleitungen können sich gefährliche Gase bilden und beim Anbohren für unangenehme Überraschungen sorgen.

Die Männer der Firma Heijmans haben seit dem Baustart im Februar 2011 ein enormes Tempo vorgelegt. Wer heute im Kleeblatt Kerensheide von der A 2 aus Richtung Eindhoven kommend auf die A 76 Richtung Heerlen/Aachen wechselt, erkennt bereits, wo es für ihn ab Anfang 2013 langgehen wird - und ist begeistert. Wie ein silbernes Ufo schwingt sich der neue Zubringer zur A 76 in die Höhe, schwenkt erst nach rechts, als wollte er Schwung holen für den fast 90-Grad-Bogen, schwebt dann nach links über die A 76 und die A 2 hinweg, um sich nach 613 Metern wieder auf die Trasse nach Heerlen hinabzusenken. Der Schlenker nach rechts hat natürlich nichts mit Ästhetik zu tun, sondern dient der Verlängerung der Rampe, die sonst zu steil geworden wäre. Immerhin verläuft die Überführung an ihrem höchsten Punkt 14 Meter über der A 2.

Hinreißender Kontrast

Kommt man über die A76 aus Richtung Antwerpen, ist der Eindruck noch grandioser. Dann bildet der silberne Bandwurm vor der wuchtigen Kulisse des Industrieparks „Chemelot” einen hinreißend-leichten Kontrast. Der entsteht zum einen durch die Verkleidung aus rostfreiem Stahl (1040 Elemente werden es am Ende sein), zum anderen haben die Architekten (Heusschen & Copier in Gulpen) und Bauingenieure (Movares, Utrecht) den elf Brückensegmenten ein trickreiches Innenleben verpasst: In jedem Element liegen anstelle größerer Mengen Betons acht sogenannte „Tempex-Zylinder”, voluminöse, nahezu gewichtslose Kunststoffkörper. Hätte man den Unterbau der Fahrbahn komplett in Massivbauweise betoniert, wäre der „Überflieger” mindestens 2,40 Meter mächtig geworden. Dank der „Tempex-Zylinder” ist er nur 1,60 Meter „dick”.

Zweiter Bestandteil des 120 Millionen Euro teuren Entlastungs-Paketes ist eine neu angelegte Sonderfahrspur in nördlicher Richtung für den Berufsverkehr aus Richtung Heerlen (A76) in Richtung Eindhoven auf die A2. Die 18 Kilometer lange Zusatz-Tangente ist seit Ende 2011 fertig. Sie wird geöffnet bei mehr als 3000 abbiegenden Fahrzeugen pro Stunde, also meist im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr.

Um den Verkehr besser verkraften zu können, werden die A2 in Richtung Eindhoven zwischen Kerensheide und der Urmond und die A76 zwischen dem „Knooppunt” und der Neerbeek in Fahrtrichtung Heerlen in beiden Fahrtrichtungen auf drei Spuren ausgebaut. Stop-and- go in Kerensheide soll damit spätestens Anfang 2013 der Vergangenheit angehören.
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