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Legte der Lkw-Schütze auch Nägel auf die Straße?

Von: Ramona Hammes
Letzte Aktualisierung:
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Der Tatvorwurf laute auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in fast 200 Fällen. Und zwar durch Auslegen sogenannter Nagelplättchen. Foto: Franz Küpper

Kall. Ende Juni wurde in Kall-Fronrath der mutmaßliche Lkw-Schütze festgenommen – wegen des dringenden Tatverdachts, in über 700 Fällen Autotransporter, andere Fahrzeuge und Gebäude von der Autobahn aus beschossen zu haben.

Einen Tag später wurde der 57 Jahre alte Lkw-Fahrer beim Amtsgericht Würzburg vorgeführt und in Haft genommen. Einer der großen Kriminalfälle der vergangenen Jahre ist damit offenbar aufgeklärt. Doch die Anwohner in dem kleinen Ort in der Eifel dachten am Donnerstag, sie erleben ein Déjà-vu: Erneut parkten vor dem Einfamilienhaus BMW-Kombis mit Wiesbadener Kennzeichen, dazu ein Streifenwagen der Polizei – ein ähnliches Szenario wie vor zwei Monaten, als der Zugriff unter Federführung des Bundeskriminalamtes auf Wiesbaden erfolgte.

Norbert Hardt, Sprecher der Euskirchener Polizei, bestätigte lediglich, dass das Haus durchsucht worden ist – darüber hinaus war nichts zu erfahren. Gleiches galt fürs Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Und ähnlich reagierte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Würzburg, die federführend im Fall der Schüsse auf den Autobahnen ist: Ja, es habe eine Durchsuchung stattgefunden. Ja, es gehe um die gleiche Person wie vor zwei Monaten. Aber nein, nicht um den gleichen Fall. In diesem Fall sei die Staatsanwaltschaft Aachen zuständig.

Deren Sprecher Jost Schützeberg wartete auf Nachfrage dann mit einer faustdicken Überraschung auf: Der Tatvorwurf laute auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in fast 200 Fällen. Und zwar durch Auslegen sogenannter Nagelplättchen. Um diese war es in den vergangenen Monaten zwar recht still geworden, zwischen April 2011 und März 2012 hatten die als „Reifenkiller“ bezeichneten Konstruktionen aus einem Stahlplättchen und einem leicht angespitzten Nagel die Autofahrer allerdings in Atem gehalten. Vor allem im Raum Kall, Hellenthal, Schleiden und Mechernich wurden die Plättchen gefunden – rund 200 insgesamt.

Die Polizei fand heraus, dass die Plättchen nicht auf die Straßen gestreut, sondern ganz gezielt auf den Fahrspuren ausgelegt worden waren. Meist waren sie frühmorgens oder in den Abendstunden platziert worden. Zahlreiche Autofahrer fuhren darüber und meldeten beschädigte Reifen. Der Sachschaden war immens. Doch die Polizei war vor allem besorgt, dass durch einen Reifenplatzer weit Schlimmeres passieren könnte.

In einer der größten Befragungsaktionen der vergangenen Jahre suchte die Kreispolizei Euskirchen im März 2012 insgesamt 170 metallverarbeitende Betriebe auf, um herauszufinden, mit welchen Maschinen die Nagelplättchen hergestellt worden sein könnten. Danach stand für die Ermittler fest, dass die Plättchen kaum im Hobbykeller gebastelt wurden und für die Herstellung hohes handwerkliches Geschick nötig sei. Es wurde eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt – doch der Nagelplättchen-Bastler blieb ein Phantom, die Polizei tappte im Dunkeln.

Dies hat sich nun offenbar geändert. Nach Informationen unserer Zeitung haben die Ermittler bereits bei der Festnahme des Lkw-Schützen in dessen Keller in dem Kaller Ortsteil eine fast professionell ausgestattete Werkzeugmacher-Werkstatt gefunden. Offiziell schweigen sich Polizei und Staatsanwaltschaft darüber aus, wie sie auf die Spur des 57-Jährigen kamen und ob dies möglicherweise im Zusammenhang mit den Ermittlungen im Fall der Schüsse auf den Autobahnen steht. Die Ermittlungen werden sich laut Schützeberg wohl noch einige Wochen hinziehen.

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