Legionellen in Jülich: Die schwierige Suche nach der Ursache

Von: Volker Uerlings
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Im Jülicher Krankenhaus wurden die meisten der 42 schlimmen Legionellen-Infektionsfälle behandelt. Norbert Schnitzler, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, hält sie für die „Spitze des Eisbergs“. Foto: Uerlings

Jülich. Im Frühjahr 2014 war eine ungewöhnliche Krankheitswelle in Jülich nicht abzusehen, die durch Legionellen verursacht werden könnte. Aber wie in weiser Voraussicht wurde im Dürener Kreishaus eine landesweit einmalige Ini­tiative gestartet und erklärt: „Das Gesundheitsamt des Kreises Düren möchte verhindern, dass sich ein ähnlicher Störfall wie in Warstein ereignet.“ Seit Donnerstagabend ist klar, dass es einen ähnlichen „Störfall“ nun in Jülich gibt.

Die vorausschauende Initiative bestand in einer freiwilligen Befragung der Betreiber von Rückkühlwerken und Verdunstungskühlanlagen. Vor allem Anlagen älteren Baujahrs stehen im Verdacht, Legionellen-Erreger bis zu zehn Kilometer weit über die Luft zu verbreiten. Einige Betreiber haben sich beteiligt, was die aktuelle Suche in Jülich erleichtert. Das Team um Norbert Schnitzler, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, kennt schon Anlagen, die nicht in Frage kommen.

Wie aber verbreiten sich Legionellen über die Luft? Schnitzler: „Bei den alten Anlagen wird feines Wasser auf die Kühlrippen gesprüht.“ Ist dieses Wasser mit Legionellen belastet, dann kann es als feiner Nebel einige Kilometer durch die Luft zurücklegen – und Infekte auslösen. Die neueren Rückkühlwerke seien häufig geschlossene Systeme, bei denen dieser Effekt nicht möglich ist. Aber obwohl es Daten auch aus Jülich gibt, dürfte sich die Suche schon quantitativ schwierig gestalten. Die akute Welle an Lungenentzündungen mit 42 Patienten, die im Krankenhaus behandelt wurden und von denen zwei starben, liefert allerdings nun eine andere Rechtsgrundlage. Der Kreis Düren hat gestern eine Meldepflicht für alle Betreiber von Rückkühlwerken in der Stadt Jülich in Kraft gesetzt. Zudem erfuhr unsere Zeitung von Kontrollen in Ladengeschäften in der Innenstadt, sofern dort Klimaanlagen betrieben werden.

Noch ist nicht klar, ob die Krankheitswelle beendet ist, da die Inkubationszeit noch andauert. Die 42 Krankenhaus-Fälle hält Norbert Schnitzler für die „Spitze des Eisbergs“. Er geht davon aus, „dass es viele Fälle in der Bevölkerung gegeben haben muss, die aber harmlos abgelaufen sind – wie eine Erkältung“. Das hatten auch die niedergelassenen Ärzte auf Nachfragen des Amtes bestätigt. Sie konstatierten eine ungewöhnliche Häufung an Erkältungskrankheiten bei jüngeren Menschen für diese Jahreszeit. Die Ärzte sind nun vom Gesundheitsamt instruiert, auf die besondere Legionellen-Symptomatik zu achten.

Ob es möglich ist, den Erreger in Jülich mit letzter Sicherheit zu identifizieren, scheint zweifelhaft. Norbert Schnitzler: „Wir haben keinen spezifischen Epidemiestamm züchten können, weil die Diagnose anhand der Antikörper erfolgte.“ Durchaus vorhandene Erreger in Gewässern oder Anlagen lassen sich nur dann zweifelsfrei als Verursacher der Jülicher Krankheitswelle bestimmen, wenn es einen neuen Patienten gibt. Und den wünscht sich niemand.

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