Lebenslange Haft für Mörder der Millionärin

Von: Frank Christiansen, dpa
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Millionärin ermordet und in Fass versenkt - Urteil erwartet
Richter Lothar Beckers im Landgericht in Mönchengladbach. Im Prozess um den Mord an einer hochbetagten Millionärin in Mönchengladbach ist am Montag das Urteil verkündet worden. Foto: dpa

Mönchengladbach. Die Leiche der hochbetagten Millionärin dümpelte zwei Tage lang in einer Tonne auf einem Badesee bei Brüggen: Am Montag sprach das Mönchengladbacher Landgericht die drei Mörder der 89-Jährigen schuldig.

Ein 55-jähriger Installateur und sein 22- jährigen Komplize erhielten lebenslange Haftstrafen. Der dritte im Bunde, ein 21-Jähriger, hatte als einziger den gemeinschaftlichen Mord gestanden und erhielt achteinhalb Jahre Jugendhaft. „Alle drei wollten die Tat, alle drei wollten sich am Vermögen des Opfers bereichern”, sagte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers.

Um Fassung bemüht nahmen die drei Männer am Montag das Urteil entgegen. Der älteste Angeklagte hatte während des Prozesses vor einigen Wochen einen leichten Herzinfarkt erlitten - doch die halbstündige Urteilsverkündung blieb ohne Zwischenfall und der Notfallkoffer geschlossen.

Mit einem Fahrrad-Bremszug, den die Täter mit einem Stock zu einem Würge-Werkzeug umfunktioniert hatten, hatte der 21-Jährige die eigentliche Tat begangen und die Millionärin im Oktober 2007 erdrosselt. Dabei erwies sich die 89-Jährige als weitaus kräftiger, als ihre Mörder erhofft hatten. Sie überlebte, als sie eine Treppe hinuntergestoßen wurde und bekam ihre Hand zwischen Würgeseil und Hals - es dauerte einige Zeit, bis ihr verzweifelter Widerstand gebrochen war.

Die „geistige Federführung” dieses Mordes aus Habgier habe der 55- Jährige gehabt, der für die Frau zuvor Hausmeisterarbeiten erledigt hatte, sagte Richter Beckers, er sei „das Mastermind” gewesen. Das Motiv: Weil das Trio in den Niederlanden einen Coffeeshop mit Haschisch- Verkauf betreiben wollte, brauchten die Männer Geld.

Die 89-Jährige hätten sie sich ausgesucht, weil sie alt, einsam und vermögend gewesen sei - „scheinbar leichte Beute”. Nach der Tat hatte der 55-Jährige Fragen nach der alten Dame mit Lügen zu zerstreuen versucht. Die Besitzerin der Villa sei wohlbehalten in Kur. Plötzlich trat der damals 53-Jährige als Haus- und Vermögensverwalter auf. Mit gefälschten Vollmachten versuchte der als Betrüger, Räuber und Dieb reichlich vorbestrafte Mann, die Villa zu verkaufen. Als er Interessenten durch das Haus führte, lag die Leiche der alten Dame noch im Keller.

Eine Nachbarin und die in der Schweiz lebende Tochter des Opfers erstatteten schließlich Vermisstenanzeige. Da die Polizei nach der Millionärin zu suchen begann, beschloss das Trio, sich der Leiche zu entledigen. Sie sollte in der Tonne in dem See versenkt werden. Doch die Mörder unterschätzten die Auftriebskräfte: Als die Polizei zwei Tage später vom geständigen jüngsten Täter an den See geführt wurde, schwamm die Tonne noch immer an der Wasseroberfläche - und der Leiche hing der Würgedraht noch um den Hals. Die Verteidiger des 22- jährigen Verurteilten kündigten am Montag an, gegen die Entscheidung in Revision zu gehen: „Es gibt nichts zu verlieren.”
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