Leben zwischen Dorffest und Schlagerparade

Von: Marco Rose
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Gutes Aussehen ist wichtig im
Gutes Aussehen ist wichtig im Schlagerbusiness: „Das Angehimmeltwerden gehört beim Schlager einfach dazu. Vieles, was auf der Bühne passiert, ist ein Teil der Show”, sagt Markus Derwall aus Niedermerz. Foto: Bénédicte Bauer

Aldenhoven. Markus Derwall aus Niedermerz hat einen Traum: Er füllt die großen Hallen der Republik. „Melodien der Nacht” singt er, grelle Lichter zucken über die Bühne, tausende Augenpaare sind auf ihn gerichtet. Das ist sein Moment. „Dein Blick sagt alles aus, ohne Worte.” Dann kommt der Refrain.

Markus lächelt und schwingt die Hüften, wiegt seine erhobenen Arme im Takt der Musik, zeigt neckisch auf einzelne Fans im Publikum. Eins-zwei-tap - Discofox, und ab geht es! Frauen werfen ihm Blumen zu Füßen. Manche auch noch andere Dinge. In diesem Traum ist er Markus Luca, die deutsche Antwort auf Enrique Iglesias.

Fünf Jahre ist es her, da fährt der Schlaks mit seinem damaligen Manager Gerd Graf Bernadotte nach Hamburg. Zu diesem Zeitpunkt nimmt er bereits fleißig an Talentwettbewerben, etwa in Diskotheken, teil. Der Graf ist seit 25 Jahren enger Freund und Berater von Dieter Bohlen, dem Chef-Juror der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar” (DSDS). In Tötensen werden die beiden in der Villa des „Pop-Titanen” vorstellig, für Markus ist das bis heute „der mit Abstand interessanteste Tag meines Lebens”. Markus singt vor, und der Titan gibt sich begeistert. „Junge, du bist echt gut”, sagt Bohlen. Ob er denn nicht bei der dritten Staffel von DSDS mitmachen will?

Markus zögert nicht lange. Zwei Songs singt er später im Fernsehen - „Hero” und „Private Emotion” - beide stammen von seinem Vorbild Iglesias. Dann, direkt vor Beginn der Mottoshows, fliegt er raus. Es ist eine Achterbahn der Gefühle. Für einen Moment wähnt er sich weiter, weil RTL-Moderator Marco Schreyl offenbar das Ergebnis falsch von der Karte abliest. Ein Notar korrigiert das jedoch umgehend, woraufhin der Boulevard den ersten DSDS-Skandal feiert und Markus ganz nebenbei seine erste Schlagzeile beschert: „Neffe von Ex-Bundestrainer Jupp Derwall Opfer einer Panne.”

„Das mit dem Jupp” verfolgt den 30-Jährigen schon seit Kindestagen. Er ist ein Großneffe jenes Bundestrainers, der die Fußballnationalelf 1980 zum Europameistertitel führte. Nicht ohne Stolz erzählt der angehende Schlagerstar von der prominenten Verwandtschaft, von der er immerhin die Begeisterung für den Fußball geerbt hat. Markus selbst hat bis zum 25. Lebensjahr gekickt, bis hinauf in die Landesliga, zuletzt für Alemannia Mariadorf.

Auch damals hat er schon gesungen. Zunächst nur unter der Dusche, später in Schul- und Coverbands sowie der Combo seines Vaters. Der nämlich tingelt seit Jahrzehnten über die Dörfer der Region, und irgendwann steht Markus dann mit auf der Bühne. Wie genau es passierte, daran erinnert er sich heute gar nicht mehr so genau. Klar ist nur: Diese Zeit in Schützen- und Kirmeszelten hat ihn geprägt. Er kommt so gut an, dass ihm sein Vater bald ein 30-minütiges Solo ins Programm schreibt.

Markus absolviert gleichzeitig eine Ausbildung zum Industriekaufmann und arbeitet als Einkaufsleiter eines mittelständischen Maschinenbauers. Wer ihn bodenständig nennt, liegt damit nicht ganz falsch. Seinen Traum hat er dennoch nie aus den Augen verloren.

„Nach den Castings habe ich mir gedacht: War zwar alles ganz interessant, aber jetzt musst du weiterkommen!” So wird aus Markus Derwall der Sänger Markus Luca - ein Name, den er damals „einfach schön” fand.

In einem Einfamilienhaus im schmucken Aldenhovener Neubaugebiet wohnt er jetzt, knapp anderthalb Kilometer von seinem Elternhaus in Niedermerz entfernt. Moderne helle Möbel dominieren hier, der Boden ist mit grauem Stein ausgelegt. Vier mächtige Maine-Coon-Katzen jagen mauzend durch das Wohnzimmer. Markus trägt ein helles Hemd, die beiden obersten Knöpfe lässig geöffnet, geblümte Chucks und sehr enge Jeans. Er legt eine CD ein und schaut gespannt zu seinen Eltern, die zu Besuch sind. Es ist sein Debüt, drei Jahre Arbeit stecken darin, eine große Plattenfirma hat ihn unter Vertrag genommen, im September soll das Werk in den Handel kommen. Seine Musik: deutscher Schlager.

Schlager? Er stehe „hundertprozentig hinter seinem Tun, muss dies aber oft verteidigen” ist in seiner Vita im Internet zu lesen. Dem Niedermerzer ist das inzwischen etwas peinlich. Nein, aufgezogen hätten ihn die Kumpels aus dem Fußballverein eigentlich nicht, auch wenn „die eine oder andere Breitseite vom Gegner” schon mal saß. „Der deutsche Schlager ist doch nichts anderes als Pop - Schnulzenballaden halt, nur auf Deutsch.” Mit Vorurteilen gegen Schlager habe man als Sänger immer zu kämpfen. „Außerdem muss man schon differenzieren zwischen dem typischen volkstümlichen Schlager eines Hansi Hinterseers und moderneren Varianten.”

Frisch soll er sein, mal verschmust, mal elektronisch flott und mit ordentlich „Bumms”. Für Jung und Alt, für Dorffeste und den Ballermann. Am kommenden Samstag wird Markus Songs aus dem Album bei der „Neuen Hitparade” auf RTL II präsentieren. Jürgen Drews und Unheilig sind auch da. Im Oktober vergangenen Jahres ist Markus bereits in der Sendung aufgetreten, seitdem wird er zunehmend auch von den großen Schlagerproduzenten und veranstaltern gebucht.

In der Szene wird der Kaufmann inzwischen als Nachwuchshoffnung gehandelt. Die Wochenenden verbringt er zwischen den Diskotheken Starfish und Himmerich, da pendelt er zwischen der Sportwoche Linnich-Ederen und dem Weinfest in Geilenkirchen. Auch überregionale Events finden sich zunehmend in Markus’ Terminkalender. Sogar beim Christopher Street Day in Köln ist er zuletzt aufgetreten, schließlich stellen Homosexuelle eine besonders treue Schlager-Fan-Gemeinde. Leben kann Markus von seiner Musik zwar noch nicht. Doch sein Traum scheint in greifbare Nähe zu rücken.

„Bis dahin ist es noch ein langer Weg, und sicher ist auch ein kleiner Hit notwendig, um davon leben zu können.” Wer es in der Branche zu Starruhm bringen will, der muss allerdings noch mehr können als nur singen. Das gute Aussehen ist im Schlagerbusiness ebenso wichtig wie das Spielen mit den nicht immer jugendfreien Träumen des Publikums. „Das Angehimmeltwerden gehört beim Schlager einfach dazu. Vieles, was auf der Bühne passiert, ist ein Teil der Show. Solche Sachen arten dann vielleicht manchmal ein bisschen aus”, sagt Markus, der es mittlerweile „völlig normal” findet, von weiblichen, aber genauso männlichen Anhängern belagert zu werden. „Mir ist der Kontakt, das Verhältnis zu meinen Fans ungemein wichtig.”

Von wegen spießig. Der Schlagersänger als letzter Kleinstadtrebell? Markus lächelt bei dieser Vorstellung. Jetzt kommt alles auf seinen großen TV-Auftritt an. Wird er ankommen? Auf seine weiße Wohnzimmerwand hat er einen Spruch in großen Lettern gepinselt: „Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum.”

Am kommenden Samstag, 7. August, ist Markus Luca um 20.15 Uhr erneut zu Gast in der Neuen Hitparade auf RTL II. Unter anderem mit dabei: Unheilig, Helene Fischer, Adoro, Lena Valaitis, Gregor Glanz, Jürgen Drews, Die Atzen und Brings. Die TV-Show will nach den Worten des Senders die erfolgreichsten Acts der deutschsprachigen Musik präsentieren. Im September soll das Debüt-Album „Melodien der Nacht” von Markus Luca im Handel erscheinen. Ebenfalls am 7. August ist Luca bei der Open Air Party der Sportwoche Linnich-Ederen ab 22 Uhr live zu erleben.
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