KVB wird Bauaufsicht für Ü-Bahnbau in Köln entzogen

Von: Frank Bretschneider und Michael Bosse, ddp
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Helfer suchen in Köln in den Trümmern des Historischen Stadtarchivs nach Dokumenten. Foto: dpa

Düsseldorf. Als Konsequenz aus dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs müssen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) die Bauaufsicht für die Nord-Süd-Bahn abgeben. Wie die Düsseldorfer Bezirksregierung am Donnerstag mitteilte, wird im Einvernehmen mit der KVB die Düsseldorfer Ingenieurgesellschaft Spiekermann die technische Bauaufsicht über das Bauvorhaben übernehmen.

Zugleich teilte der TÜV mit, dass weitere Gebäude in dem betroffenen Bereich der Kölner Südstadt derzeit nicht vom Einsturz bedroht seien. Mit der hoheitlichen Aufsicht über die Baumaßnahmen der Nord-Süd-Bahn waren bisher die KVB als Bauherrin betraut, ein Konsortium von drei Baufirmen war für die Arbeiten zuständig. Die Überwachung durch die stadteigene KVB wurde von Teilen der Öffentlichkeit mit dem Argument kritisiert, die Bauherrin habe sich „selbst überwacht”.

Die Bevölkerung in Köln sei „in Sorge um die Auswirkungen der Bauarbeiten auf die Standsicherheit der angrenzenden Gebäude”, teilte die Bezirksregierung weiter mit. Die nun mit der Bauaufsicht beauftragte Ingenieurgesellschaft Spiekermann habe bereits bei zahlreichen Projekten Planung und Überwachung übernommen: unter anderem für die ICE-Neubaustrecke Köln - Rhein/Main, den Neubau des Hauptbahnhofs Berlin sowie die Stadtbahn Karlsruhe.

Der TÜV Rheinland teilte unterdessen mit, dass weitere Gebäude entlang der U-Bahn-Baustelle nach derzeitigem Stand nicht gefährdet seien. Die Prüfung von bisher 276 Gebäuden an der Bautrasse der Nord-Süd-Bahn habe keine Auffälligkeiten ergeben, hieß es. „Bei allen untersuchten Gebäuden ist nach derzeitigem Stand die Sicherheit gewährleistet”, sagte TÜV-Regionalbereichsleiter Rheinland/Westfalen, Hans-Dieter Ohles. „Alle überprüften Gebäude sind in unkritischem Zustand und uneingeschränkt nutzbar. Bei keinem untersuchten Haus besteht Einsturzgefahr”, fügte er hinzu.

Noch bis Ende Mai überprüfen im Auftrag der Kölner Verkehrs-Betriebe bis zu zehn TÜV-Sachverständige Gebäude an der Trasse, bei den Hausverwalter oder Eigentümer sowie Mieter und Bewohner diesen Wunsch geäußert haben. Insgesamt liegen dem TÜV bisher Anfragen für zur Begutachtung von rund 500 Gebäuden vor. Untersucht wurden auch größere Gebäude wie verschiedene Museumsbauten, der Gürzenich, die Philharmonie, das historische Rathaus oder die Severintorburg. Gleichwohl stellten die TÜV-Gutachter an vielen untersuchten Gebäuden zahlreiche Folgeerscheinungen des U-Bahn-Baus fest.

So gebe es an 60 Prozent der überprüften Gebäude an den Wänden mehr oder größere Risse als vor Beginn der Bauarbeiten. Diese Risse beeinträchtigen den Angaben zufolge aber nicht die Standfestigkeit der Bauten, hieß es. Bei der romanischen Kirche Sankt Maria im Kapitol in der Nähe der Baustelle Heumarkt brachte der TÜV unmittelbar nach dem Einsturz des Stadtarchivs vorsorglich Sensoren an, um ungewöhnliche Bewegungen an dem Gebäude festzustellen. Mit diesem Monitoring lassen sich Veränderungen von einem Hundertstelmillimeter registrieren. Solche Kontrollen historischer Gebäude macht der TÜV aber auch etwa am Augsburger Dom oder der Brücke von Mostar in Bosnien-Herzegowina.

Beim Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Gebäude waren am 3. März zwei Männer im Alter von 17 und 24 Jahren ums Leben gekommen. Ein Wassereinbruch in die U-Bahnbaustelle am Stadtarchiv gilt als wahrscheinlichste Unglücksursache. Der Einsturz des Stadtarchivs hat derweil keine negativen Folgen für die Immobiliennachfrage in der Kölner Südstadt. Ein Sprecher der Region West des Immobilienverbands Deutschland (IVD) erklärte, die Nachfrage sei so groß und das Viertel so begehrt, dass es kein Problem sei, weiterhin Mieter und Käufer zu finden. Die Mieten und Wohnungspreise seien ebenfalls nicht gesunken.
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