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Kunsthistoriker Spies: Beltracchi legte noch mehr Fälschungen vor

Von: dpa
Letzte Aktualisierung:
Haftstrafen bis zu sechs Jahren für Kunstfälscher-Quartett
Der Angeklagte Wolfgang Beltracchi (links) und sein Anwalt Reinhard Georg Birkenstock vor der Urteilsverkündung in einem Gerichtssaal im Landgericht Köln. Im Kölner Kunstfälscherprozess hat das Landgericht Haftstrafen bis zu sechs Jahren gegen die vier Angeklagten verhängt. Die höchste Strafe erhielt der Drahtzieher und Maler Wolfgang Beltracchi (60). Das Quartett hatte gestanden, über Jahre gefälschte Meisterwerke der Avantgarde in den Kunstmarkt geschleust und dafür Millionenbeträge kassiert zu haben. Foto: dpa

Hamburg/Düsseldorf. Der renommierte Kunsthistoriker Werner Spies hat mehr Werke des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi in Augenschein genommen als bisher bekannt.

Bei einer Mappe mit unsignierten Papierarbeiten angeblich von Max Ernst (1891-1976) habe er nach dem ersten Blick „schon Zweifel an der Authentizität einiger Arbeiten” gehabt, sagte Spies in einem Interview des Magazins „Stern” (Donnerstag). Spies hatte zuvor sieben Max-Ernst-Fälschungen Beltracchis für echt befunden. Die Bilder hatten beim Verkauf Millionenbeträge erzielt.

Für seine Expertisen habe er Provisionen bekommen, räumte Spies ein. Es gebe aber keine schriftlichen Vereinbarungen dazu. „Sie haben mir das einfach gezahlt.”

Bis heute hält Spies die Fälschungen für perfekt. „Beltracchi ist ein genialer Klon von Max Ernst”, sagte der 74-jährige Kunstexperte, der mit dem Surrealisten befreundet war. Vom Augenschein gebe es für ihn „bis heute keinen Zweifel an der Echtheit der Bilder”, betonte er. „Sie sind eben verblüffend gut gefälscht.” Spies schloss allerdings aus, dass noch mehr von Beltracchi gefälschte Max-Ernst-Bilder im Umlauf sind. „Ohne meine Expertise kann man einen Max Ernst nicht verkaufen. Das ist so. Und ich habe mich nur siebenmal täuschen lassen.”

Beltracchi hatte als Drahtzieher einer vierköpfigen Bande jahrelang Fälschungen von Avantgarde-Künstlern wie Ernst, Pechstein und Campendonk in den internationalen Kunstmarkt geschleust und dafür Millionen kassiert. Im Oktober 2011 war er in Köln zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Mehr als 50 Fälschungen Beltracchis sind bisher bekannt. Die Ermittler gehen aber von mindestens 100 gefälschten Bildern aus seiner Hand aus.