Kunden hingehalten: Mitarbeiter von Dr. Meyer & Cie. sagen aus

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Düren. Im Betrugsprozess gegen die 39-jährige Kauffrau Christina S. aus Nideggen sagten am Freitag Mitarbeiter aus dem inneren Firmenkreis vor der 1. Großen Wirtschaftsstrafkammer am Aachener Landgericht aus.

Die Firma Dr. Mayer & Cie., in der die Angeklagte bis 2010 Geschäftsführerin war, steht im Zentrum der Betrugsvorwürfe. Hier soll S. mit ihrem 2009 verstorbenen Vater mit angekauften Lebensversicherungen Betrügereien organisiert haben.

Der Zeuge, der bis 2008 bei der Firma Dr. Mayer & Cie. für die Kundenbetreuung zuständig war, berichtet, wie viele verärgerte Menschen er im Privathaus der Familie S. in Nideggen, dort war auch die Firma untergebracht, abwimmeln musste. „Es war oft peinlich”, sagt er. Das Sagen hatte aber der Vater. Über ihn berichtete eine weitere Sachbearbeiterin, die seit 2004 die konkrete Abwicklung der Geschäfte machte, dass er „schwierig” war und es niemand außer ihr lange mit ihm ausgehalten habe.

Der Ankauf und die dann schleppende Abwicklung der Geschäfte mit den Lebensversicherungen sei mit System betrieben worden, erklärte der erste Zeuge dem Vorsitzenden, Richter Harald Brandt. Zum System habe gehört, dass man die vereinbarte Auszahlungssumme von „etwa 75 Prozent” der angekauften Lebensversicherungen so spät wie möglich auszahlte. Das sei eine planmäßige Verzögerungstaktik gewesen. Sie habe gleichermaßen für die meistens auf Jahre vereinbarten Zahlungen für den Restwert gegolten.

Immobilien zu billig verkauft

Am Ende hatte das Geschäft mit dem Immobilienkäufe finanziert wurden, einen Umfang von bis zu 3700 Verträgen erreicht. „Ich dachte, die wollen mit dem Zeitgewinn Zinsen erwirtschaften”, erklärte der Zeuge die Verzögerungstaktik.

Die oben bereits erwähnte Kollegin sah das alles nicht so streng. Zwar hätten sich immer wieder verärgerte Kunden gemeldet. Aber eigentlich habe ein Programm existiert, das täglich die Zahlungstermine ausspuckte. Und die seien auch meistens eingehalten worden: „Am Anfang und vielleicht am Ende hat es geholpert”, meinte sie, dazwischen aber, das fand die Sachbearbeiterin, sei die Sache einigermaßen rund gelaufen.

Immer wieder fragte Richter Brandt nach einem an die Verträge angehefteten notariellen Schuldanerkenntnis, dass zur Sicherung der Ansprüche gedacht war. Das sei nur sporadisch ausgefüllt worden, meinten beide Zeugen.

Nach 2010 wurde das Geschäft von Christina S. an sogenannte „Firmenbestatter” verkauft. Aus dieser Zeit berichtete ein Immobilienexperte. „Die sind zu viel zu niedrigen Preisen weiterverkauft worden”, meinte er am Freitag. Der Prozess wird am 8. Oktober fortgesetzt.
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