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Künstlerische Ablenkungsmanöver auf der Autobahn

Von: Gerhard Kratzmann, dapd
Letzte Aktualisierung:
Gelbe Engel
Die gut sieben Meter hohen Engel des Künstlers Alex Gockel, stehen seit Freitag am Kamener Kreuz und werden bei knapp 200.000 vorbeifahrenden Fahrzeugen am Tag künftig zu den meistgesehenen Skulpturen der Republik zählen. Foto: dapd

Kamen. Richtungswechsel der Experten für Verkehrssicherheit: Was den Autofahrer am Straßenrand ablenkt, galt stets als gefährlich. Mittlerweile ist Ablenkung aber durchaus gewollt und wird bewusst installiert.

So wie die gut sieben Meter hohen Engel des Künstlers Alex Gockel, die seit Freitag am Kamener Kreuz steht und bei knapp 200.000 vorbeifahrenden Fahrzeugen am Tag künftig zu den meistgesehenen Skulpturen der Republik zählen wird.

„Ein Grund für Unfälle auf Autobahnen kann durchaus die Monotonie einer Strecke sein”, sagt Michael Heinze vom Verkehrsministerium NRW. „Im Zusammenhang mit Müdigkeit können hieraus gefährliche Situationen bis hin zum Sekundenschlaf entstehen.” Untersuchungen belegten, „dass attraktiv gestaltete Strecken mit begrenzten optischen Impulsen längs der Straße nicht nur der Gestaltung der Landschaft dienen, sondern auch die allgemeine Aufmerksamkeit der Kraftfahrer und damit die Sicherheit erhöhen”.

Das Land NRW hat deshalb bereits mit unterschiedlichen Konzepten Impulse gesetzt: Etwa mit der farbigen „Barcode”-Gestaltung der Lärmschutzwände sowie Spruchbändern („Wir sind Fußball” und „Ich komm zur Ruhr”) an der A 40 und Mammutbäumen längs der A 42.

„Virtuelle Meilensteine” nennt Alex Gockel die „Kunst an der Autobahn”. Das gleichnamige, bundesweite Projekt begleitet der Künstler in enger Kooperation mit Wissenschaftlern, den zuständigen Ministerien und Landesbetrieben als Kurator. So wenig wie man sich noch vor wenigen Jahren eine vermeintliche Ablenkung am Rande der tristen Asphalt-Monotonie hat vorstellen können, gibt es für den 59-Jährigen aus Lüdinghausen auch künftig keine Denkverbote. „Singenden, statt Flüsterasphalt oder Mäusekino neben der Standspur” hat er dabei im Kopf.

Will sagen: Man könnte die Fahrbahn-Oberfläche so gestalten, dass sie bei eingehaltenem Tempolimit rhythmisch und angenehm melodisch „singt”. Die Stoboskopartige Abfolge von Bildern am Straßenrand könnte wie im „Daumenkino” zu einer kurzen Filmsequenz werden. Solche Ideen sind zwar verrückt, aber nicht unmöglich für den gebürtigen Ruhrgebietler, der seit Jahrzehnten ein gefeierter Maler, Druckgrafiker und Bildhauer in den USA ist. Zigtausende erleben dort seine Kunstaktionen mit, seine Bilder haben musealen Wert und seine Metall-Skulpturen sind längst begehrte Sammler-Objekte.

Und was gestern noch eine verrückte Idee war, ist heute schon Realität: Die gängigen Navigationssysteme werden künftig die Kunst am Straßenrand kommentieren. So wie die aktuelle Gockel-Skulptur „Gelbe Engel”, die in der Nacht zu Freitag auf dem nordwestlichen Hügel des Kamener Kreuzes aufgestellt wurde. Eine Gruppe von acht Engeln aus zwei Zentimeter starkem Stahl trägt einen echten, aber ausrangierten Hubschrauber der ADAC-Luftrettung.
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