Kronprinzessin Mary gewinnt die Herzen der Aachener

Von: Christoph Velten
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Aachen verstehen: Stadtführerin Sabine Mathieu erklärt der dänischen Kronprinzessin Mary (Mitte) und ihrer Tante Benedikte, was es mit den Figuren am Puppenbrunnen in der Krämerstraße auf sich hat. Oberbürgermeister Marcel Philipp schaut interessiert zu. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wer sich das Leben einer Prinzessin wie im Märchen vorstellt, der liegt ziemlich weit daneben. Mary jedenfalls, die Kronprinzessin von Dänemark, ist im Stress. Am frühen Nachmittag sitzt sie in der ersten Reihe vor einer kleinen Bühne auf dem Gelände des CHIO und lächelt.

Die Sonne ist rausgekommen und vor ihr hüpfen gerade ein paar junge Menschen mit Skimasken und Wollpullovern im Takt der Musik. Sie präsentieren dänische Winter-Mode. Eigentlich nichts, wofür man sich an so einem Tag sonderlich interessieren würde. Doch direkt neben der Kronprinzessin ist das Gedränge von Kamerateams und Reportern groß.

Auch einige ältere Damen verfolgen das Spektakel mit Kopfschütteln. „Wohl ne hübsche Frau“, sagt die eine, ohne, dass jemand zuvor das Gegenteil behauptet hätte. „Nee“, sagt die andere, „so was wie die will ich nicht sein.“

Seit mehr als zehn Jahren ist Mary das strahlende Aushängeschild der dänischen Monarchie. Sie gehört zu der Riege junger Frauen, die durch ihre Heirat mit den Kronprinzen den europäischen Königshäusern neues Leben eingehaucht haben. Mary steht so in einer Reihe mit Kate Middleton in Großbritannien, Letizia Ortiz in Spanien, Charlene Wittstock in Monaco oder Máxima Zorreguieta in den Niederlanden. Sie alle haben eingeheiratet in verkrustet wirkende royale Strukturen und mit ihrem Charme, ihrer Normalität die Königshäuser näher zu den Menschen gebracht.

Das ist wichtig. Gerade in Dänemark. Keine europäische Monarchie ist älter, kaum eine so prunkvoll. Und doch gilt die Familie rund um Königin Margrethe II. als besonders uneitel, geradezu volksnah. 83 Prozent der Dänen stehen wohl auch deshalb hinter ihrem Königshaus – mehr als in jedem anderen europäischen Land mit einer repräsentativen Monarchie. Ein Fazit könnte so klingen: ohne Macht, aber mit mächtiger Unterstützung.

Die kleine Showeinlage im dänischen Dorf des CHIO ist inzwischen über die Bühne gegangen. Die Kamerameute kreist weiter unermüdlich um die Kronprinzessin. Egal, was sie tut. Ob beim Besuch eines dänischen Schuhherstellers oder eines Fertighaus-Architekten – die Aufmerksamkeit ist ihr sicher. Aber deshalb ist sie gekommen. Sie will werben für ihr kleines Land, für die Produkte, die Menschen, die dort leben. Die Royals sind Teil der Marke Dänemark. Auch wenn sie das natürlich so niemals aussprechen würden.

Ein Marketingexperte hat jüngst ausgerechnet, dass die Kronprinzessin eine Wirtschaftsleistung im Gegenwert von rund zwei Milliarden Euro jährlich nach Dänemark bringt. Im Gegenzug verursacht sie „lediglich“ Kosten in Höhe von 1,6 Millionen. Dass dafür ein Teil ihres Lebens in der Öffentlichkeit stattfindet, ist der Preis für ihre privilegierte Stellung. Für Privates ist da wenig Platz.

Auf dem Aachener Markt hat sich Oberbürgermeister Marcel Philipp in Stellung gebracht. Daneben wartet Stadtführerin Sabine Mathieu auf ihren Einsatz. Limousinen rauschen heran, aus einer steigt die Kronprinzessin, sie schüttelt Hände, lächelt freundlich, klar. Der offizielle Tag beginnt für Mary am Dienstag gegen 11 Uhr. Ein schlichtes blaues Kostüm, eine dunkle kurze Wolljacke, die Schuhe hochhackig, eine kleine dezente Brosche am Revers – und los. Vom Markt geht es in Richtung Hof, dann zum Puppenbrunnen, vorbei an einem Schaufenster voll mit Printen zum Münsterplatz. Eine ältere Dame bleibt kurz stehen. „Guck mal“, sagt sie zu ihrem Enkel und zeigt mit dem Finger in Richtung Mary. „Das ist die Prinzessin, die Nette da.“ Die gehe jetzt in den Dom, erklärt sie noch. „Da können wir nicht mit. Wir machen das dann morgen.“

Vor dem Portal wartet schon Dompropst Helmut Poqué. Händeschütteln, erneutes Lächeln. Barbarossa-Leuchter, Karlsthron, Schatzkammer. Marys Blick wandert mal nach hier, mal nach da, stets aufmerksam, immer im Fokus all derer, die sie begleiten. Es ist ein kurzer, eher privater Besuch in der Aachener Innenstadt. Hier, an der Stätte so vieler gekrönter Häupter, zeigt sich auch eine Kronprinzessin beeindruckt. „Dankeschön“, sagt sie hinterher. Schlicht, aber von Herzen. „Ohne zumindest die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besucht zu haben, kann man Aachen eben nicht verlassen“, sagt Oberbürgermeister Philipp.

Den Monarchien haftet ein märchenhaftes Image an. All der Pomp, all die Paraden, die Kutschen und Uniformen, die Hunderte von Jahren alt sind – das fasziniert auch in modernen Zeiten. Denn das alle ist gelebte Historie – spannender als jedes Geschichtsbuch. Kronprinzessin Mary spielt eine der Hauptrollen in diesem Theaterstück, ohne das es keine Monarchie gäbe. Sie soll die Zustimmung der Bevölkerung für die Zukunft sichern. Eine Aufgabe, die ihr scheinbar spielend gelingt.

2000 während der Olympischen Spiele in Sydney lernt die damals 28-jährige Mary Donaldson ihren Prinzen kennen. Der stellt sich ihr in einer Bar schlicht als „Fred aus Dänemark“ vor. Zwei Jahre lang halten sie ihre Beziehung geheim, bis ihnen die Presse auf die Schliche kommt. Am 8. Oktober 2003 folgt die Verlobung. Am 14. Mai 2004 wartet der Kronprinz am Altar auf seine Braut – und weint bei ihrem Anblick vor Rührung.

Frederik gilt nicht gerade als derjenige, der öffentliche Auftritte mit der gewünschten Leichtigkeit meistert. Seine allerbeste Seite, so heißt es, sei seine Frau; seine wirkliche Stärke, dass er ihr die gelungenen Auftritte gönne. Mary gilt mittlerweile als Dänemarks Geheimwaffe. Doch das war nicht immer so.

„Luxuspüppchen“

Am Anfang wurde die modebewusste Mary als „Luxuspüppchen“ verschrien. Sie musste sich erst etablieren, zeigen, dass hinter der hübschen Fassade mehr steckt als die Frau an der Seite des Prinzen. Die heute 41-Jährige ist mit Christian (7), Isabella (6) und den Zwillingen Vincent und Josephine (2) mittlerweile vierfache Mutter. Neben der Familie und der dänischen Wirtschaft engagiert sie sich für soziale Projekte. Vor der UN in New York setzte sie sich jüngst in einer Rede für die Bekämpfung der Armut ein.

Das alles spielt Dienstagabend keine Rolle. Die Schuhe sind noch ein bisschen höher geworden, das Kleid gemustert in blau und gold. So erreicht Mary um kurz vor 17 Uhr erneut das Gelände des ALRV. Pünktlich zur Eröffnungsfeier. Selbst vor dem VIP-Zelt bleiben die Menschen stehen und zücken ihre Handys, um ein Foto zu machen. Sogar bei den Prominenten, wo man sich in aller Regel selbst genug ist, macht eine echte Prinzessin Eindruck.

Die königlichen Gardehusaren stehen da längst bereit, die Kutsche fährt vor, gezogen von vier Schimmeln. Gemeinsam mit ihrer Tante Benedikte steigt sie ein. Lächelt, winkt, natürlich. Und für einen Moment ist dann doch alles wie im Märchen. Die Diener, die Reiter, die Uniformen, die Pferde. Und mitten drin die 41-jährige Kronprinzessin. Noch ein Winken, ein Lächeln, mehr nicht. Und alle sind begeistert.

In dieser Woche porträtieren wir jeden Tag Menschen, die den CHIO 2013 prägen. Im ersten Teil stellten wir die Sportchefin Birgit Rosenberg vor. Die Porträts sind zum Nachlesen auch im Internet unter az-web.de zu finden. Morgen lernen Sie an dieser Stelle den Gespannfahrer Christoph Sandmann kennen.

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