Düsseldorf - Krach ums Apollo-Theater in Düsseldorf

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Krach ums Apollo-Theater in Düsseldorf

Von: rp
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Das Apollo-Theater unter der Rheinkniebrücke in Düsseldorf wehrt sich gegen die außerordentliche Kündigung. Folgt man Andeutungen des Richters im Prozess, stehen die Chancen für das Varieté gar nicht schlecht. Foto: ddp

Düsseldorf. Seit Oktober 1997 gibt es das Apollo-Theater unter der Rheinkniebrücke. Vermieter sind zwei private Investoren aus Münster. Der Vertrag zwischen ihnen und dem Theater läuft bis 2012. Seit einigen Jahren aber gibt es Streit.

Offenbar um viele technische und bauliche Details sowie um angeblich nicht geleistete Wartungsarbeiten. Im Prozess vor dem Landgericht kamen jetzt alle Einzelheiten des erbitterten Streits zwischen den Parteien zutage.

Angeblich, so heißt es, lasse das Varieté-Management den Komplex „vergammeln”, wie Richter Joachim Matz den Kernvorwurf der Vermieter am Dienstag zusammenfassend umschrieb. Defekte Fensterscheiben seien vom Apollo erst nach fünf Kündigungsdrohungen ausgewechselt worden. Eine komplette Untersuchung der Glasfassade sei „bis heute nicht” erfolgt, monierte ein Sachbearbeiter der Vermieter.

Dabei war von Anfang an zwischen den Parteien verabredet: Zuständig für Wartungsarbeiten im Mietobjekt sei der Mieter - und der müsse dafür auch zahlen. Dann aber war, laut Vorwurf der Vermieter, der Speiseaufzug im Restaurant angeblich verschmutzt, das Apollo habe ohne Absprache den Betreiber der Varieté-Gastronomie gewechselt, eine Abwasserpumpe sei nicht ordnungsgemäß gewartet worden, so dass Toilettenabwasser die ganze Küche überflutet habe.

Außerdem seien Inventar-Teile wie Geschirrspülmaschine und Eiswürfelmaschine zwar ersatzweise beschafft, aber nicht im Sinne des Vermieters ausgetauscht worden.

Und obendrein habe ein undichter Schlauch an einer Spülmaschine im Jahr 2004 für einen sehr großen Wasserschaden gesorgt. Die Vermieter sind über all diese Umstände so erzürnt, dass sie den Theaterleuten gekündigt haben. Bis Ende des Jahres soll die Apollo-Belegschaft die Bühne geräumt haben - inklusive Zuschauerraum Küche und dem ganzen Rest des Hauses. Was dann aus dem Haus wird? Das war vor Gericht aber erst einmal nicht das Thema.

Folgt man den Andeutungen des Richters, stehen die Chancen für das Varieté gar nicht schlecht. Diesen Eindruck hat auch Apollo-Chef John Kirkness, der zwar am Dienstag im Gericht dabei war, sich ansonsten aber nicht zu dem laufenden Verfahren äußern wollte.

Einen aktuellen, ganz konkreten Punkt als Auslöser für die Kündigung fand Richter Matz in der Aufzählung der Vermieter nicht: „Den Tropfen, der das Fass im Oktober 2008 zum Überlaufen brachte - und der eine außerordentliche Kündigung rechtfertigt - sehe ich nicht!” Der Vermieter-Anwalt hielt dagegen: „Man muss es insgesamt bewerten.” Immerhin seien „deutlich über zehn” Kritikpunkte zusammengekommen - und deshalb müsse jetzt Schluss sein, das Varieté müsse raus.

Tatsächlich hat die Varieté-Leitung inzwischen aber einen Wartungsvertrag mit einer Fachfirma vorgelegt. Auch habe der Vermieter laut Gerichtsakten seit 2006 „keinen einzigen weiteren Verstoß vorgetragen”, sagt der Apollo-Anwalt. Und überhaupt: „Das Varieté wirft ja Gewinn ab, ist erfolgreich”, erinnerte der Richter. Um die Mietzahlungen müsse sich der Investor also keine Sorgen machen. Trotzdem: Eine Rücknahme der Kündigung oder weitere Gespräche mit dem Apollo hat der Vermieter-Anwalt am Dienstag nicht signalisiert.

Wie es jetzt weitergeht? Bevor Richter Matz Anfang September das Urteil schreibt, will er noch die Mietunterlagen und den Wartungsplan für das Gebäude prüfen. Nach bisheriger Einschätzung des Gerichts sei zwischen den Parteien nie geklärt worden, welche genauen Bereiche die Varieté-Truppe in dem Gebäude warten muss und in welchen Intervallen dies zu geschehen habe. Bestätigt sich das, dürfte die außerordentliche Kündigung wohl kaum Chancen haben.

Bernhard Paul: Vorwurf des Vermieters geschäftsschädigend

Bernhard Paul, Gründer des Apollo-Theaters und Betreiber des Varietés, will die Anschuldigungen des Vermieters nicht länger auf sich sitzen lassen. „Die Behauptung, das Haus sei heruntergekommen, ist falsch und ist geschäftsschädigend”, sagte Paul außerhalb des Gerichtssaals. Er erwägt, gegen diese Äußerungen rechtliche Schritte einzuleiten. Wenn potenzielle Besucher hörten, das Haus sei nicht in Ordnung, würden sie möglicherweise keine Karten kaufen, so Paul.

Ein strittiger Fall vor Gericht ist beispielsweise die Klimaanlage. Sie war defekt. „Eigentlich hätten wir als Mieter nichts an dieser Anlage machen dürfen”, erklärte Paul. Aber der Besucher wegen sei das Varieté in Vorleistung getreten und habe die Anlage in Ordnung gebracht. Insgesamt sei das Apollo-Varieté für Sanierungen mit 200.000 Euro in Vorlage getreten. Dieses Geld will Paul zurückfordern, notfalls auch mit einer Klage gegen den Vermieter. Dessen Anschuldigungen seien nicht haltbar. Sollte der Mietvertrag dennoch vorzeitig gekündigt werden, müsse er eben das Varieté schließen.
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