Korruption: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ärzte in der Region

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Psychischer Druck, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen: Schlechte Stimmung an der Trommsdorffstraße, dem Firmensitz des Alsdorfer Pharmaherstellers Trommsdorff. Foto: M. Schuldt

Aachen. In Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen gegen den Ulmer Arzneimittelhersteller Ratiopharm hat die Aachener Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen 20 Ärzte aus der Region aufgenommen.

Dies bestätige Oberstaatsanwalt Robert Deller am Montagmittag auf Anfrage dieser Zeitung. Außerdem wird gegen bis zu vier hiesige Ratiopharm-Außendienstmitarbeiter ermittelt. Bundesweit stehen etwa 2800 Ärzte im Verdacht, von Ratiopharm bestochen worden zu sein.

Ratiopharm soll Ärzte jahrelang mit Geld und Sachleistungen zum Betrug angestiftet haben. Für das Verschreiben von Ratiopharm-Medikamenten soll das Unternehmen Ärzten Umsatzbeteiligungen zwischen zwei und acht Prozent gewährt haben. Die Ermittlungen der Ulmer Staatsanwaltschaft zogen sich über fast vier Jahre, jetzt sind gegen zwei Hausärzte aus dem Alb-Donau-Kreis die ersten Strafbefehle beantragt worden.

Der Fall Ratiopharm ist vergleichbar mit dem Fall des Alsdorfer Pharmaherstellers Trommsdorff. Auch Trommsdorff hat bis ins Jahr 2007 hinein Ärzte für das Verschreiben seiner Medikamente mit Elektrogeräten oder Bargeld belohnt, obwohl das Landgericht Aachen dies dem Unternehmen bereits im Juni 2006 untersagt hatte. Die Aachener Staatsanwaltschaft ermittelt seit einem Jahr gegen verantwortliche Trommsdorff-Angestellte, 86 Pharmareferenten und bundesweit 482 Ärzte wegen Untreue bzw. Anstiftung zur Untreue.

Mehrere von der Staatsanwaltschaft vernommene Angestellte fühlen sich indes von der Geschäftsführung im Stich gelassen, wie Betriebsratsvorsitzender Klaus Berg auf Anfrage bestätigt. In einem anonym verfassten offenen Brief beschwert sich der Autor überdies darüber, dass bei Trommsdorff die Angst der Arbeitnehmer vor dem Verlust des Arbeitsplatzes instrumentalisiert werde. Die Rede ist von „massivem psychischen Druck”.
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