Konrad Simons ist tot: Großer Journalist, liebenswürdiger Kollege

Von: Bernd Mathieu
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Wir trauern um ihn: Konrad Simons, unser früherer Chefredakteur, ist gestorben. Foto: AZ-Archiv

Aachen. 96 Jahre ist er alt geworden und war bis zuletzt ein selbstständiger, interessierter, kreativer und noch bis vor wenigen Monaten am Computer schreibender, geistig jung gebliebener Mann.

Am Sonntag ist Dr. Konrad Simons, Chefredakteur der „Aachener Volkszeitung” von 1962 bis 1978, in seinem Haus in Aachen gestorben, „ganz friedlich”, wie seine Tochter Angela sagt.

Bis zuletzt hat er jene Eigenschaften behalten, die ihn zeitlebens prägten: eine fröhliche Gelassenheit, eine hohe Kompetenz, eine gesunde Neugier.

Als Chef einer lokalen und regionalen Tageszeitung kannte er die Verantwortung für Aachen und die Region, aber provinziell war er nie.

Kontakte über die Grenzen hinaus, Reisen in ferne Länder, nationale und internationale Begegnungen, Gespräche mit berühmten, vor allem aber mit sogenannten einfachen Menschen waren selbstverständliche Bestandteile seines beruflichen wie privaten Alltags.

Für mich war er zunächst einmal Vorgesetzter, er der Chefredakteur, ich der freie Mitarbeiter und später Volontär und Jungredakteur.

Er behandelte uns stets als selbstbewusster und aufmerksamer Vorgesetzter, der nicht egoistisch ausschließlich eigene Leitartikel und Reportagen im Sinn hatte, sondern viel von seinen Talenten bereitwillig und gerne an andere weitergab.

Sein aufregend-erfülltes journalistisches Leben war voller Eindrücke, Einfälle, Pläne, Erfolge.

Der Chefredakteur der „Aachener Volkszeitung” glossierte und kommentierte, ohne sich irgendeinem Zeitgeist anzupassen, erst recht nicht einer Ideologie.

Er repräsentierte mit seinen zahlreichen Beiträgen journalistische Unabhängigkeit und Klugheit - mal analytisch, mal angriffslustig, mal humorvoll, mal mit dem nötigen Ernst, mal hintersinnig, manchmal ironisch, nie verletzend.

Wache Nachdenklichkeit, herzliche Heiterkeit und analytische Intelligenz prägten sein Wesen. Bis ins hohe Alter schrieb er geradezu faszinierende Tagebücher.

Seine „Blickpunkt”-Glossen, exakte 36 Zeilen journalistischer Formulierungskunst auf der Titelseite, sind AVZ-Legende. Und das Autorenkürzel „(si)” stand für ein Gütesiegel, das eines nie bieten wollte: Langeweile.

Sondern: Biss, Angriffslust und von Fall zu Fall auch die andere Klaviatur der Alphabete mit Charme, Liebenswürdigkeit, Witz.

Die rheinische Laufbahn war geografisch irgendwie komplett: am 10. Februar 1913 in Düsseldorf geboren, Studium der Rechtswissenschaften und Geschichte in Köln, Redakteur der „Rheinischen Post” in Düsseldorf, Chefredakteur der „Aachener Volkszeitung”.

Lange Jahre war er zudem Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten und Mitglied des WDR-Rundfunkrates. Für sein beachtliches Lebenswerk wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und dem „Ordre des Arts et des Lettres” der französischen Republik ausgezeichnet.

Wir werden diesen großen Chefredakteur und liebenswürdigen Kollegen in guter und dankbarer Erinnerung behalten.

Er war nach 1978 über die vielen Jahre stets „einer von uns”, und so wird es bleiben. Konrad Simons ist ein wichtiger und unvergesslicher Teil der Geschichte dieser Zeitung und damit auch der gesamten Region Aachen. Unser Mitgefühl gilt in diesen Stunden seinen beiden Kindern und deren Familien.
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