Kompliziert und schädigend: Stirbt die Dauerwelle aus?

Von: Madeleine Gullert
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Lockenwickler für Lockenwickler aufgerollt: Hubertine Plum (84) schätzt die Dauerwelle seit mehr als 30 Jahren. Janine Engels ist eine von wenigen jungen Friseuren, die die Welle gern macht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Modezeitschriften prophezeien es seit einigen Jahren immer wieder: „Die Dauerwelle ist zurück.“ Tatsächlich aber ist die Nachfrage nach der Frisur spätestens seit Ende der 80er stetig gesunken. Als Stars wie Cher und David Hasselhoff den Trend der Pudelfrisur vormachten, wollten noch fünf bis sechs Kunden täglich eine Dauerwelle haben.

Eine letzte Bastion der Dauerwelle ist der Friseursalon Blank in der Aachener Innenstadt. Flink wickelt Friseurin Janine Engels dort kleine Lockenwickler in Hubertine Plums Haare. Die 32-Jährige ist geübt, sie macht bis zu vier Dauerwellen täglich.

Auch an diesem Tag sitzen in dem Salon mehrere ältere Stammkundinnen mit Wicklern und Alufolie auf dem Kopf. Deren Haar ist so dünn, dass sie auf die aufwendige chemische Prozedur angewiesen sind, erklärt Engels, die die „Fummelarbeit“ ganz gern macht. „Das Haar wird unterstützt und hält immer“, sagt die 84-jährige Kundin Plum über die Vorteile. Seit knapp 30 Jahren trägt sie Kunstlocke.

Die Dauerwelle wächst raus

Es sind mehrere Schritte notwendig, um die Dauerwelle ins Haar zu zaubern. Es wird zunächst gewaschen, auf kleine Lockenwickler aufgewickelt, mit einem Reduktionsmittel benetzt, das dafür sorgt, dass das Haar gewellt wird. Anschließend werden die Haare erneut gewaschen und mit Fixiermittel besprüht, meist Wasserstoffperoxid. Das dauert in jedem Fall zwei Stunden.

Viel Zeit, die die meisten Kunden heute nicht mehr haben. Die Wellen bleiben außerdem im Haar, bis sie rauswachsen. Heute macht man „Tageslocken“ mit dem Glätteisen oder dem Lockenstab. Einmal Haare waschen, und die Locken sind wieder weg. Die Dauerwelle hingegen ist nicht pflegeleicht, deshalb müssen die Kundinnen mehrmals im Monat zum Föhnen oder Kämmen in den Salon. Das kostet.

Weil viele – insbesondere jüngere – Friseure die Technik gar nicht mehr beherrschen, schicken Kollegen die Dauerwellenkundinnen zu Engels. Der Salon bietet zweimal wöchentlich seine Dienste in einem Altenheim an. „Mit den Stammkunden stirbt aber auch die Dauerwelle langsam aus“, sagt Engels.

Läden, die insgesamt eher eine jüngere Zielgruppe ansprechen, bieten die Dauerwelle gar nicht erst an. Wir haben diese Kunden nun einmal nicht“, sagt Tom Hahnbrück, der seit fünf Jahren als Friseur bei der Kette Unisex in Aachen arbeitet. Er hat seit seiner Zwischenprüfung zum Friseur keine Dauerwelle mehr gemacht und ist ganz froh darüber. „Das Wickeln ist lästig, der Geruch der Mittel ist unangenehm, außerdem wird das Haar stark geschädigt“, sagt Hahnbrück.

„Es ist aufwendig und kompliziert“, erklärt Weinitschke die Abneigung vieler junger Friseure gegen die Dauerwelle. Gelernt werden müsse es trotzdem, es sei ein Klassiker des Friseurhandwerks. Hahnbrück kann sich dennoch gut vorstellen, dass die Dauerwelle aus den Ausbildungsanforderungen verschwindet. „Es wird immer weniger nachgefragt. Warum sollte man etwas lernen, das irgendwann niemand mehr will?“

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