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Königin, Kunst und Kinder: Paola in Eupen

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Fotos: Andreas Herrmann
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Eupen. Royaler Glanz in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens: Donna Paola Margherita Maria Antonia Consiglia Principessa Ruffo di Calabria, genannt Paola von Belgien, stattete am Donnerstag dem Ikob einen Besuch ab. Aus doppeltem Anlass.

Vor 20 Jahren gründete der Bütgenbacher Kunstpädagoge Francis Feidler das Internationale Kunstzentrum Ostbelgien, kurz Ikob, heute ein Eupener Kunstinstitut mit internationaler Anerkennung.

Außerdem bestreitet die Jubiläumsausstellung in dem noch ganz frisch umbenannten „Ikob-Museum für zeitgenössische Kunst“ der erklärte Lieblingskünstler der Königin, der Belgier Jan Fabre. „Der Besuch ist gewissermaßen die Krönung“, sagt Ikob-Präsident und Chef des Verwaltungsrats Walter Mießen, „eine Referenz an die Arbeit des Ikob ebenso wie an die zeitgenössische Kunst.“

Zur Feier des Tages erscheinen Bürgermeister Karl-Heinz Klinkenberg mitsamt seines Schöffenkollegiums – entfernt vergleichbar den deutschen Dezernenten – in landes- und stadtfarbenen Schärpen. Als die schwere Limousine - amtliches Kennzeichen: 2 - Punkt 11 Uhr am Rotenberg vorfährt, haben Erzieherinnen des nahegelegenen Kindergartens und Lehrerinnen der Städtischen Grundschule Oberstadt bereits über 100 Kinder am Eingang des Ikob zur Begrüßung in Stellung gebracht. Die Schüler wedeln mit Fähnchen, was die Ärmchen hergeben, und die ganz Kleinen verschenken selbst gebastelte Papier-Prinzessinnen: „Willkommen in Eupen“.

„Wir legen großen Wert auf unser Königshaus und sind froh, dass wir es haben“, erklärt Schulleiterin Beatrice Orban ihr Engagement, das Thema aktuell gerade auch im Rahmen des Projekts „Zeitung in der Schule“ zu behandeln. „Das Königshaus ist schließlich ein Garant für die Einigkeit Belgiens.“ Und fürs Image ist das Motiv auch nicht gerade abträglich, das die Fotografen hier reichlich einfangen: Königin und Kinder - das kommt immer an.

Umrahmt von den Sponsoren und Mäzenen, mehrheitlich Eupener Geschäftsleute, erinnert Francis Feidler - Ende März gibt er die Leitung des Ikob ab an die französische Kunsthistorikerin Maïté Vissault - an die vagabundierenden Anfänge des zeitgenössischen Kunstwesens ab 1993 in Ostbelgien und den zukunftsweisenden „großen Wurf“ 1997: Da stieß die Ausstellung „Volle Scheunen“ mit zwölf international renommierten Künstlern, die je eine Scheune in einem jeweils anderen Dorf im Dreiländereck bespielten, auf große Resonanz in ganz Europa. Von da an war es nicht mehr weit, mit Hilfe von „Politikern mit Weitblick“ und „kunstinteressierten Geschäftsleuten mit Tatendrang und Visionen“ 2000 ein eigenes Domizil zu finden: in einem ehemaligen Eupener Büro- und Handelshaus.

Paola scheint beeindruckt – sofern sie sich in ihrer erhabenen Art Gefühlsausdrücke überhaupt leistet. Die 75-jährige kalabresische Uradelige flüstert grundsätzlich, ihr gelegentliches Lächeln verströmt aber Sympathie.

Plötzlich schneit auch der Künstler herein – und übernimmt selbst die Führung durch die Ausstellung. Die royale Anmut an seiner Seite scheint dem Antwerpener Maler, Bildhauer, Choreograf, Dramatiker und Regisseur nichts auszumachen – demonstrativ leger kaugummikauend erklärt er der Königin all das Getier, das er zeichnerisch auf Papier und im Original in Vitrinen versammelt hat: grüne Käfer, behaarte Vogelspinnen – allesamt tot, versteht sich -, denen er mit Glühlampen eine Art Mini-Scheinwerfer verpasst hat, Hirschkäfer und Mistkäfer in ganzer Schönheit der Natur aufgereiht auf Nadeln… Paola verzieht keine Miene und zeigt sich hoch interessiert.

Allein das Spinnentheater, eine Miniatur-Wohnlandschaft wie aus dem Modellbaukasten, mit Labyrinth, Disco, Zirkus, Kletterraum, Operationssaal, Kino und Kuschelecke – das ist verwaist: Militante Tierschützer gingen Fabre dermaßen auf die Nerven, dass er die fünf lebenden Vogelspinnen, die hier hausten, wieder abgezogen hat.

Das soll in Recklinghausen anders werden: Da wandert die Ausstellung nämlich ab 21. April hin als Beitrag zu den Ruhrfestspielen. Museumsdirektor Ferdinand Ullrich,  am Donnerstag zum Königinnenbesuch nach Eupen eingeladen, hat schon vorgesorgt: Ein örtlicher Tierhändler wird die Vogelspinnen für die Zeit der Schau liefern und anschließend auch wieder zurücknehmen. Ullrich: „Wo soll man schließlich hin damit?“

Allerdings: „Man weiß ja vorher nie, was kommt.“ Ganz ausschließen mag er nicht, dass auch im Ruhrgebiet die Spinnenfreunde sich als spinnefeind erweisen werden. Und was hält der Kunstmensch von dem royalen Museumsbesuch? „Für einen Republikaner ist das sicher ein besonderes Ereignis – obwohl man ja doch nicht so richtig weiß, wie man damit umgehen soll.“ Da geht es den Eupenern ganz anders…

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