Kölner Verkehrsbetriebe unter Druck

Von: Markus Peters, ddp
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Köln / Stadtarchiv / Einsturz / Jürgen Fenske
Jürgen Fenske, Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe, informiert auf einer Pressekonferenz in Köln die Medienvertreter über den aktuellen Stand der Bergungsarbeiten rund um das eingestürzte Kölner Stadtarchiv. Foto: dpa

Köln. Der Vorstand der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) trug schwarz, als er sich am Sonntagnachmittag der Presse stellte. Seit dem frühen Morgen stand fest, dass der Gebäudeeinsturz im Kölner Severinsviertel mindestens ein Menschenleben gefordert hat. Vorstandsprecher Jürgen Fenske wirkte fahl, als er sich öffentlich bei den Kölnern für die Katastrophe in der Südstadt entschuldigte.

Dieser Schritt sei ihm ein persönliches Bedürfnis, betonte der 53-Jährige und stellte klar, dass diese Entschuldigung kein Schuldeingeständnis der KVB sei. Es handele sich um einen „schrecklichen Tag und fürchterliche Stunden”. Bei den 3150 Mitarbeitern der KVB herrsche tiefe Betroffenheit.

Für die Feuerwehr steht fest, dass der Hauseinsturz durch einen Erdrutsch in einer Baustelle der von der KVB gebauten Nordsüd-Stadtbahn verursacht wurde. Dabei kann man Fenske wohl mit am Wenigsten für das Stadtbahn-Desaster verantwortlich machen, schließlich ist er erst seit dem 1. Januar bei den KVB. Noch in seiner Einarbeitungszeit muss er nun die schwerste Krise in der Geschichte des Verkehrsunternehmens bewältigen, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1877 reichen.

Im vergangenen Sommer war der in Lünen/Westfalen geborene Sozialdemokrat auf seinen Posten berufen worden. Zuletzt leitete er die Region Nord der DB-Stadtverkehr, zu der unter anderem die S-Bahn Hamburg gehört. Laut KVB-Aufsichtsratsvorsitzendem Wilfried Kuckelkorn sprach für Fenske die „umfangreiche Erfahrung im Öffentlichen Personennahverkehr” (ÖPNV) sowie seine langjährigen Erfahrungen mit Verkehrsverbünden und Verbandsarbeit.

Unter anderem hatte Fenske vier Jahre lang das Büro des damaligen schleswig-holsteinischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Peer Steinbrück (SPD) geleitet. Seinen Start in Köln habe er sich gründlich anders vorgestellt, räumte er inzwischen ein.

Als Teil des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) betreiben die KVB 11 Stadtbahn- und 44 Buslinien sowie die Seilbahn über dem Rhein. Sie befördern täglich etwa 800.000 Fahrgäste, mit denen ein Jahresumsatz von 177,2 Millionen Euro generiert.

Nun ist zunächst Schadensbegrenzung angesagt, denn trotz der Entschuldigung ihres Vorstandschefs bleiben die KVB bei ihrer Verteidigungslinie. Ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Stadtbahnbau und dem Gebäudeeinsturz bleibe solange Spekulation, bis die Ergebnisse neutraler Gutachter vorliegen, heißt es.

Und sollte es tatsächlich folgenschwere Pannen gegeben haben, dann seien dafür die mit der Planung und Durchführung der Arbeiten beauftragten Baufirmen in die Pflicht zu nehmen. Weitere Aussagen werden mit dem Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren der Kölner Staatsanwaltschaft verweigert.

Es wird abzuwarten sein, wie lange diese Strategie funktioniert. Die inzwischen rund eine Milliarde Euro teure Stadtbahntrasse steht stärker denn je in der Kritik - und Fenskes Fähigkeiten als Kommunikator dürften in den vergangenen Wochen noch oft gefordert sein.
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