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Kölner Rat hinterlässt kulturpolitische Trümmer

Von: dpa
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Köln. Zumindest mit einer guten Nachricht konnte sich der noch amtierende Kölner Stadtrat in dieser Woche verabschieden: Ein halbes Jahr nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt wurde am Rande der Kölner Innenstadt ein neuer Standort für die Einrichtung gefunden.

Für mehr als 97 Millionen Euro soll das Archiv dort neu errichtet werden. Derweil dauern die Bergungsarbeiten für verschüttete Dokumente an der Einsturzstelle aber wohl noch Monate an. Und die Stadt Köln steht kulturpolitischen vor einem Trümmerhaufen.

Für das schlechte Krisenmanagement nach dem Archiveinsturz hatte Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) die Verantwortung übernommen und seine Kandidatur zur Wiederwahl zurückgezogen. „Wenn uns das Unglück eines lehren kann”, sagte Schramma seiner letzten Ratssitzung als OB, „so ist es dies: Dass es Situationen gibt, in denen wir über alle Unterschiede und auch Streitigkeiten hinweg zusammenarbeiten müssen.”

In der Realität merkt man dagegen deutlich, dass Kölns Politiker zwar immer wieder gerne miteinander klüngeln, zur überparteilichen Kooperation oft aber nicht in der Lage sind.

So wurde bisher regelmäßig versucht, eventuelle Bedenken gegen kulturpolitische Projekte nicht offen auszudiskutieren. Stattdessen wollten die Verantwortlichen hinter den Kulissen Fakten schaffen. Die Ergebnisse sind dramatisch: Ein Stifter-Ehepaar zog die Schenkung für einen dringend benötigten Anbau am Kölner Stadtmuseum zurück.

Fast zehn Jahre hatten sie mit der Stadt verhandelt, lange aber hatten die Politiker davon gar nichts erfahren. Stadtspitze und Fraktionen werfen sich nun gegenseitig vor, an dieser Pleite schuld zu sein.

Dabei ist sie nicht die einzige: Die bundesweit beachteten Planungen für den Bau eines Jüdischen Museums direkt am Kölner Rathaus mussten zu den Akten gelegt werden. Völlig unkritisch hatte die Stadtspitze immer betont, ein privater Trägerverein werde die Kosten als Spende aufbringen.

Nun aber hat der Verein kein Geld, und das Museum wird nur als Mini-Version in die „Archäologische Zone” eingegliedert. Hinzu kommt, dass die Kosten für die Sanierung der Kölner Oper gegenüber ersten Planungen immer weiter ansteigen.

„Die Folgen des Einsturzes werden uns noch Jahrzehnte begleiten”, sagte Fritz Schramma am Donnerstagabend im Kölner Ratssaal. Die kulturpolitische Aufräumarbeit wird ab Ende Oktober sein Nachfolger übernehmen müssen.

Jürgen Roters (SPD) hat eine umfassende Verwaltungsreform und mehr Transparenz bei politischen Entscheidungen angekündigt. In den Reihen der Kölner Kulturpolitiker wird er dabei neue Verbündete finden müssen. Denn der kulturpolitische Sprecher der SPD-Ratsfraktion war kürzlich wegen einer Doktortitel-Affäre zurück getreten, und der Vorsitzende des Kulturausschusses, Lothar-Theodor Lemper (CDU), wegen eines Spendenskandals. Beide gehören auch dem neuen Stadtrat nicht an.

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