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Kölner Oberbürgermeister fühlt sich hintergangen

Von: dpa
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Mitarbeiter suchen in einer Halle eines Entsorgungsunternehmens in Porz in den Trümmern des Historischen Stadtarchivs und zweier Nachbarhäuser nach Archivalien. In der Halle werden - wie auch an der Unglücksstelle im Severinsviertel - die Dimensionen deutlich, die die Folgen des Einsturzes für das kulturelle Gedächtnis der Stadt haben. Pro Tag rollen hier durchschnittlich acht Lkw mit Trümmern von der Unglücksstelle auf der anderen Rheinseite an - pro Ladung liefern sie 18 Tonnen Schutt an, aus dem die 40 bis 50 Bauhelfer das wertvolle Archivmaterial bergen sollen. Foto: ddp

Köln. Schon lange vor dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat es erhebliche Grundwasser-Probleme an der benachbarten U-Bahn- Baustelle gegeben. Das hat die Stadt am Freitagabend eingeräumt.

Nach Baustellenprotokollen kam es bereits im September 2008 zu einem sogenannten hydraulischen Grundbruch im gleichen Baubereich. Ein solches Ereignis gilt als wahrscheinlichste Unglücksursache.

Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa, diese Information sei „starker Tobak”. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) hätten ihm bisher immer gesagt, es habe keine Probleme mit der Baustelle gegeben. Er habe nun disziplinarrechtliche Prüfungen gegen diejenigen eingeleitet, die bei der Stadt etwas von den Problemen gewusst aber nichts gesagt hätten. Unter anderem wird das Verhalten von Baudezernent Bernd Streitberger (CDU) überprüft. Er sei wahrlich „not amused”, sagte Schramma.

Der Hinweis auf den Grundbruch im September kam demnach weder von den Kölner Verkehrs-Betrieben noch von Baudezernent Streitberger, sondern von Wirtschaftsdezernent Norbert Walter-Borjans (SPD). Dieser hatte die Information von einem Mitarbeiter der Vermessungsabteilung, der an den Baustellenbesprechungen an der späteren Unglücksstelle beteiligt gewesen war.

Die KVB, Bauherr bei der U-Bahn-Erweiterung, bestätigten in einer Pressemitteilung, dass ihnen bereits im September ein „kleiner hydraulischer Grundbruch” von den Bauunternehmen gemeldet worden sei. Experten halten es für wahrscheinlich, dass am Unglückstag große Mengen Kies und Wasser in die Baugrube für die U-Bahn abrutschten und dadurch der Boden unter dem Archiv so instabil wurde, dass das Gebäude und zwei angrenzende Wohnhäuser zusammenbrachen. Zwei Menschen kamen dabei am 3. März um.

Auf die Frage, wie er die Bürger davon überzeugen wolle, dass dies nicht noch einmal an anderer Stelle geschehen könne, sagte Schramma: „Hier wird kein Meter weitergebaut, ohne dass wir das nicht vorher zusätzlich begutachtet haben.” Unter anderem habe er ja zusätzlich den TÜV Rheinland hinzugezogen.

Personelle Konsequenzen lehne er zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ab. „Vorschnelle Rücktrittsforderungen sind weder hilfreich noch geboten.” Es komme jetzt darauf an, dass die Staatsanwaltschaft zügig die Verantwortlichen für das Unglück ermittele. Danach könne Köln ein wenig zur Ruhe kommen. Schramma widersprach der These, der Einsturz des Archivs als Folge des U-Bahn-Baus sei symptomatisch für den maroden Zustand seiner Stadt. „In Amsterdam wackelts auch.” Und Kölns Partnerstadt Barcelona habe gleichfalls Probleme.

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