Kölner Conterganopfer wartet auf die Dalli-Klage

Von: Marlon Gego
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Behält sich rechtliche Schritte gegen den BCG vor: Dalli-Geschäftsführer Ulrich Grieshaber.

Aachen. Die Stolberger Dalli-Gruppe hat bislang kein Hauptsacheverfahren gegen den Vorsitzenden des Bundes Contergangeschädigter und Grünenthalopfer (BCG), Andreas Meyer, eingeleitet.

In einem Eilverfahren Ende Juni war in Köln eine einstweilige Verfügung aufgehoben worden, derzufolge der BCG nicht weiter zum Protest gegen Produkte der Dalli-Gruppe aufrufen durfte. Noch in der Verhandlung hatten die Vertreter Dallis angekündigt, „diese Frage in einem Hauptsacheverfahren klären lassen” zu wollen. Ein solches Verfahren würde erfahrungsgemäß mehrere Jahre dauern. Ein Prozessbeginn Ende September war mit der Vorsitzenden Richterin Margareta Reske bereits ins Auge gefasst.

Ulrich Grieshaber, Vorsitzender der Dalli-Geschäftsführung, sagte auf Anfrage dieser Zeitung, Dalli behalte sich vor, „weitere juristische Schritte einzuleiten”. Dass noch kein Hauptsacheverfahren beantragt sei, habe damit zu tun, „dass der BCG seinen Boykottaufruf im Moment nicht aktiv betreibt”. Das Unternehmen werde aber reagieren, wenn durch den Boykottaufruf Arbeitsplätze in Gefahr seien. „Wir sind es unseren Mitarbeitern schuldig, sie zu schützen”, sagte Grieshaber.

Der Hintergrund des Protestaufrufes gegen die Dalli-Produkte sind die Eigentumsverhältnisse der Unternehmensgruppe. In weiten Teilen gehört Dalli den gleichen Eigentümern wie der Pharmahersteller Grünenthal, der in den 60er Jahren das Beruhigungsmedikament Contergan auf den Markt gebracht hatte. Durch Nebenwirkungen war es zu Schädigungen bei einer großen Zahl von Ungeborenen gekommen. Die Rechtsmittel der Conterganopfer gegen Grünenthal sind seit einem 1970 geschlossenen Vergleich ausgeschöpft.

Der Boykottaufruf soll Druck auf die Familie Wirtz als Eigentümer von Grünenthal und Dalli ausüben, mehr als die bislang insgesamt entrichteten 100 Millionen Euro Schadensersatzzahlungen zu leisten. BCG-Vorsitzender Meyer geht davon aus, dass den etwa 3000 noch lebenden Conterganopfern und ihren Familien „etwa fünf Milliarden Euro zustehen”.

Der BCG ist enttäuscht, dass Dalli bislang keine weiteren Schritte eingeleitet hat. „Wir haben uns auf das Verfahren gefreut”, sagte Andreas Meyer gegenüber dieser Zeitung. „Ein bessere Werbung für unseren Boykottaufruf von 2007 hätte die Familie Wirtz nicht machen können.”
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