Köln - Kölner Bürger kämpfen um ihr Schauspielhaus

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Kölner Bürger kämpfen um ihr Schauspielhaus

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Der Entwurf für das Schauspielhaus in Köln. Foto: SWD Architekten(Köln) und Chaix & Morel et associées (Paris)

Köln. Kölner Bürger kämpfen um ihr Schauspielhaus: Mit Bauhelmen und Klemmbrettern bewaffnet hat eine Bürgerinitiative Unterschriften für den Erhalt des Hauses gesammelt und jetzt ein erstes Ziel erreicht: Innerhalb kürzester Zeit kamen mehr als 31.000 Unterschriften zusammen - für ein erfolgreiches Bürgerbegehren sind nach Angaben der Stadt nur 23.146 Unterschriften erforderlich.

Der Stadtrat hatte im Dezember beschlossen, den denkmalgeschützten Bau des Architekten Wilhelm Riphahn abzureißen und ein neues Theater zu bauen. Nun wird der Rat wahrscheinlich erneut über das Thema beraten müssen. Damit geht eine über Jahre geführte Diskussion wohl von vorne los.

Unter dem Motto „Mut zur Kultur” hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, die das „Aus” für das vorhandene Schauspielhaus nicht hinnehmen will und stattdessen für eine Sanierung plädiert. Klar ist, dass in dem Bau bald keine Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen. Denn die Gebäudesubstanz ist veraltet und die technische Einrichtung in desolatem Zustand. Die Bauaufsichtsbehörden haben bereits ein Ende des Spielbetriebs verfügt, der Umzug in ein Provisorium wird schon vorbereitet.

Initiativen-Sprecher Jörg Jung freut sich über den großen Zuspruch der Bevölkerung. Nach den ganzen Klüngel-Affären habe man eine positive Grundstimmung zur Einmischung in politische Fragen vorgefunden. „Man kann darüber verzweifeln, wie es bisher in Köln so läuft”, meint Jung. Er könne nicht verstehen, dass das Riphahn- Ensemble in der Innenstadt durch den Abriss des Schauspielhauses teilweise zerstört werden solle: „Das ist ein Denkmal für Nachkriegsarchitektur, so etwas gibt es nicht noch einmal in Deutschland.” Eine Sanierung würde nach Berechnungen der Initiative etwa 270 Millionen Euro kosten. Für Abriss und Neubau sind laut Ratsbeschluss 295 Millionen Euro veranschlagt.

Jahrelang war im Kölner Rathaus über die Zukunft von Schauspiel und Oper in der Innenstadt diskutiert worden. Nach intensiver Abwägung möglicher Alternativen die Entscheidung: SPD und FDP stimmten dafür, dass das Opernhaus saniert, das Schauspielhaus aber an gleicher Stelle neu errichtet werden soll. Eine rot-gelbe Mehrheit gibt es im Kölner Stadtrat freilich nicht ­ nur durch die Enthaltung der Grünen kam der Beschluss zustande. Die Debatten im Rat interessierten die Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt kaum. Erst nach der Entscheidung formierte sich der breite Widerstand der Bürger.

Die Fachgruppe der Bühnen-Mitarbeiter in der Gewerkschaft Verdi macht seit Wochen gegen das Bürgerbegehren mobil. Im Gegensatz zur Schauspiel-Intendantin wollen viele Beschäftigten den Neubau. „Eine Sanierung löst auf keinen Fall die Raumprobleme”, begründen sie dies. Technische Verbesserungen seien in dem vorhandenen Bau kaum oder überhaupt nicht machbar.

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) sieht das Bürgerbegehren offenbar mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist er angetreten, nach zahlreichen Klüngel-Affären mit Hilfe von Bürgerengagement mehr Transparenz in die Kommunalpolitik zu bringen. Andererseits weiß er, dass es sich die Politiker in ihren jahrelangen Diskussionen über die Zukunft des Schauspielhauses nicht einfach gemacht hatten. Wenn der Stadtrat jetzt wegen des Bürgerbegehrens seine Vorstellungen nicht vehement verteidigt, könnte es die erste Volksabstimmung in Köln geben. Die Bürger würden dann entscheiden, ob das Schauspielhaus abgerissen oder saniert wird.

Kritiker befürchten, dass das die Planungen weiter verzögern könnte und die Schauspieler dauerhaft in provisorischen Hallen am Kölner Stadtrand spielen müssten. „Die Verlagerung der Volkshochschule wegen Bauarbeiten hat zu einem Besucherrückgang von gut 30 Prozent geführt”, erklärt OB Roters und fragt: „Ist es für eine Stadt hinnehmbar, so lange auf eine reguläre Spielstätte zu verzichten? Kommen dann die Regisseure noch nach Köln? Fliegen dann die Ensembles auseinander?”

Schauspiel-Intendantin Karin Beier räumt ein, dass es zu der umstrittenen Neubau-Frage keine einheitliche Meinung gebe. In einem Offenen Brief an die Kölner Bürger schreibt sie: „Das Theater gehört weder mir, noch den Mitarbeitern der Bühnen, noch der Politik, noch Herrn Roters, sondern hauptsächlich Ihnen.”
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