Kölner Ausstellung zeigt Aborigines-Kunst

Von: Michaela Paulsen, dapd
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Kuratorin Emily Evans vom Museum Ludwig Köln in der Ausstellung „Remembering Forward. Malerei der australischen Aborigines seit 1960” vor dem Gemälde „Warlugulong” (1976) der australischen Künstler Clifford und Tim Tjapaltjarri. Die Ausstellung im Museum Ludwig, die von Samstag (20.November) bis zum 20. März zu sehenist, zeigt neun herausragende Positionen australischer indigener Künstler aus den letzten 40 Jahren. Foto: dapd

Köln. Einige der Gemälde von Emily Kame Kngwarreye würden zwischen den Werken der französischen Künstler Georges Seurat und Paul Signac kaum auffallen. Eine Leinwand übersät mit Punkten in leuchtenden Gelb-, Rot- und Pinktönen erinnert an den Pointillismus des 19. Jahrhunderts.

Kngwarreye (1910-1996) ist eine Aborigines-Künstlerin, die ihre farbenfrohen Bilder in den 80er und 90er Jahren schuf. Sie ist eine von insgesamt neun zeitgenössischen Künstlern, die das Museum Ludwig in Köln gemeinsam mit traditionellen Baumrindemalereien ab Samstag (20. November) in seiner Ausstellung „Remembering Forward - Malerei der australischen Aborigines seit 1960” bis zum 20. März zeigt.

Abstrakt, aber nicht gegenstandslos

Auf den ersten Blick scheinen die rund 50 Gemälde der Künstler aus verschieden Gebieten Australiens abstrakte Kunst zu zeigen. Doch die Bilder sind nicht gegenstandslos. Sie stellen die sogenannten „Dreamings” dar. Das sind die Geschichten der Aborigines aus der Ahnenzeit, die von der Entstehung der Welt berichten, mündlich von Generation zu Generation weiter erzählt wurden und mit einem bestimmten heiligen Ort verknüpft sind.

Bild thematisiert Massaker

Dorothy Napangardi zum Beispiel schuf 2004 ein Bild mit dem Titel „Sandhills”. Auf schwarzem Untergrund sieht man feine Punkte, die wiederum wellenförmige Linien bilden. Wie Emily Joyce Evans, Co-Kuratorin der Ausstellung sagt, sind die feinen Linien die Furchen, die Aborigines mit Stöcken beim Graben durch den Wüstensand gezogen haben. Ein anderes Bild von Paddy Bedford heißt „Two Women Looking at the Bedford Downs Massacre Burning Place” von 2002. Auf blauem Untergrund liegen schwarze Flächen und ein roter schwarzumrahmter Kreis, der zur Hälfte von elf schwarzen Ringen eingerahmt ist.

Was an ein Gemälde des Surrealisten Joan Miró erinnert und eher friedlich wirkt, stellt einen Mord aus den 20er Jahren an einer Gruppe von Aborigines in Bedford - ein spiritueller Ort für Aborigines - dar.

Eher zurückhaltende Kunst

„Ehrlich gesagt, hätte ich gedacht, dass sie politisch eindeutiger wäre und expliziter in der Aussage der Künstler wäre”, antwortet Co-Kuratorin Emily Joyce Evans auf die Frage, was sie vor ihrer Forschungsarbeit über Aborigines-Kunst gedacht habe. Dann habe sie gesehen, dass die politische Thematik bei jedem Künstler nur ein Teil des Ganzen sei.

Evans reiste mit Museumsdirektor Kasper König und ihrem Kollegen Falk Wolf 2009 nach Australien, um die Ausstellung vorzubereiten. Ziel war es, Aborigines-Kunst als Teil der Moderne zu begreifen: „Viele indigene Australier waren während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezwungen, ihre traditionellen Lebensgebiete zu verlassen und in staatliche Siedlungen überzusiedeln. Der Beginn der Malerei auf haltbaren wie transportablen Medien war ein Weg, auch getrennt von den religiösen Stätten, die Überlieferung lebendig zu halten”, sagt Co-Kurator Wolf.

Der Inhalt der Werke erschließt sich dem Betrachter nicht auf Anhieb. Es geht zwar immer um das Land, seine Geschichte und auch um den Kampf der australischen Ur-Einwohner um ihr Land, aber anders als der westliche Betrachter gewohnt ist. „Diese Bilder sind kodifiziert und wir verstehen ihre Bedeutung nicht. Was wir aber verstehen, ist ihre Komplexität”, sagt Museumsdirektor König, der auch Kurator der Ausstellung ist. „Wir sehen diese Bilder als außerordentliche Bereicherung der Malerei an”, betont er.

Keine Leserichtung wie bei westlicher Kunst

Die Bilder der Aborigines entstehen nicht auf einer Leinwand und haben keine Leserichtung von links nach rechts wie die westliche Kunst. „Diese Bilder wurden auf dem Boden gemalt und haben eine ganz andere Leserichtung als wir es gewohnt sind. Ob wir ein Bild um 180 Grad drehen, ändert nichts an der Aussage”, sagt Evans. Bis auf ein Exponat hängen nun alle an Wänden. „Wir wollen mit dieser Kunst nicht anders umgehen als mit jeder anderen auch”, betont sie.
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