Aachen - Klinikum spart am Sauerstoff für Patienten

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Klinikum spart am Sauerstoff für Patienten

Von: Christoph Velten
Letzte Aktualisierung:
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Die Aachener Uniklinik baut ihre Stationen für 100 Millionen Euro um - und geizt mit wichtigen Anschlüssen. Foto: Jaspers

Aachen. Das Aachener Universitätsklinikum muss auf seinen gerade erst umgebauten Stationen Sauerstoffanschlüsse nachrüsten lassen. Das bestätigte Pflegedirektor Hans Pelzer auf Anfrage unserer Zeitung.

Recherchen der „Nachrichten” hatten ergeben, dass an 84 von insgesamt 108 Betten auf den nicht intensivmedizinischen Stationen die Anschlüsse schlicht eingespart worden waren - obwohl für den Umbau 100 Millionen Euro ausgegeben wurden. Pelzer erklärte, die Anschlüsse würden „bis Ende des Jahres” nachgerüstet.

Vorfall in der Nacht

Noch im September vergangenen Jahres wurde bei der Einweihung der neuen Stationen geschwärmt: Größer, heller, moderner sollte alles werden. Die neue Brandschutzanlage wurde vorgestellt, neue Multimedia-Terminals, mit denen die Patienten direkt vom Bett aus fernsehen, im Internet surfen und telefonieren können. Und auch die Fenster lassen sich endlich öffenen, zumindest kippen.

Doch nach der Renovierung ist keineswegs alles besser als vorher. Denn vor dem Umbau stand für jeden Patienten direkt am Bett ein Sauerstoffanschluss zur Verfügung. Im Notfall musste lediglich ein Schlauch eingesteckt und die Atemmaske aufgelegt werden. Jetzt, nach dem Umbau, stehen auf den neuen acht Station inklusive der intensivmedizinischen Station im Schnitt nur noch acht Sauerstoffanschlüsse für 28 Betten zur Verfügung. Noch nicht einmal in jedem Zimmer ist die dauerhafte Sauerstoffversorgung gewährleistet, der Einsatz mobiler Sauerstoffflaschen unabdingbar.

Ein für Patienten und Pflegepersonal unzumutbarer Zustand, der bereits Folgen hatte: Nach Informationen unserer Zeitung hatte sich bei einem Patienten, der mangels Sauerstoffanschluss mit einer mobilen Sauerstoffzufuhr versorgt wurde, kürzlich die Flasche geleert. Das Pflegepersonal war alleine in der Nacht schlicht überfordert und vergaß eine neue Flasche anzuschließen. Der Patient musste daraufhin zurück auf die Intensivstation verlegt werden. Mit einem festinstallierten Sauerstoffanschluss hätte etwas vergleichbares nicht passieren können.

Pflegedirektor Pelzer erklärte allerdings, das Nachrüsten erfolge weniger aus medizinischer Notwendigkeit als viel mehr wegen des „psychologischen Effekts” für das Pflegepersonal. „Wir haben gemerkt, dass sich unser Personal Sorgen gemacht hat”, sagte er. Der Umgang mit den mobilen Flaschen sei nicht eingeübt, die Überforderung in der Nacht absehbar.

Das Nachrüsten der Anschlüsse, sagte Pelzer, koste 70.000 bis 80.000 Euro. Geld, das entweder an anderer Stelle eingespart oder auf das Budget von 100 Millionen Euro aufgeschlagen werden müsse.
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