Aachen - Kleine Studie: Geschwindigkeitsmessungen erreichen ihr Ziel

Kleine Studie: Geschwindigkeitsmessungen erreichen ihr Ziel

Von: Marlon Gego
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Radarmessungen in ganz NRW: 3500 Polizisten wie diese drei in Düsseldorf waren beim sechsten Blitz-Marathon im Einsatz, der heute Morgen um 6 Uhr zu Ende ging. Die Ergebnisse wird der Innenminister heute präsentieren, von dem Sinn der Aktion ist er aber ohnehin überzeugt. Foto: dpa

Aachen. Der Öffentlichkeit mögen die vielen Blitz-Marathons inzwischen ein bisschen auf die Nerven fallen, doch die Politik ist von der Sinnhaftigkeit der 24-Stunden-Blitzerei so überzeugt wie nie zuvor. Der wie immer laut angekündigte sechste landesweite Blitz-Marathon geht am Mittwochmorgen zu Ende.

Da passt es Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) gut ins Konzept, dass es erste wissenschaftliche Indizien dafür gibt, denen zufolge die unter seiner Federführung ersonnene Aktion tatsächlich zu längerfristigen Erfolgen führen könnte. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer kleinen Studie der RWTH Aachen.

Im Rahmen einer Masterarbeit ist am RWTH-Institut für Straßenwesen das Fahrverhalten kurz vor, während und nach dem fünften Blitz-Marathon vergangenen Oktober untersucht worden. Ergebnis: Überall dort, wo Mitarbeiter des Instituts über etwa drei Wochen Geschwindigkeiten erhoben haben, sind die motorisierten Verkehrsteilnehmer im Durchschnitt langsamer gefahren.

Das Problem an der Untersuchung ist, dass die Messungen lediglich an vier Standorten im Großraum Köln vorgenommen wurden. „Deswegen sind unsere Ergebnisse nicht repräsentativ“, sagt der stellvertretende Institutsleiter Dirk Kemper. Geplant ist nun, im Laufe des Jahres weitere Daten zu erheben, um zu möglichst repräsentativen Ergebnissen zu kommen.

Andere Untersuchungen von Kemper und Institutsleiter Markus Oeser allerdings haben ergeben, dass Geschwindigkeitsmessungen keineswegs die beste Prävention gegen zu schnelles Fahren sind. „Autofahrer halten sich vor allem dann an Tempolimits, wenn sie ihren Sinn erkennen, und wenn die Straßen der Geschwindigkeitsbegrenzung entsprechend gestaltet sind“, sagt Kemper.

In einer engen Autobahnbaustelle etwa käme es zu weniger Geschwindigkeitsüberschreitungen als auf baustellenlosen Autobahnabschnitten mit derselben Geschwindigkeitsbegrenzung. In 30er-Zonen vor Schulen oder Kindergärten, auf die mit den entsprechenden Verkehrsschildern hingewiesen ist, werde im Durchschnitt langsamer gefahren als in 30er-Zonen in verkehrsarmen Gewerbegebieten mit breiten Straßen. Die Politik wisse das, sagt Kemper, aber eine Umgestaltung aller Straßen sei eben eine Aufgabe von Jahrzehnten.

Die RWTH ist nicht die einzige Universität, die das Innenministerium in der Fortführung der Blitz-Marathons bestärkt. Auch Verkehrspsychologen etwa der Uni Köln seien von der Sinnhaftigkeit der Aktionen überzeugt, sagt Ministeriumssprecher Wolfgang Beus. „Es wird uns geraten, die Blitz-Marathons ständig zu wiederholen“, damit die Botschaft bei möglichst vielen Verkehrsteilnehmern ankomme: Langsamer fahren rettet Leben. Also ist der nächste Blitz-Marathon bereits in Planung: Voraussichtlich werde er im Herbst stattfinden, hieß es am Dienstag im Ministerium.

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