Aachen - Kleine autonome Republik am Fuße des Lousbergs

Kleine autonome Republik am Fuße des Lousbergs

Von: Heiner Hautermans
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Während der fünfmonatigen Be
Während der fünfmonatigen Besetzung hatte die Polizei immer wieder mal im Höver-Haus zu tun, hier am 20. Oktober 1981 bei der Räumung.

Aachen. Es war ein Ereignis, dass das politisch bewusste Aachen über Monate in den Bann schlug und bis heute nachwirkt: Vor 30 Jahren wurde das Johannes-Höver-Haus am Fuße des Lousbergs besetzt.

Als die jungen Leute am 22. Mai 1981 einziehen, haben zwei Bagger schon mit dem Abriss des ehemaligen Klosters und Lehrlingsheims begonnen. Sie werden gestoppt, 80 Prozent der Bausubstanz sind noch intakt und werden bis zur Räumung am 19. Oktober zu einem selbstverwalteten sozialen und kulturellen Zentrum umfunktioniert.

Vorübergehend schien es so, dass sich dieses auf Dauer etablieren könne, doch die Gespräche scheiterten, die damaligen Besitzer ließen Rollkommandos anrücken, heftige Auseinandersetzungen zwischen den Besetzern und Bauarbeitern hinterlassen zehn Verletzte, ein VW-Bulli geht in Flammen auf. Der Fall beschäftigt Kirchen, Politiker und Verwaltung der seinerzeit CDU-dominierten Stadt Aachen. Ein Trägerverein bildet sich, viele Initiativen ziehen in das Gebäude, tausende Bürger signalisieren direkte und indirekte Unterstützung. Bundesweit gerät Aachen in die Schlagzeilen.

Obwohl auch viele Dozenten und Studenten zur Stelle sind, ist bislang keine wissenschaftliche Arbeit zu dem bewegenden Ereignis erschienen. Johannes Kube, damals Ausländerreferent der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) und einer der größten Förderer des Projekts, ist zurzeit dabei, eine etwa 200 Seiten starke Dokumentation zu erstellen, die im Herbst im Herzogenrather Shaker-Verlag erscheinen soll.

Die Idee ging dem jetzigen Famlientherapeuten schon länger im Kopf herum, befördert wurde sie, als er nach der diesjährigen Verleihung des Aachener Friedenspreises von einem ihm zunächst Unbekannten angesprochen wird: „Bist Du nicht der Johannes vom Höver-Haus?” Der Fremde gibt sich als „Tom” zu erkennen. Er wohnt nicht mehr in Aachen, war damals aber Hausbesetzer im alten Kloster. „Instandbesetzer”, korrigiert er.

„Verpätete Anerkennung”

So reift in Johannes Kube der Entschluss, aus Hunderten von Quellen, etwa Flugblättern, Zeitungsartikeln oder Bildern, dieses Stück Aachener Zeitgeschichte wieder ins kollektive Gedächtnis zu rufen, „dieses einmalige Aachener Experiment einer kleinen autonomen Republik am Lousberg”, wie er in seinem Vorwort schreibt. Die Dokumentation ist den Besetzern gewidmet, die bereits Erfahrungen in leerstehenden Aachener Häusern hatten, als „verspätete Anerkennung ihrer mutigen, gefahrvollen Einsätze und phantasievoll-künstlerischen Experimente”. Diese Protestjugend sei geprägt gewesen von einer „überschwänglichen Aufbruchstimmung - manchmal auch die eigenen Kräfte überschätzend”.

Besonders würdigt Johannes Kube das Werk des inzwischen verstorbenen Wandmalers Klaus Paier, der die Kapelle des Klosters mit seinem wuchtig-symbolischen Bildwerk „David und Goliath” ausschmückte. Die Stadtoberen sorgten Anfang der 1980er Jahre dafür, dass seine Text-Bild-Werke weggeätzt wurden. 30 Jahre später, Anfang 2011, vollzieht der ehemalige CDU-Oberbürgermeister Kurt Malangré die Kehrtwende und trägt dazu bei, die verbliebenen Werke Paiers unter Denkmalschutz zu stellen.
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