Raeren - Klein-Europa: Deutscher macht in Belgien Politik

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Klein-Europa: Deutscher macht in Belgien Politik

Von: Elke Silberer, dpa
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Wer über Europa spricht, sollte Menschen wie Reinartz kennen. Er lebt in dem belgischen Grenzort Raeren bei Aachen und ist so etwas wie das lebende Klein-Europa. Der Mann ist in Belgien geboren, hat einen deutschen Pass und ist belgischer Gemeinderat. Foto: dpa

Raeren. Wer über Europa spricht, sollte Menschen wie Werner Reinartz kennen. Reinartz lebt im belgischen Grenzort Raeren bei Aachen und ist so etwas wie das personifizierte Klein-Europa. Der Mann ist in Belgien geboren, hat einen deutschen Pass und ist belgischer Gemeinderat.

Er arbeitete in Aachen, bis sein Arbeitgeber, eine Vermögensverwaltung, unlängst nach Luxemburg zog. Seitdem hat Europa für den querschnittgelähmten Mann einen bitteren Beigeschmack.

Der 45-Jährige hat einen Telearbeitsplatz in Belgien. Damit war er gezwungen, von der deutschen in eine belgische Krankenkasse zu wechseln. Und die wird nicht mehr so viel zu seinen Hilfsmitteln beisteuern wie die deutsche, befürchtet er. „Das ist ein sehr harter Schlag”, sagt Reinartz. Seit einem Autounfall vor 23 Jahren kann er nur noch Hals und Kopf bewegen. Trotzdem zog er vor knapp drei Jahren zum ersten Mal in den Kommunalwahlkampf.

Keinen Augenblick dachte er über seine Nationalität nach. Eine EU- Richtlinie von 1994 gibt jedem EU-Bürger die aktive und passive Wahl an seinem EU-Wohnsitz. „Die meisten Raerener wissen, dass ich Deutscher bin.” Der Vater war Anfang der 60er Jahre nach Belgien gezogen, „damit er nicht zum Bund musste”. Er lernte die Belgierin Maria kennen. Der Sohn bekam einen deutschen Pass und käme auch nie auf die Idee, das zu ändern.

Die Gemeinde Raeren liegt im Gebiet der kleinen deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, hat rund 10.000 Einwohner und besteht aus drei landschaftlich reizvoll gelegenen Orten. Die Einwohner sind etwa zur Hälfte Deutsche. Viele von ihnen wohnen in netten Einfamilienhäusern, daneben gibt es auch einige Prachtbauten von Unternehmern mit parkähnlichen Gärten. Die Mieten und Grundstückspreise gingen hoch. Heute ist Raeren ein Wohn- und Schlafdorf für Deutsche. Kommunalpolitik interessiert nur die Belgier, nur jeder dritte zugezogene Deutsche geht nach Angaben der Gemeindeverwaltung wählen.

Wenn die Belgier unter sich sind, sprechen sie etwas abschätzig von den „Prüüsse” (den Preußen). Trotzdem wählten sie Reinartz im ersten Anlauf vom fast aussichtslosen 16. Listenplatz der Christdemokraten ins Gemeindeparlament. Seine kommunalpolitischen Positionen sind weder deutsch noch belgisch, auch wenn er ein bekennender Verfechter des Straßenbaus nach deutschem Standard ist.

Es geht um lokale Probleme und ihre Lösung wie die explodierten Grundstückspreise, die kaum ein Raerener mehr bezahlen kann. Vor einigen Wochen hat der belgische Gemeinderat Raeren mit den deutschen Nachbarn von Roetgen getagt. Informelle Sitzungen nennen sie das. Da ging es um Abwässer, die vom belgischen Gebiet ins deutsche Netz fließen und um den Ausbau einer Bahntrasse auf deutschem und belgischem Boden zu einem Fahrradweg. Das sind die brisanten Themen - weit weg von Brüssel.
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