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Kirchliche Kommission irritiert Aachener Staatsanwaltschaft

Von: gego
Letzte Aktualisierung:
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Oberstaatsanwalt Robert Deller.

Aachen. Die Aachener Staatsanwaltschaft war keineswegs erfreut, als sie dieser Tage erfuhr, dass das Bistum Aachen eine eigene Kommission zur Untersuchung von Missbrauchsverdachtsfällen seiner Geistlichen eingesetzt hat. „Wir waren irritiert, von der Arbeit dieser Kommission zu hören”, sagte Oberstaatsanwalt Robert Deller am Mittwoch auf Anfrage.

Insbesondere deswegen, weil es „dem Gesetz nach verpflichtend ist, bei solchen Verdachtsfällen die Strafverfolgungsbehörden” einzuschalten, sagte Deller - und nahm Kontakt zum Bistum auf.

Die Glaubwürdigkeit der Katholischen Kirche ist in den vergangenen Jahren durch eine Reihe sexueller Missbrauchsfälle erschüttert worden, fast 100 Kirchenmänner gerieten in entsprechenden Verdacht. Vor gut einer Woche enthüllte die Berliner Jesuitenschule Canisius-Kolleg den Missbrauch von Schülern durch Ordensmänner in den 70er und 80er Jahren; mindestens 40 ehemalige Schüler belasteten drei Jesuitenpatres schwer, die erst in Berlin, später dann an einer Hamburger Schule und dem Schwarzwälder Kolleg St. Blasien und in mehreren niedersächsischen Pfarrgemeinden unbehelligt Kinder und Jugendliche belästigt haben sollen.

Die im Moment bekannten Fälle sind wahrscheinlich nur ein Bruchteil derer, die sich tatsächlich ereignet haben, die Dunkelziffer könnte erheblich höher sein. Immer wieder formulieren Kritiker den Vorwurf, die Kirche gehe nicht eben offensiv bei der Aufklärung der Fälle vor.

Eine Umfrage des „Spiegel” unter den 27 deutschen Bistümern hatte ergeben, dass die „Kommission für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche im Dienst des Bistums Aachen” derzeit in zwei Fällen ermittelt. Ein Fall, sagte Bistumssprecher Franz Kretschmann, sei der des Pfarrers Georg K. aus Willich, der aber überdies schon die Gerichte in Johannesburg/Südafrika und die Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach beschäftigt. K. soll sich im Februar 2008 mehreren Jungen unsittlich genähert haben.

Der zweite Fall, sagte Kretschmann, sei bereits verjährt. Aus diesem Grund habe man die Aachener Staatsanwaltschaft gar nicht erst informiert. Damit es bei den Behörden allerdings nicht zu weiteren Irritationen kommt, will das Bistum die in seinem Bezirk tätigen Staatsanwaltschaften Aachen, Krefeld und Mönchengladbach „nach den Karnevalstagen über die Arbeit der Kommission” informieren, sagte Kretschmann. Und: „Wir haben ein Interesse daran, das alles transparent zu halten.”

Bereits in der Vergangenheit hatten sich Geistliche des Bistums an schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen vergangenen. Pfarrer Dieter I. etwa, der 1994 für vier Jahre ins Gefängnis musste. Oder Pfarrer M., der 1978 wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt worden war.
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