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Kirchen und Gewerkschaften: Gegen Aushöhlung der Sonntagsruhe

Von: Gerald Eimer
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Täglich „Tag der offenen Tür”? Kirchen und Gewerkschaften haben sich jetzt dafür ausgesprochen, den Sonntag als Tag der Ruhe für die Gesellschaft zu schützen. Foto: dapd

Aachen. In einer gemeinsamen Erklärung wenden sich die Kirchen und Gewerkschaften aus der Region gegen „eine weitere Aushöhlung der Sonntagsruhe”. Zugleich unterstützen sie eine europaweite Allianz für den freien Sonntag, die am kommenden Montag in Brüssel gebildet werden soll.

Der freie Sonntag gewähre einen menschenwürdigen Lebensrhythmus und stärke den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft, erklärte Hans-Peter Bruckhoff, Superintendent des Kirchenkreises Aachen. Gemeinsam mit dem Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, dem Superintendenten des Kirchenkreises Jülich, Jens Sannig, und dem regionalen DGB-Chef Ralf Woelk hat Bruckhoff die Erklärung „Sonntag muss Sonntag bleiben” unterzeichnet.

Darin wenden sie sich insbesondere gegen die „schleichende Entwicklung”, Sonn- und Feiertage immer weiter zu kommerzialisieren und zu normalen Arbeits- und Einkaufstagen zu machen. Die Ausweitung der Sonntagsarbeit bedeute eine erhebliche Einbuße für die Lebensqualität eines jeden einzelnen. „Wir brauchen einen Tag der Unterbrechung auch als Gesellschaft”, unterstreicht Sannig.

Historisch gesehen sei der Sabbat die älteste soziale Gesetzgebung und Errungenschaft, die es seit der Antike gibt. Für das Bistum Aachen erklärte Hauptabteilungsleiter Rolf-Peter Cremer, dass die Sonntagsruhe auch einen gesundheitlichen Aspekt habe. Vor allem aber sei der Sonntag der einzige Tag, an dem Familien in Ruhe zusammenkommen und etwas gemeinsam unternehmen können.

Der Mensch dürfe nicht nur als „homo oeconomicus” gesehen und auf seine „wirtschaftliche Verwertbarkeit” hin betrachtet werden, betonen Sannig und Bruckhoff. Auch die „zweckfreie gemeinsame Muße” habe ihren Wert. Gemeinsam mit dem DGB-Chef Woelk hoffen sie nun auf eine breite gesellschaftliche Debatte über den freien Sonntag. Er sei aus gutem Grund gesetzgeberisch besonders geschützt. Weil er dennoch immer öfter kommerziellen Zwecken geopfert werde, müsse sich jeder einzelne fragen, ob man sich dem tatsächlich unterwerfen und auch sonntags unbedingt einkaufen wolle.

Bundesweit gibt es bereits eine von Gewerkschaften, Kirchen und vielen regionalen Bündnissen getragene Allianz für den freien Sonntag. Am Montag will erstmals das europaweite Bündnis „European Sunday Alliance” mit einer Sonntagsschutz-Konferenz in Brüssel an die Öffentlichkeit treten. Sie wird von vielen EU-Parlamentariern aus unterschiedlichsten Richtungen unterstützt.
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