Düsseldorf - Kindesentführung wieder vor Gericht

Kindesentführung wieder vor Gericht

Von: dpa
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Düsseldorf. Eine Entführung mitten am Tag, eine Mutter, die ihr Kind außer Landes bringt: Der Streit zwischen einer polnischen Mutter und dem deutschen Vater um den gemeinsamen Sohn füllt Bände.

Vor dem Düsseldorfer Landgericht geht der schlagzeilenträchtige Zwist im Januar in die nächste Runde. Im Mai 2010 war die heute 45 Jahre alte Mutter vom Amtsgericht wegen Entziehung Minderjähriger, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Dagegen haben sowohl die Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Am 10. Januar beginnt das Berufungsverfahren.

Nach der Scheidung soll die Frau 2003 den damals vierjährigen Sohn trotz eines noch nicht abgeschlossenen Sorgerechtsverfahrens erstmals ohne Zustimmung des Vaters nach Polen gebracht haben. Nach einem polnischen Gerichtsurteil lebte der Junge dann wieder bei seinem Vater. Doch der Streit zwischen den Eltern hörte nicht auf.

Im Oktober 2008 soll die Frau mitten auf der Lorettostraße in Düsseldorf das Kind überfallartig unter Einsatz von Tränengas von der Hand der Stiefmutter weggerissen haben. Der laut schreiende Junge wurde in ein Auto gezerrt und nach Polen entführt. Laut Anklage versteckte sich dort die Frau mit ihrem inzwischen neun Jahre alten Sohn. Den Medien zeigte sie sich als Opfer der deutschen Justiz.

Nachdem Vater und Stiefmutter ihren Strafantrag zurückzogen und einen regelmäßigen Kontakt zusagten, kehrte das Kind wieder zum Vater zurück. Der Umgang aller Beteiligten ist laut Anklage inzwischen problemfrei. „Das Kind hat bislang keine psychischen Schäden als Folge der Entführung gezeigt”, hieß es vor Prozessbeginn. Aber dem Vater und seiner zweiten Frau seien neben der großen psychischen Belastung Kosten von etwa 30.000 Euro entstanden.

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