Kinderuni: Wie soll Euer Traumauto aussehen?

Von: Christina Diels
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Ein Auto, das fliegt und schwebt und in dem man wohnen kann: Die Teilnehmer der Kinderuni haben viele Ideen für ihr Traumauto gesammelt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Als Bertha Benz mit ihren Söhnen ihre erste Reise in einem Auto unternahm, war das eine kleine Sensation. Bertha Benz war verheiratet mit Carl Benz. Und der hat bekanntlich im Jahr 1886 das erste Auto erfunden. „Ohne ihrem Mann etwas zu sagen, ist Bertha Benz mit ihren Söhnen zu ihrer Mutter gefahren“, hat Ola Källenius (45) am Freitag rund 800 Kinderuni-Teilnehmern im Audimax erzählt.

Von Mannheim nach Pforzheim, 104 Kilometer weit. „Das war eine Riesenstrecke damals“, sagt er. Für seinen Vortrag in der Kinderuni, die von der RWTH und unserer Zeitung veranstaltet wird, ist der Mercedes-Vertriebschef nach Aachen gekommen. Als Vertretung für den erkrankten Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche.

Céline (11) aus Alsdorf sitzt auf einem Platz am Rand in der zweiten Reihe und schreibt mit. „Heute sind 100 Kilometer leicht zu schaffen“, sagt sie, „aber früher war das schwierig.“ Bertha Benz sei der allererste Mensch gewesen, der den Mut gehabt habe, eine richtige Reise mit einem Auto zu unternehmen, sagt Källenius. Bergauf mussten sie und ihre Söhne das Auto anschieben. Und das Benzin mussten sie in einer Apotheke kaufen. Doch sie kamen an und kehrten wieder zurück.

Mittlerweile fahren Autos problemlos Berge hoch, und betanken kann man sie an jeder Zapfsäule. Darüber macht sich heute niemand Gedanken. Und doch: „Wir müssen das Auto neu erfinden“, sagt Källenius.

Der Mann, der selbst Vater von drei Kindern ist, hält einen verständlichen Vortrag. Kindgerecht erklärt er, warum wir das Auto ein zweites Mal erfinden müssen: „Das hat mit dem Kraftstoff zu tun“, sagt er. Autos fahren mit Benzin. Das wird aus Erdöl hergestellt. Vom Erdöl gibt es aber nicht unendlich viel. „Das ist wie mit dem Lebkuchen hier auf diesem Teller. Mag jemand Lebkuchen?“, fragt er. Zwei Assistenten reichen zwei Teller mit Lebkuchen durch die Reihen, die schnell leer sind. „Wir haben zu wenig Lebkuchen“, sagt Källenius. „Und das gleiche Problem haben wir mit Erdöl.“

Und noch ein Grund spricht für die Neuerfindung des Autos an: die Abgase. Das Auto der Zukunft sollte darum möglichst wenig Erdöl verbrauchen. Das gelingt, wenn die Benzinmenge optimal dosiert wird, sagt Källenius. „Unser Auto stellt sich an der Ampel automatisch aus“, sagt Céline. „Das soll Benzin sparen.“

Noch besser wäre es, ein Auto ganz ohne Benzin zum Fahren zu bringen. Mit Strom zum Beispiel. „Bei den Elektro-Autos ist nichts zu hören und nichts zu riechen“, sagt Källenius. Und dann gibt es noch die Idee des Autos mit Brennstoffzelle. „Dabei verbinden sich Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser, und dabei wird jede Menge Energie frei.“

Darüber hinaus will Källenius Autos entwickeln, die mitdenken. „Wir könnten uns vorstellen, dass Autos ganz alleine fahren können in Zukunft“, sagt er. An solchen Fahrzeugen forscht auch Professor Lutz Eckstein vom Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen. Zetsche hatte Eckstein angesprochen, ob er an der Kinderuni der RWTH einen Vortrag halten kann. Eckstein sagte zu. Und weil Zetsche kurzfristig erkrankte, empfing Eckstein mit Ola Källenius einen von Zetsches potenziellen Nachfolgern im RWTH-Hörsaal.

Källenius steht hier ruhig auf dem Podium. Er geht nicht in die Hörsaal-Reihen. Er nimmt lieber vom Podium aus die Kinder dran. Am Ende sammelt er mit den Kindern Ideen und erfindet ihr Traumauto. Gemütliche Sitze müsste Célines Traumauto haben. „Mein Traumauto muss einen Knopf haben, um über den Stau zu fliegen“, sagt ein anderes Kind. „Es muss unter der Erde durchfahren können“, sagt das nächste Kind. Und noch ein Kind möchte in ihrem Traumauto wohnen können.

Källenius ist sichtlich begeistert. Er fordert die Kinder auf, Ingenieurinnen und Ingenieure zu werden. „Unseren Ingenieuren fehlt es an Fantasie, die habt ihr“, sagt er. Damit es eines Tages ein Auto gibt, das fliegt, das schwebt und in dem man wohnen kann.

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