Kinderuni: Mit vielen Sandsäcken gegen die Fluten

Von: Christina Diels
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Ein Professor, ein Mikrofon und viele Kinder: Mit Fragen hat Professor Holger Schüttrumpf die Teilnehmer gestern in seine Kinderuni-Vorlesung Foto: Andreas Steindl (3)

Aachen. Den Kindern im Hörsaal Fragen stellen, einige von ihnen auf die Bühne bitten und sie eine Hochwasser-Schutzanlage selbst aufbauen lassen: Professor Holger Schüttrumpf weiß, wie er die Altersgruppe der Acht- bis Zwölfjährigen ansprechen muss und für sich gewinnt.

Und darum hat der 44-Jährige am Freitag rund 800 Nachwuchsforscher aktiv an seiner Kinderuni-Vorlesung über Hochwasser teilnehmen lassen.

Im größten Hörsaal der Aachener Uni, dem Audimax, fragt der Professor vom RWTH-Lehrstuhl und Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft die Kinder zuerst: „Was ist eigentlich ein Hochwasser?” „Wenn das Wasser eines Flusses über die Ufer tritt”, vermutet ein Kind. „Richtig”, sagt Schüttrumpf. „Und wie entsteht ein Hochwasser?”, hakt er nach und geht mit seinem Mikrofon durch den Hörsaal. „Wenn es regnet”, antwortet ein Kind, das weiter hinten sitzt.

Schneeschmelzen, Sturmfluten und Monsterwellen verursachen hohe Wasserstände, lernen die Kinder im Laufe der Vorlesung. Und sie erfahren, dass Hochwasser auch entstehen kann, wenn Eis auf Flüssen treibt - hier spricht der Professor von Eisgang und Eishochwasser. „In unserer Region sind jedoch starke Niederschläge und Schneeschmelzen für die Entstehung eines Hochwassers verantwortlich”, sagt Schüttrumpf.

An dieser Stelle seines Vortrags baut der dreifache Vater den Wasserkreislauf ein. Die Sonne scheint, Wasser verdunstet und gelangt in die Atmosphäre, Wolken bilden sich und es beginnt zu regnen. „Wenn der Boden nicht mehr in der Lage ist, Wasser aufzunehmen, steigt der Wasserpegel der Flüsse an”, erläutert er.

„Je mehr Wasser von oben kommt, desto höher steigen die Flüsse an, bis es irgendwann zum Hochwasser kommt.” Ein natürliches Ereignis, das die Menschen sehr interessiert. Warum? „Weil wir in überflutungsgefährdeten Bereichen arbeiten, wohnen und Hochwasser unsere Aktivitäten beeinträchtigt”, sagt Schüttrumpf.

Im Hörsaal zeigt der Professor den Kindern auf einer Übersicht, wo Hochwasser Schäden anrichten kann: an Gebäuden, an Autos und in der Landwirtschaft zum Beispiel. Schüttrumpf hat seine Vorlesung klar strukturiert aufgebaut - von der Definition von Hochwasser über die schweren Folgen für den Menschen kommt er zum Hochwasserschutz.

„Schützen, weichen oder anpassen” heißen die drei Philosophien des Hochwasserschutzes, die der Professor eine Woche vor der Kinderuni-Vorlesung in der Vorbereitung anspricht. „In Island”, erzählt er den Nachwuchswissenschaftlern im Audimax, „sind in manchen Gebieten Gletscherschmelzen so stark, dass die Isländer da weggezogen sind.”

In anderen Gegenden, vor allem in solchen, die dicht besiedelt sind, können die Menschen nicht einfach weichen. Damit bleiben ihnen zwei Möglichkeiten: sich anpassen oder sich schützen. Mit einem Bild von einem Haus, das Bewohner in Mozambique auf Pfählen gebaut haben, veranschaulicht Schüttrumpf die Philosophie des Anpassens an das Wasser für die Kinder.

Auch Fotos von Deichen, von Sandsäcken und von Hochwasserschutzmauern sehen die Kinder im Hörsaal auf den Folien seiner Präsentation. Alles Maßnahmen, wie sich betroffene Bewohner gegen Hochwasser schützen.

Und weil der Professor weiß, dass Bilder allein seine jungen Hörerinnen und Hörer nicht fesseln, hat er mit seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft eine mobile Hochwasserschutzwand mitgebracht. Seine beiden Söhne, die im Hörsaal sitzen, sind eingeweiht. Weil der Professor nicht riskieren will, dass sich ein Kind verletzt, ruft er die beiden auf die Bühne und lässt sie die Wand mit einem dritten Jungen zusammen aufbauen.

Nicht nur die anderen Kinder im Hörsaal Audimax können verfolgen, wie der Professor und die Jungen die drei Meter lange und 1,20 Meter hohe Schutzwand aus Dammbalken aufbauen. Auch alle jüngeren Geschwister und Eltern, die im grünen Hörsaal sitzen und auf die Video-Leinwand schauen, können sehen, dass es sehr einfach ist. „Das muss kinderleicht sein, denn wenn das Hochwasser kommt, muss es schnell gehen”, erklärt der Professor. „Damit die Leute hinter der Schutzwand trockene Füße behalten.”


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