Kind mit Methadon getötet? Ärzte schildern Angeklagte als besorgte Mutter

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Eine früher kokain- und heroinabhängige Mutter soll ihre kleine Tochter mit dem Drogenersatzstoff Methadon vergiftet haben und steht in Aachen vor Gericht. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Insgesamt vier Ärzte haben am Mittwoch vor dem Aachener Schwurgericht über die wegen Totschlags angeklagte Cindy C. (29) Auskunft gegeben. Sie alle äußerten sich positiv über das Verhalten der zweifachen Mutter gegenüber ihren beiden Kindern.

Die Aachenerin Cindy C. ist angeklagt, ihre jüngste, damals zweijährige Tochter Sarah-Fe mit einer Überdosis Methadon getötet zu haben. C. befindet sich in einem Heroinersatzprogramm. Sie selbst sagte aus, ihr Kind am Nachmittag des 11. August leblos im Bett gefunden und sofort den Notarzt gerufen zu haben. Der fand es leblos und mit Atemstillstand vor, leitete sofort Wiederbelebungsmaßnahmen ein.

In welcher Verfassung das Kind dann im Krankenhaus ankam, schilderte jene Notärztin, die damals in der Notaufnahme der Uniklinik Dienst tat. „Die Wiederbelebungsmaßnahmen hatten nach insgesamt 60 Minuten keinen Erfolg“, berichtete Michaela B. (39) bedauernd, die Mutter wartete draußen in der Notaufnahme und sei „am Boden zerstört“ gewesen. Die Mutter habe es zuerst „gar nicht glauben wollen“. „Ich habe eine extrem traurige Frau gesehen“, schilderte sie die Situation.

Der Kinderarzt in der Uniklinik kannte Cindy C. bereits von der Geburt und der Frühchenstation. Die Methadonabhängige hatte Sarah-Fe dort in der 22. Woche zur Welt gebracht, das Frühchen habe sich „aber gut entwickelt. Sie war eine verlässliche Mutter“, gab Arzt Mark S. (42) vor Gericht an. Und die Kleine sei dann – mit etwa eineinhalb Jahren – „ein hübsches, kleines und äußerst lebhaftes Wesen“ geworden. Das bestätigte eine weitere Ärztin aus der Haftanstalt Fröndenberg, in der C. bis Anfang 2013 noch eine Reststrafe abbüßen musste.

Der Hausarzt der Angeklagten, Martin V. (58), bestätigte, dass die Patientin, auch weil sie das Methadon bei der Einnahme in der Praxis des Öfteren erbrach, begrenzte Methadon-Vorräte mit nach Hause bekam, in kindersicheren Verpackungen. Das wird wichtig im Verlauf des Verfahrens, weil der Tod der Zweijährigen laut Anklage durch eine Überdosis Methadon verursacht wurde.

Es könne durchaus sein, hatte der Verteidiger angedeutet, dass der Tod des Kindes möglicherweise auf Fahrlässigkeit beruhe, weil es von der Droge getrunken habe. Am kommenden Verhandlungstag, der 27. März, werden nun die Rechtsmediziner das Wort haben.

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