Kind in Kanalschacht geworfen: Prozess beginnt

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Festnahme im Fall Kassandra - Spurensicherung
Ein Koffer der Spurensicherung steht in Velbert während der Suche der Polizei nach weiteren Spuren nahe dem Tatort im Herbstlaub. Foto: dpa

Velbert. Sieben Monate nach dem Martyrium der kleinen Kassandra beginnt an diesem Mittwoch der Prozess gegen einen erst 15- jährigen Angeklagten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit muss sich der Förderschüler vor dem Wuppertaler Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten.

Der Jugendliche soll in Velbert bei Essen der damals neunjährigen Kassandra zunächst einen schweren Stein ins Gesicht geschlagen haben. Das lebensgefährlich verletzte Mädchen stieß er dann laut Anklage „in Tötungsabsicht” in einen Kanalschacht. Das 1,50 Meter tiefe Loch soll der Junge mit dem rund 30 Kilogramm schweren Kanaldeckel verschlossen und mit Ästen bedeckt haben.

Nach einem Großeinsatz der Polizei war Kassandra schwer verletzt und unterkühlt von einem Spürhund gefunden worden. Knapp drei Wochen später nahm die Polizei den damals 14-jährigen Förderschüler fest. Faserspuren an der blutbefleckten Jacke des Mädchens sowie Zeugenaussagen hatten die Ermittler auf seine Spur geführt. Der Junge kannte Kassandra. Das Motiv der Tat ist bislang völlig unklar. Kassandra hatte das Krankenhaus erst zwei Monate nach der Tat wieder verlassen können.

Die Grundschülerin hatte am 14. September 2009 wie immer in Velbert-Neviges in einem betreuten Spieltreff unweit ihres Elternhauses gespielt. Als der Hort am Abend schloss, traf Kassandra dort auf ihren Peiniger. Der angeklagte Jugendliche hatte nach Polizeiangaben Hausverbot in dem Spieltreff, weil er kleinere Kinder tyrannisiert und sich oft geprügelt haben soll.

Für den Prozess sind 17 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte Ende Juni gesprochen werden. Für versuchten Mord kann eine Jugendstrafe bis zu zehn Jahren verhängt werden.
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