Keine Ruhe in Randerath

Von: Marlon Gego
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Aachen/Heinsberg. Man kann nicht sagen, dass sich die Lage in Heinsberg-Randerath beruhigt hätte. Am 28. Februar ist der aus der Haft entlassene Sexualstraftäter Karl D. zu seinem Bruder nach Randerath gezogen, seitdem kommen die 1420 Einwohner des Ortes kaum mehr zur Ruhe.

Dauernd gibt es neue Meldungen und Wasserstände, und wenn der Wasserstand mal der gleiche geblieben ist, wird trotzdem jeden Abend vor der Wohnung demonstriert, in der Karl D. sich aufhält.

Man kann nicht sagen, dass im Alltag des Heinsberger Landrates Stephan Pusch Ruhe eingekehrt wäre. Seit er am 2. März öffentlich verkündet hat, ein von Gutachtern als gemeingefährlich bezeichneter Verbrecher halte sich in Randerath auf, ist auch sein Leben nicht mehr das gleiche. Kein Tag seitdem, an dem Pusch nicht mit dem Fall Karl D. konfrontiert gewesen wäre.

Er ist kritisiert worden, er ist beklatscht worden, am Ende, sagt Pusch, „habe ich mir nichts vorzuwerfen”. Auch deswegen nicht, weil eine Sache, die Pusch seit diesem 2. März ein besonderes Anliegen war, vorübergehend gelöst zu sein scheint: „Der Sohn von Karl D.s Bruder ist aus der Schusslinie”, sagte Pusch unserer Zeitung. Was genau das heißt, möchte er nicht sagen, man kann vermuten, dass der achtjährige Junge im Moment nicht in Randerath ist.

Ein unseriöses Angebot

Über die „Bild”-Zeitung hatte D.s Bruder verbreiten lassen, Karl D. sei bereit, Randerath gegen eine Zahlung von 1,2 Millionen Euro zu verlassen. Dies sei ein Thema, sagt Pusch, mit dem er sich nicht einmal auseinandersetze. Er nennt das Angebot: „unseriös”. Auch weil das Problem auf eine solche Weise nur verlagert, keinesfalls aber gelöst würde.

Im Moment, sagt Pusch, sei die ständige Überwachung Karl D.s die einzige Möglichkeit, die Menschen in Randerath vor einem nicht ausgeschlossenen Rückfall D.s zu schützen. Im Grunde ist das eine Form der Sicherungsverwahrung, die man offene Sicherungsverwahrung nennen könnte, die aber der Gesetzgeber eigentlich nicht vorsieht. Bis aber über die Beschwerde des Landgerichts München beim dortigen Oberlandesgericht entschieden ist, ob nämlich Karl D. bis zur Entscheidung der Revision des Bundesgerichtshofes über das Urteil zur nachträglichen Verhängung der Sicherungsverwahrung im Gefängnis bleiben muss, wird D. in Randerath weiter beobachtet.

Diese Beobachtung kostet den Steuerzahler nach Angaben des NRW-Innenministeriums keinen Cent. „Weil die Heinsberger Polizei dafür im Moment kein zusätzliches Personal braucht”, sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

In jedem Fall wird die Heinsberger Polizei am Samstag zusätzliches Personal brauchen. Für Samstagnachmittag haben sogenannte Neonazi-Kameradschaften ohne Vereinsstatus eine Demonstration in Randerath angekündigt. Nach der NPD-Mahnwache vor knapp zwei Wochen ist dies die zweite Protestaktion mit rechtsextremem Hintergrund in Randerath.

Stephan Pusch möchte sich nicht vorwerfen lassen, durch seine öffentliche Warnung dazu beigetragen zu haben, dass Rechtsextremisten Randerath nun für ihre Zwecke zu instrumentalisieren versuchen. Er weist darauf hin, dass sich der Tonfall der Auseinandersetzung seit seiner Rede bei der Bürgerversammlung Mitte vergangener Woche versachlicht habe. Die allabendlichen Demonstrationen in Randerath hätten inzwischen eher den „Charakter einer Mahnwache”. Das wird am Samstag, da gibt sich Pusch keinen Illusionen hin, anders werden.
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