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Kein Schutz, kein Trinkwasser, keine Medikamente

Von: Anke Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Hermann Rupp
Hermann Rupp

Aachen. Die notwendigsten Dinge zum Überleben stecken in einem Sack. „Mehl, Öl, Linsen, Medikamente und Hygieneartikel, aber auch ein sauberes Handtuch kommen hier rein”, sagt Hermann Rupp, der Pakistan-Länderreferent des Hilfswerks Misereor und hält einen großen weißen Baumwollsack in die Höhe.

Gerade ist der Pakistan-Experte von einem einwöchigen Aufenthalt in dem katastrophengeschüttelten Land im Süden Asiens zurückgekehrt. Dort hat er die Nothilfe-Maßnahmen vor Ort besprochen und entwickelte mit der langjährigen Partnerorganisation Chip (Civil Society Human and Institutional Development Programme) Strategien für den Wiederaufbau des Landes.

Chip hat die Aufgabe, die Arbeit der Hilfsorganisationen zu koordinieren. Die Reise führte Rupp zuerst in den Norden des Landes, wo Chip akute Nothilfe in acht entlegenen Gebieten im Swat-Tal leistet.

Die Flut nahm alles

Rupp spricht von der schrecklichen Flut, den Menschen, die dort ums Überleben kämpfen, aber auch von der Hilfe, die dank der vor Ort tätigen Hilfsorganisationen schon angelaufen ist. „Das Ausmaß dieser Katastrophe ist visuell nicht zu begreifen, denn alles ist weg! Die Flut hat alles mitgenommen, die Häuser, Tiere, Arbeitsmaterial und ganze Äcker - einfach alles!”

Die Kornkammer im Norden des Landes sei am stärksten betroffen, und es werde Jahre dauern, bis dort wieder Landwirtschaft möglich sei. „Man kann nicht mit Worten beschreiben, was dort passiert, alle Menschen sind krank, es fehlt an Schutz vor Sonne, Regen, es fehlen Hygieneartikel, sauberes Trinkwasser und Medikamente.”

„In Pakistan steht eine Fläche von der Größe Italiens unter Wasser, da gibt es keine andere Alternative als Nothilfe”, formuliert Rupp das Ausmaß der Tragödie. Die Menschen in den höher gelegenen und daher nicht überfluteten Regionen seien indirekt von der Katastrophe betroffen: „Sie haben kein Einkommen mehr, da auch viele Märkte verschwunden sind, auf denen sie ihre Waren verkaufen könnten. Aber die Bevölkerung versucht schon wieder sich zu organisieren und das Überleben zu sichern.”

Ins Flutgebiet im Süden Pakistans, in die Region des südlichen Punjab, habe er nicht direkt reisen können, dort besprach er mit den Partnerorganisationen die Koordination der Nothilfe, denn auch dort wird Misereor tätig werden. Dort gebe es noch großflächige Überschwemmungen, so dass hier hauptsächlich die Gesundheitsversorgung und der Aufbau von Camps, in denen die Menschen gepflegt werden könnten, im Vordergrund stehe.

Wichtig sei vor allem, die Arbeit der Hilfsorganisationen transparent zu machen, da die Öffentlichkeit sehr daran interessiert sei, wohin die Spenden fließen. „Bei der Medikamentenausgabe beispielsweise wird der genaue Bedarf ermittelt, und die Ausgabe von Hilfsgütern geschieht direkt an die vorher registrierten Familien.”

Seit 1959 betreut Misereor Hilfsprojekte in Pakistan, zur Zeit sind es 49. Bei dem aktuellen Projekt stellt sich Misereor auf langfristige Unterstützung ein, die nicht von externen Hilfsorganisationen, sondern von dort ansässigen geleistet wird, die sich vorher qualifizieren mussten.

„Daher sind wir in einer guten Situation, denn die Organisationen kennen das Land, sind auch bei der Bevölkerung bekannt und können die Art und Weise der Hilfe einschätzen.”

Notfalls auf dem Esel

Dabei wenden sich die Organisationen an Misereor, das Hilfswerk überprüft deren Projektanträge und überweist dann das Geld in Tranchen, da die Hilfsgüter nach Möglichkeit im Land gekauft werden sollen, um die heimische Wirtschaft zu stützen.

Die Güter werden dann auf Lkw von den Chip-Mitarbeitern direkt in die betroffenen Gebiete transportiert. Sind die Gebiete nicht per Auto zu erreichen, gelangen die Notfallpakete auf Eseln zu den betroffenen Familien.

Damit erreicht Misereor zur Zeit rund 60.000 Menschen in den Überschwemmungsgebieten. 575.000 Euro Nothilfe hat Misereor als Nothilfepaket direkt zur Verfügung gestellt, und diese Summe soll laut Ulrich Füßer, dem Leiter der Misereor-Asien- Abteilung, jetzt verdoppelt werden.

Mit Spenden kann die Arbeit von Misereor unterstützt werden.
Folgendes Konto steht hierzu bereit: Kontonummer 101010, Pax Bank Aachen, BLZ: 37060193

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