Aachen - Kein Platz für schwule Schützenkönige?

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Kein Platz für schwule Schützenkönige?

Von: Marlon Gego
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Dieses Schützenkönigspaar au
Dieses Schützenkönigspaar aus Münster sorgte vergangenen Sommer für Diskussion: Der Bund Historischer Deutscher Schützenvereine befasst sich am Sonntag erneut mit dem Thema.

Aachen. Der Bund Historischer Schützenbruderschaften (BHDS) hatte sich nach all den Aufgeregtheiten des vergangenen Jahres eigentlich auf eine ruhige Versammlung am Sonntag gefreut, doch daraus wird mal wieder nichts.

Der Dachverband der Historischen Schützenvereine, in dem mehr als 400.000 Schützen organisiert sind, muss sich am Sonntag nach Anträgen der Diözesanverbände Paderborn und Münster schon wieder mit der Frage befassen, wie denn jetzt mit homosexuellen Schützenkönigen zu verfahren ist.

Der strenge Kardinal

Vergangenen Sommer wurde Dirk Winter, ein 44-jähriger Getränkehändler aus Münster, in seinem Verein Schützenkönig. Im Schützenzug wollte er gern neben seinem Partner marschieren, doch daraus wurde nichts: Der Bundespräses des BHDS, der Kölner Weihbischof Heiner Koch, erklärte, der Partner könne ja gern mitmarschieren, aber keinesfalls an der Seite des Schützenkönigs, dieser Platz sei für eine Frau reserviert. Ende der Diskussion - so dachte der Bundespräses jedenfalls.

Die Diskussion ging dann in fast allen Zeitungen Deutschlands, im Radio und im Fernsehen weiter. In den Vereinen sowieso. Die Politik reagierte empört, die Vertreter anderer Schützenverbände auch, Lesben- und Schwulenverbände schrieben dem BHDS böse Briefe, und am Ende stand Heiner Koch als reaktionärer Buhmann da. Egal, er blieb bei seiner Entscheidung.

Dass Bundespräses Koch die ganze Schelte abbekommen hat, ist wahrscheinlich ungerecht, denn Koch arbeitet im Erzbistum Köln, das von Kardinal Joachim Meisner, 78, geleitet wird. Meisners Position zu Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften könnte man guten Gewissens als mindestens hartleibig bezeichnen, und es ist anzunehmen, dass der Kardinal sehr genaue Vorstellung davon hat, was in einem so großen katholischen Verband wie dem BHDS vorgehen sollte und was nicht.

Ein BHDS-Funktionär aus dem Aachener Raum erklärte am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die BHDS-Spitze vergangenen Sommer, als die Diskussion um den schwulen Schützenkönig aus Münster einfach nicht abebben wollte, enormen Druck auf die Bezirksverbände ausgeübt und auf Linientreue bestanden habe. „Ich kann Ihnen sagen, das halten Sie nicht aus.”

Deswegen möchten Funktionäre des BHDS, wenn sie überhaupt über das Thema sprechen, dies nur anonym tun. „Der BHDS möchte keine Diskussionen mehr über homosexuelle Schützenkönige haben, das wird er am Sonntag deutlich machen”, sagte der Funktionär. Mit anderen Worten: Homosexuelle Schützenkönige werden nur dann geduldet, wenn sie sich nicht öffentlich zu ihrer Homosexualität bekennen.

„An die Regeln halten”

Ein anderer Funktionär aus unserer Region sagt, „der BHDS ist nun mal ein katholischer Verband”, das wisse jeder, der einem der BHDS organisierten Vereine beitritt. „Und wer beitritt, der soll sich auch an die Regeln halten.” Würde die Verbandsspitze nun am Sonntag beschließen, dass man sich von nun an auf allen Ebenen auch von homosexuellen Schützenkönigspaaren repräsentieren ließe, „dann sehe ich unsere Grundsätze davonschwimmen”. Vielen sei das egal, aber vielen eben auch nicht. Zumal jeder Schütze auch die Möglichkeit habe, einem reinen Sportschützenverein beizutreten. Der Schießsport existiert auch außerhalb des katholischen BHDS.

Dass die Bundesvertreterversammlung am Sonntag in Leverkusen, zu der auch Schützen der Bezirksverbände unserer Region fahren, etwas ändern wird, ist nicht abzusehen. Das ist von einem Verband, der es geschiedenen Menschen verbietet, Spitzenfunktionen in ihm zu übernehmen, auch gar nicht anders zu erwarten.
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