Köln - Karneval nur mit kugelsicherer Weste: die Kölner Domstreife

Karneval nur mit kugelsicherer Weste: die Kölner Domstreife

Von: Christoph Driessen, dpa
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Michael Steinebach (r.) und Mario Puzzo, Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Köln, während eines Rundgangs am Dom. Die beiden von der Domstreife wachen mit ihren Kollegen über die öffentliche Ordnung: Keine noch so kleine Verfehlung bleibt unbemerkt. Foto: dpa

Köln. „Guten Tag.” Der kurze Gruß reicht aus, um eine Gruppe von Jugendlichen hochschrecken zu lassen. Hinter ihnen steht ein Mann in einer schwarzen Jacke mit der Aufschrift „Domstreife”.

„Das da vorn hebt ihr aber wieder auf, ja?” Die 13- bis 15-Jährigen blicken schuldbewusst auf das Papier, das sie auf eine der Treppen zum Kölner Dom geworfen haben. „Hätten wir doch sowieso gemacht...” Eine Viertelstunde später sind die Jugendlichen weg ­ und die Treppe ist sauber.

Michael Steinebach (23) nickt zufrieden. Das sind seine kleinen Erfolgserlebnisse. Seit 2006 ist der Beamte vom Ordnungsamt bei der Domstreife. Zusammen mit einem Kollegen geht er um den Dom herum und wacht über die öffentliche Ordnung. Keine noch so kleine Verfehlung bleibt unbemerkt: Ein Hund ohne Leine, ein Reklamezettel-Verteiler ohne Genehmigung, ein Straßenkünstler ohne vorgeschriebenen Abstand zum Dom.

Sehen und Handeln ist bei Steinebach eins. Hier eine Ermahnung, dort ein Machtwörtchen. Und alle parieren. Liegt das an der Uniform? Unter anderem. Aber Steinebach kann eben auch selbstbewusst auftreten. Mit seiner Aufpasser-Rolle hat er keine Probleme. „Die Regeln sind nicht ohne Grund da”, meint er. „Was glauben Sie, wie das sonst hier aussehen würde?”

Seit Menschengedenken prangert die Lokalpresse Graffiti, Taubendreck und Müll im direkten Domumfeld an. Als Reaktion darauf entstand 2006 ein Ordnungsdienst mit 18 Mitarbeitern ­ die Domstreife.

Steinebach ist von Anfang an dabei. Grundlage seiner Arbeit ist die „Ordnungsbehördliche Verordnung über die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Gebiet der Stadt Köln”, umgangssprachlich als Kölner Straßenordnung bezeichnet. Ausgedruckt sind das zwölf Seiten, und Steinebach kann sie im Schlaf hersagen, ebenso wie manches andere behördliche Regelwerk: Jeder Hund ist anzuleinen. Jeder ist verpflichtet, sich auszuweisen. Taubenfüttern ist verboten. Spucken wird bestraft.

Eine Zigarette wegzuwerfen, kostet 25 Euro. Was nicht viel ist im internationalen Vergleich, wie Steinebach in Gesprächen mit ausländischen Touristen festgestellt hat. In den USA bezahlt man ein Vielfaches. Und sogar in Holland ­- er sagt es mit einer gewissen Verwunderung ­- sogar in Holland ist es noch doppelt so teuer.

Viele Freunde sagen ihm, sie wollten seinen Job nicht machen. Aber Steinebach gefällt die Arbeit. „Man hat viel mit Menschen zu tun.” Er glaubt an das, was er tut, und deshalb muss er sich auch nicht überwinden, wenn er jemanden zur Ordnung ruft. „Man muss den Leuten ganz klar sagen können: Hier gehts lang! Wenn man das nicht kann, ist man in diesem Job falsch.” Nur ganz selten hat er mal Skrupel, zum Beispiel wenn er vor den Augen von hundert Zuschauern eine lateinamerikanische Musikgruppe wegschicken muss.

An Weiberfastnacht geht er nur mit kugelsicherer Weste zur Arbeit. Zu den Karnevalstagen wird seine Tätigkeit dadurch erschwert, dass Teile der Straßenordnung inoffiziell außer Kraft gesetzt sind. Vieles, was sonst strafbar wäre, gilt plötzlich als Brauchtum. Für alle Fälle hat er ein Reizstoffsprühgerät in seiner Brusttasche. „Ein extremes Pfefferspray. Da braucht man einen kleinen Waffenschein für.”

Steinebach ist selbst nicht aus Köln. Zu Beginn seiner Tätigkeit bei der Domstreife hat er mal ein Jahr in der Stadt gewohnt. Aber dann ist er wieder weggezogen, relativ weit weg sogar. Die lange Anfahrt nimmt er in Kauf. „Der Dom ist mein Arbeitsplatz, und deshalb kann ich in seiner Umgebung sehr, sehr schlecht abschalten.” Auch wenn er mal privat in der Altstadt unterwegs war, achtete er ständig darauf, was die Leute alles falsch machten. „Da bin ich wieder weggezogen.”

In der richtigen Entfernung vom Dom kann er durchaus Privatmann sein, sagt er. Was nun auch wieder nicht heißt, dass er dort ein völlig anderer Mensch ist. „In meiner Wohnung steht alles an seinem Platz. Ich habe nun mal ein gewisses Ordnungsempfinden.”
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