Karl D. will zur Therapie in die Klinik

Von: Marlon Gego
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Randerath Aufmacher

Aachen. Der Sexualverbrecher Karl D. wird heute in der Rheinischen Landesklinik Düren um seine Aufnahme bitten. Nach Informationen dieser Zeitung möchte D. dort eine geschlossene Therapie absolvieren.

Den Entschluss fasste Karl D. am Samstag, nachdem er am Freitagabend von einer missglückten Wohnungssuche in Berlin zurück nach Aachen gekehrt war. Sein Aachener Psychotherapeut, der Karl D. seit zwei Jahren betreut, hatte festgestellt, dass D. unter „tiefer Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und geäußerten Gedanken der Suizidbereitschaft” leide. Sollte sich Karl D. tatsächlich in Düren einweisen lassen, wäre das eine überraschende Wende in einem der tragischsten Fälle der deutschen Strafrechtsgeschichte.

Seit dem 28. Februar 2009 hatte der 59-Jährige bei der Familie seines Bruders Helmut D. in Heinsberg-Randerath gewohnt, weil er nach der Verbüßung einer 14-jährigen Haftstrafe keine andere Anlaufstelle wusste.

Doch D.s Reise zu seinem Bruder blieb nicht geheim, da Boulevardmedien über sie berichtet hatten, und der Landrat des Kreises Heinsberg, Stephan Pusch (CDU), die Randerather Bevölkerung vor der Ankunft D.s gewarnt und eine permanente polizeiliche Überwachung angeordnet hatte. Karl D. war ein sehr unfreier freier Mann.

Teile der Bevölkerung demonstrierten an etwa 400 Tagen gegen die Anwesenheit Karl D.s, was auch seinen Bruder und dessen Familie erheblich unter Druck setzte. Ein Umzug nach Mönchengladbach scheiterte, nachdem eine Boulevardzeitung diese Pläne öffentlich gemacht hatte.

Die Wohnungssuche in Berlin scheiterte, weil ein Sozialarbeiter Karl D. gesagt hatte, er solle Berlin wieder verlassen. Dieser Sozialarbeiter eines Wohnheimes an der Lehrter Straße soll D. am Freitag ein Bahnticket nach Aachen gekauft und ihn in den Zug gesetzt haben. Seit Samstag wohnt D. in einem Hotel im Kreis Aachen.

Nur noch 15 Euro in der Tasche

„Karl und sein Bruder Helmut haben verabredet, dass Karl nicht länger in Randerath leben kann”, sagte am Sonntag sein Rechtsanwalt Wolfram Strauch. Die erste Nacht im Hotel bezahlte sein Bruder, die zweite sein Rechtsanwalt. Karl D. hatte am Sonntagabend 15 Euro bei sich, eine weitere Nacht kann er nicht bezahlen.

Die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt ist wohl Karl D.s letzte Möglichkeit auf ein Leben in relativem Frieden ohne Polizeiüberwachung. Sein Therapeut wollte am Samstag im Aachener Klinikum eine Überweisung in eine geschlossene Einrichtung erwirken. Diese wurde dort aber nicht ausgestellt. Man sah auch keine Veranlassung, D. bis heute im Klinikum zu behalten.

Karl D. ließ am Sonntag erklären, er wolle sich freiwillig in Therapie begeben, um „ein bis zwei Mal im Monat die Möglichkeit” zu haben, die Einrichtung „in Begleitung oder Überwachung” zu verlassen. Damit er sich eine Wohnung suchen kann - für die Zeit nach einer möglicherweise erfolgreich absolvierten Therapie.
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