Köln - Kardinal Meisner nennt Gewalt zur Eindämmung von Gewalt legitim

Kardinal Meisner nennt Gewalt zur Eindämmung von Gewalt legitim

Von: epd
Letzte Aktualisierung:
Kölner Erzbischof Meisner
Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner vor dem Kölner Dom. Foto: dpa

Köln. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat es als legitim bezeichnet, wenn „ungerechte Gewalt durch Gegengewalt eingedämmt wird”. Es sei legitim, wenn neu aufflammende Gewalt „im Keim erstickt wird”, sagte der Kardinal am Donnerstag im Kölner Dom, ohne einen aktuellen Konflikt zu benennen.

In seiner Predigt im internationalen Soldatengottesdienst am Weltfriedenstag würdigte er Militär und Soldaten in demokratischen Strukturen.

„Auch wenn Kritiker es nicht wahrhaben wollen: Ziel demokratischer Armeen ist es gerade, Frieden zu schaffen und zu erhalten”, sagte der Kardinal vor rund 1.500 Soldaten verschiedener Nationen und Angehörigen der Polizei. Die Männer und Frauen, die sich etwa für die Sicherheit von Schiffsbesatzungen vor der Küste Somalias einsetzten, gäben ein Beispiel des Heiligen Martin. Der als Sankt Martin verehrte und bis heute populäre Heilige war Soldat, später Mönch und Bischof von Tours im vierten Jahrhundert nach Christus.

Soldatinnen und Soldaten leisteten durch Hilfs- und Aufbaudienste erste Schritte zu einem „wirklich stabilen Frieden”, sagte Meisner. Der Kölner Kardinal verwies auch auf Äußerungen des verstorbenen Papst Johannes Paul II. Er habe darauf hingewiesen, dass ein solcher militärischer Einsatz „zur Verteidigung des Guten” auch eine religiöse Dimension aufweisen könne, sagte Meisner. Ein Soldat, der sein Leben für Frieden und Sicherheit für Arme einsetze, stehe unter einem hohen moralischen Anspruch.

Der jährliche Soldatengottesdienst im Kölner Dom wurde außen auf der sogenannten Domplatte von traditionellen Protesten begleitet. Etwa 50 Teilnehmer von verschiedenen Friedens- und Aktionsgruppen protestierten mit Transparenten und Sambatrommeln gegen die Verbindung „von Kirche und Staat in Sachen Militär”, wie ein Vertreter einer Basisgruppe der katholischen Friedensinitiative Pax Christi sagte. Mit Blick auf die diesjährige Predigt sei auch zu kritisieren, dass Soldatentum und Kampf gegen Armut miteinander verbunden wurden. Soldaten seien nicht für Armutsbekämpfung zuständig.

Zuvor hatte die Organisation Pax Christi auf Bundesebene einen sofortigen Stopp der militärischen Offensive Israels im Gazastreifen gefordert. Dafür müsse sich auch die Bundesregierung stärker einsetzen, sagte Pax-Christi-Vizepräsident Johannes Schnettler am Donnerstag im domradio in Köln. „Wir wollen von der Bundesregierung eine tatkräftige Initiative.” Es gehe darum, Israel auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechts hinzuweisen, erklärte Schnettler.

Pax Christi erkenne den Anspruch Israels auf Verteidigung seines Staates und seiner Bevölkerung an, betonte der Friedensaktivist. Waffengänge seien dafür aber nicht der richtige Weg. „Die eigentlichen Ursachen für den Hass auf Israel und das Elend und die Not und die Verzweiflung der Menschen im Gazastreifen, die müssen mit anderen Mitteln behoben werden.”
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