Kardinal Meisner entzieht schwulem Kritiker die Lehrerlaubnis

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Köln. Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat dem schwulen Buchautor David Berger die Erlaubnis zum Religionsunterricht entzogen. Der 77-jährige Kardinal begründete dies am Donnerstag mit Bergers Kirchenkritik, die sein Vertrauen zu ihm zerstört habe.

Berger hatte in seinem Buch „Der heilige Schein” schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche erhoben. Der 43-Jährige sprach von einem „katholischen Dschihad” (Heiligen Krieg). Der Einfluss der Ultrakonservativen auf die ganze Kirche wachse.

„Es ist der Gesamteindruck”, sagte Meisners Sprecher Christoph Heckeley. „Bei jedem anderen Arbeitgeber würde das auch zu Konsequenzen führen. Das wäre wie wenn ein Bankgestellter öffentlich sagen würde: „Rechnen kann ich nicht so gut, und mit den Abrechnungen nehm ichs auch nicht so genau.””

Berger sagte der dpa, seine Abberufung gehe auf den Druck extrem konservativer Kräfte zurück, die Unterschriftenaktionen veranstaltet hätten und sogar die Todesstrafe für Homosexuelle forderten. „Das hat mich am meisten schockiert.” Er nannte unter anderem die Internetseiten kreuz.net und kath.net. Kreuz.net kommentierte den Entzug der Lehrerlaubnis mit dem Satz: „Jetzt hat der Homo, was er wollte.”

Berger bestritt im dpa-Gespräch, dass er die katholische Kirche als solche angegriffen habe. „Mein Buch weicht gerade nicht von der katholischen Lehre ab, ich habe es aus Liebe zur Kirche geschrieben.” Er kritisiere nur ganz bestimmte Missstände innerhalb der Kirche, und dies sei die Aufgabe jedes katholischen Laien. Berger wird am Ville-Gymnasium in Erftstadt bei Köln nun künftig sein zweites Fach Deutsch unterrichten.

Messen mit ungleichem Maß

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, kritisierte: „Meisner spricht einem profilierten Theologen die Kompetenz ab, weil er nicht asexuell lebt. Wäre die katholische Kirche nur bei Fällen sexuellen Missbrauchs halb so konsequent gewesen.” Mit den rechten Pius-Brüdern habe der Kardinal keine Probleme - die lasse er auch in seiner Diözese weiter gewähren. Auch die Reformbewegung „Wir sind Kirche” protestierte gegen die Strafaktion.

Meisner gilt als einer der konservativsten deutschen Bischöfe und ist im Erzbistum Köln dafür bekannt, dass er streng gegen Kritiker vorgeht. Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag, die Homosexualität sei in diesem Fall durchaus der eigentliche Grund für den Entzug der Lehrerlaubnis, doch aus taktischen Erwägungen wähle Meisner in solchen Fällen gern eine andere Begründung, die innerhalb der Kirche auf nicht so viel Widerspruch stoße. Homosexualität offen auszuleben, sei für den Kardinal nicht hinnehmbar.

Berger hatte zunächst in der katholischen Kirche Karriere gemacht und genoss gerade auch in konservativen Kreisen Ansehen. 2003 wurde er in die Päpstliche Thomas-Akademie aufgenommen und gab die vor allem von Traditionalisten gelesene Zeitschrift „Theologisches” heraus. Wegen der „Verteufelung” von Homosexuellen legte er seine Aufgaben jedoch nieder und veröffentlichte 2010 das Buch „Der heilige Schein”, das in den Medien viel Aufmerksamkeit erzielte.
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