Kanzlerin für einen Tag: Schüler debattieren im Bundestag

Von: Carola Hilbrand, dpa
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Bonn. Guido Westerwelle trägt heute Schuhe mit Pfennigabsatz. Finanzminister Peer Steinbrück ist in Jeans in den Bundestag gekommen. Die Kanzlerin ist nervös. Sie ist 16 Jahre alt, heißt Kim Kellershoff und tritt nun an das Rednerpult des Plenarsaals.

Kim ist am Samstag, dem Tag der Bundespräsidentenwahl und 60. Jahrestag des Grundgesetzes, Teil eines Projekts des „Bonner Generalanzeigers”. Schüler aus Bonn und der Umgebung debattieren auf Initiative der Zeitung im früheren Bundestag, dem heutigen World Conference Center, über einen Gesetzesentwurf zum Schuldenabbau - und verkörpern dabei echte Politiker.

Kanzlerin Kim Kellershoff lässt sich von den rund 1000 Anwesenden nicht aus der Ruhe bringen. Ihre Rede soll die jungen Parlamentarier vom Gesetzesentwurf überzeugen: „Bis 2015 soll die Neuverschuldung auf Null reduziert werden”, fordert sie und entblättert den Maßnahmenkatalog - von Bürokratieabbau bis zur PKW-Maut. „Es ist unter unserer Würde, meine Damen und Herren”, ruft sie ins Plenum, „kommende Generationen auf unseren Schulden sitzen zu lassen”. Kim hat das Gesetz mit entworfen - und kommt jetzt in Fahrt.

Sieben Schulen beteiligen sich an der bundesweit einmaligen Aktion. Deren Schüler zwischen 15 und 18 Jahren verkörpern Vertreter jeweils einer Bundestagspartei und deren Position im Streit um die Schuldenlast. „Unser Ziel war es die Jugend zu Wort kommen zu lassen”, sagt Andreas Tyrock, Chefredakteur des „Generalanzeigers”. „Die Chance haben wir genutzt. Wir haben ein volles Haus mit vielen Jugendlichen. Und die bestimmen den Tag.”

Seit Anfang des Jahres gingen die jugendlichen Pendants von Angela Merkel und ihrem Kabinett zur Schule - und paukten neben Mathe und Englisch auch politische Rhetorik und Raffinesse. Während die „Große Koalition” zur Rheinbacher Tomburg-Realschule und zur Europaschule Bornheim ging, drückte FDP-Chef Westerwelle (Nilufar Aslani) in der Bonner Hauptschule Am Römerkastell die Schulbank. Die 17-Jährige erntete mit Absatzschuhen und spitzer Rhetorik den wohl lautesten Applaus: „Die Staatsverschuldung beträgt 2 Billionen. Eine Zwei mit zwölf Nullen - das sind mehr Nullen als in dieser Regierung sitzen.”

Das mediale Interesse ist selbst am Tag des Verfassungsfestes im Bundesviertel groß: Kameras mehrerer Fernsehsender sind auf die jungen Politiker gerichtet, als das Gesetz zur Abstimmung kommt. Redakteure von Radiostationen und Schülerzeitungen sind zur „Bundespressekonferenz” gekommen. Das Gesetz wird mit großer Mehrheit gebilligt. Nicht nur Angela Merkel (16) hat überzeugt.
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